Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Radio-Reporter führt Euro-Gegner im Nordosten an
Nachrichten MV aktuell Radio-Reporter führt Euro-Gegner im Nordosten an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 23.04.2013
 AfD-Sprecher Leif-Erik Holm Quelle: Ralf Drefin
Rostock

Die Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) hofft in Mecklenburg-Vorpommern auf ein zweistelliges Ergebnis bei der Bundestagswahl im September.

„Viele Leute sind unzufrieden. Fünf Prozent sind das absolute Minimum“, sagte Vorstandsmitglied Leif-Erik Holm (42) gestern der OZ. Am Wochenende gründeten 50 der landesweit rund 125 AfD-Mitglieder in Güstrow einen eigenen Landesverband. Der wird von einem dreiköpfigen Vorstand angeführt, der aus Holm, studierter Volkswirt und Moderator beim Radiosender Antenne Mecklenburg-Vorpommern, dem Schweriner Juristen Andreas Kuessner, Sohn von Ex-Landtagspräsident Hinrich Kuessner (SPD) und dem Parchimer Kaufmann Steffen Wandschneider besteht. Letzterer ist nicht verwandt mit dem gleichnamigen SPD-Kommunalpolitiker aus Rostock.

Antenne MV wollte sich gestern nicht zur Kandidatur des Moderators äußern. „Ich bin mit meinen Chefs im Gespräch“, sagte Holm. Denkbar sei, dass er in der heißen Phase des Wahlkampfs sein Arbeitsverhältnis ruhen lässt, um die Neutralität des Senders nicht zu gefährden. Der Schweriner glaubt fest an einen steilen Aufstieg seiner Partei. „Wir arbeiten alle sehr konzentriert.“

Die AfD warnt vor einem ihrer Meinung nach bevorstehenden Kollaps des Euro, der die Ersparnisse der Bürger vernichten werde. Eine Rettung sei nur möglich, wenn die gemeinsame Währung auf Deutschland, Österreich und einige skandinavische Länder begrenzt („Nord-Euro“) oder ganz aufgegeben und durch die alte D-Mark ersetzt wird. Ihr prominentester Unterstützer ist der Ex-Manager und Talkshow-Dauergast Hans-Olaf Henkel. Die bisher im Bundestag vertretenen Parteien werfen der AfD Panikmache und Populismus vor. Die Partei wehrt sich seit ihrer Gründung Anfang Februar gegen Vorwürfe, von Rechtsradikalen unterwandert zu sein. Extremisten würden nicht aufgenommen, sagt Spitzenkandidat Holm, egal ob linke oder rechte.

Zumindest ein Mitglied des Landesvorstands hat bereits Erfahrung in der rechten Ecke gesammelt: Andreas Kuessner (39) war nach eigenen Angaben bis Mitte 2012 Mitglied der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“, die mit islamfeindlichen Positionen bundesweit für Aufsehen sorgte. Kuessner gehörte dem Bundesschiedsgericht der Partei an. Er sagte der OZ, der rechte Rand sei „nicht meine Welt“, er lehne jeden Fanatismus ab. Der hauptamtliche Mitarbeiter des Landesbüros des Weißen Ringes bezeichnet seine politische Haltung als „christlich-liberal“. Kuessner war auch zwölf Jahre lang CDU-Mitglied. Aus seiner politischen Vergangenheit habe er „nie ein Geheimnis gemacht“.

Landesschatzmeister der AfD ist Klaus-Peter Last. Der Software-Experte aus Greifswald übte die gleiche Funktion mehrere Jahre bei den Grünen aus. Auf seiner Facebook-Seite zeigt er offen Sympathie für den Gitarristen Sacha Korn, dessen Lieder auch auf einer NPD-Schulhof-CD erschienen sind und der erfolgreich gegen seine Nennung im Brandenburger Verfassungsschutzbericht klagte. Last zitiert in dem sozialen Netzwerk die rechte Zeitung „Junge Freiheit“, noch gestern veröffentlichte er einen Link zum Antaios-Verlag, den Kritiker den „Neuen Rechten“ zuordnen.

AfD — Protestgruppierung mit Potenzial

5 Prozent könnte die Alternative für Deutschland bei der Bundestagswahl im Herbst erreichen, das ergab eine aktuelle Umfrage im Auftrag der „Bild-Zeitung“. Eine Befragung des „Handelsblatts“ gibt das Potenzial sogar mit knapp 20 Prozent an. Die Euro-Gegner könnten auch schon mit einem schlechteren Abschneiden den Wahlausgang entscheidend beeinflussen: Politikwissenschaftler gehen davon aus, dass vor allem unzufriedene CDU- und FDP-Wähler für die AfD stimmen werden. Damit könnten der bürgerlichen Koalition entscheidende Stimmen für eine Wiederwahl verloren gehen.

AfD-Bundesvorstand Alexander Gauland sagte gestern, eine Gefährdung von Schwarz-Gelb sei „nicht unser Ziel“. Man wolle aber Einfluss auf den Regierungskurs nehmen. FDP-Chef Philipp Rösler warnte indes vor der neuen Partei. Die spiele mit den Ängsten der Bürger und schade Deutschland.

Gerald Kleine Wördemann

Rostocker Taucher sollen das schrottreife Schiff nach mehr als 15 Jahren heben.

23.04.2013

Polizei ermittelt wegen des Verdachts fahrlässiger Körperverletzung auf Rügen.

23.04.2013

Obwohl die Zahl der Delikte rapide gesunken ist, kamen 2012 so viele Täter ungestraft davon wie seit zwölf Jahren nicht.

23.04.2013