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Puppen, Pillen, Plunder: Abenteuer Zollamt

Rostock Puppen, Pillen, Plunder: Abenteuer Zollamt

Im Überseehafen landen monatlich etwa 400 Pakete, die abgeholt werden müssen / Darunter sind immer wieder Kuriositäten

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Kerstin Wendt (r.) und Angela Zimmer vom Zoll horten Pakete

Rostock. Späße unter Kumpels enden meist in der Kneipe, selten allerdings beim Zoll. Nicht so bei einem jungen Herren, Anfang 30, der sich im Überseehafen einfinden sollte. Ganz verdattert sei er gewesen, ein Paket aus dem Ausland habe er gar nicht erwartet, erzählt Zollamtsmitarbeiterin Kerstin Wendt. So etwas höre sie häufiger, meist als Ausrede, um sich um Nachzahlungen zu drücken. „Ich habe es ihm aber geglaubt.“

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Im Überseehafen landen monatlich etwa 400 Pakete, die abgeholt werden müssen / Darunter sind immer wieder Kuriositäten

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Öffnen musste er es als Empfänger dennoch. Im Paket sei eine aufblasbare Puppe gewesen. Draußen haben sich seine Freunde prächtig amüsiert. „Er hat eine Wiederausfuhr beantragt“, erinnert sich Wendt.

Sonst hätte er zahlen müssen. Bestellungen aus Nicht-EU-Ländern dürfen bei Privatpersonen maximal 22 Euro wert sein, ohne dass Einfuhrumsatzsteuer fällig wird. Die liegt in vielen Fällen bei 19 Prozent, die auf den Einkaufspreis draufgeschlagen werden. „Wenn noch Versandkosten zum Rechnungsendbetrag dazugehören, zählen die zu der 22-Euro-Grenze dazu“, sagt Brigitte Theile, Leiterin des Rostocker Zollamts, das zur Hauptabfertigung in Stralsund gehört.

In ihren 42 Dienstjahren hat sie schon so manche Kuriosität erlebt. „Erst neulich hatten wir ein Paket hier, das schon ziemlich roch“, sagt die 61-Jährige. Ihre Mitarbeiterinnen Kerstin Wendt und Angela Zimmer rümpfen gleich die Nasen. „Ja, da waren Insekten drin, die ein Sammler einführen wollte“, sagt Zimmer. 40 Stück, aus Vietnam. Die seien präpariert gewesen, in Alkohol. Und die Gefäße waren zum Teil ausgelaufen, sagt Wendt.

Sonst haben die Zollbeamten mit Klassikern zu tun, die sich Rostocker im Internet bestellen und sich aus den USA, aus China oder auch der Schweiz zuschicken lassen. Smartphones, technisches Zubehör, Markenturnschuhe. Designerhandtaschen, „vor allem von Louis Vuitton“, sind laut Theile lange die Renner gewesen. Mittlerweile liegen Abnehmpillen im Trend, verschiedene Teesorten und Gewürze, Brautkleider, „im Herbst dann noch teils teure und ausgefallene Halloween-Kostüme und zur Faschingszeit Verkleidungen“, so Theile.

Übrigens müsse längst nicht alles im Überseehafen abgeholt werden, was sich Privatpersonen im Internet bestellt haben. Oft legt die Post anfallende Steuern aus und lässt sich diese an der Haustür bei der Paketübergabe vom Empfänger erstatten. Nur wenn die Zollinhaltserklärung nicht ausreichend ausgefüllt ist, müssen Rostocker Online-Einkäufer den Weg zum Hafen antreten. 400 Postpakete füllen die Regale im kleinen Abholbüro über den Monat. Auf manchen stehen Tarnbezeichnungen: etwa Bonbons statt der tatsächlich enthaltenen Anabolika. „Und wir hatten letztes Jahr die erste Vollfälschung einer Canon-Kamera, die überhaupt in Deutschland entdeckt wurde“, sagt Brigitte Theile und nennt den Fund „spektakulär“. Ein Mitarbeiter habe Verdacht geschöpft. Gefeit vor Bestellungen von gefälschten Produkten sei niemand, beruhigt Kerstin Wendt. Aber: „Wenn sich die Vertreter der Rechteinhaber nicht einigen wollen, dann landet so was vor Gericht.“ Ihr Tipp: Vor allem bei Artikeln aus China immer den Shop googlen und die Bewertungen durchlesen. Falls dort negative Erfahrungsberichte stehen — „lieber Finger weg“.

Teure Onlinebestellungen

22 Euro dürfen Waren aus China, den USA oder der Schweiz höchstens kosten, um abgabefrei entgegengenommen werden zu können. Vorsicht: Versandkosten gehören meist zum Rechnungsbetrag. Kostet ein Produkt 20 Euro, der Versand aber zehn Euro, liegt man über der Grenze. Es fallen 19 oder sieben Prozent Einfuhrumsatzsteuer an. Wären die Abgaben

geringer als fünf Euro, werden sie nicht erhoben.

Also liegt die eigentliche Grenze bei 26,30

Euro. Privatgeschenke dürfen einen Wert von 45 Euro haben.

Von Claudia Tupeit

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