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Radio-Moderator gesteht Betrug mit Gewinnspielen

Rostock Radio-Moderator gesteht Betrug mit Gewinnspielen

Wenig verdient hat Marcus J. (42) als Moderator der Ostseewelle nicht. Am Ende sind es mehr als 10000 Euro im Monat. Doch seinen privaten Schuldenberg will er damit nicht abbauen.

Rostock. Wenig verdient hat Marcus J. (42) als Moderator der Ostseewelle nicht. Am Ende sind es mehr als 10000 Euro im Monat. Doch seinen privaten Schuldenberg will er damit nicht abbauen. Das Luxusleben mit Einfamilienhaus und Edelkarossen in einem Dorf bei Rostock ist einfach zu schön. Deswegen betrügt J. seine Gläubiger und die Hörer der Ostseewelle.

Wegen Betruges in Millionen-Höhe steht er deshalb jetzt vor Gericht — gestern hat der Moderator alles zugegeben: „Ich bedauere die Taten zutiefst.“ Der Sender habe nichts gewusst — auch nicht von seinen Schulden.

J. soll mit seinem Komplizen André B. (39) durch manipulierte Gewinnspiele 75000 Euro erbeutet haben. Und zwar so: Anstatt die vom Senderchef zufällig herausgesuchten Telefonnummern zu wählen, ruft J. öfter Bekannte seines Komplizen an, die sich natürlich mit dem richtigen Gewinnsatz melden: „Ich höre Ostseewelle.“ Laut Staatsanwaltschaft sollen die zwei so von 2008 bis 2010 an 61000 Euro gekommen sein, die restlichen Summen erhalten die Angerufenen. Im Sender ahnt anscheinend niemand etwas. J.s Co-Moderatorin Andrea Sparmann arbeitet während der Morgensendungen von einem anderen Studio aus. Beide verstehen sich nicht gut, wechseln privat kein Wort miteinander. „Ich bin oft zu spät gekommen und habe im Büro ständig geraucht“, berichtet J. Doch er hat Erfolg als Moderator und kassiert kräftig. Rund 1,17 Millionen Euro soll J. von 2004 bis 2011 eingenommen haben.

Um nichts abgeben und nicht alles versteuern zu müssen, gründet seine damalige Freundin eine Agentur, stellt Marcus J. ein und bezahlt ihn. Offiziell immer mit Summen unterhalb der Pfändungsgrenze, 939 bis 950 Euro. In Wahrheit hat J. aber Zugriff auf die kompletten Summen. Seine vielen Gläubiger, bei denen er einen Schuldenberg von 520 000 Euro angehäuft haben soll, kriegen nichts, sehen aber, dass er sich einiges leisten kann. Eine Gläubigerin stellt deshalb Strafanzeige. Die Ermittlungen beginnen, der Betrug fliegt auf.

Wie J. sagt, sei er mit seinem Komplizen auf die Idee gekommen, die Gewinnspiele zu manipulieren. Denn: „Das Geld geht eh raus.“ Es werde eben nur anders verteilt. Abzüglich der Summen für die „zufällig“ Angerufenen (etwa 25 Prozent) sei die Beute aufgeteilt worden. B. habe die Hälfte bekommen. Der weist das zurück: „Ich habe nur kleine Beträge erhalten“, sagt er. Den Großteil der Gewinnsummen (oft 10 000 Euro) habe sich J. eingesteckt. Der habe damit oft versucht, noch mehr Geld zu machen — am Roulette-Tisch im Casino. Doch gewonnen habe J. nichts.

Das Protzen mit Luxusauto und schickem zweigeschossigen Eigenheim ist für den einst gefeierten Radio-Moderator seit 2012 vorbei. Damals wird er wegen Kindesmissbrauchs zu drei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Sein Opfer, ein Mädchen (12), hatte er bei der Ostseewelle kennengelernt. Im September 2014 darf er das Gefängnis verlassen. Zurzeit lebt er mit Freundin und Zwillingssöhnen in einem Dorf in Brandenburg. J. wirkt geläutert — mit Jeans und schlabbrigem Pullover zumindest optisch. Für den Betrug muss er wohl wieder ins Gefängnis. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

Von Kerstin Schröder

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