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Rätsel um den Untergang der „Condor“

Fehmarn/Rostock Rätsel um den Untergang der „Condor“

Die Bergungsarbeiten des vor Fehmarn gesunkenen Fischkutters „Condor“ dauerten gestern bis in die Nacht an. Das Schiff war am 6. Februar drei Seemeilen östlich der Insel gesunken (OZ berichtete).

Fehmarn/Rostock. Die Bergungsarbeiten des vor Fehmarn gesunkenen Fischkutters „Condor“ dauerten gestern bis in die Nacht an. Das Schiff war am 6. Februar drei Seemeilen östlich der Insel gesunken (OZ berichtete). Seither liegt die „Condor“ in 22 Metern Wassertiefe auf der Steuerbordseite. Umgeben von einem Gewirr aus Fischernetzen, die zunächst vom Rostocker Unternehmen Baltic Taucher geborgen werden mussten.

Die Netze müssten entfernt werden, damit sie für die Taucher bei der Bergung nicht zur Falle werden, erklärt Geschäftsführer Jens-Olaf Pap, der vor Ort die Arbeiten koordiniert. Die Netze seien noch mit Fischen gefüllt gewesen. Nachdem gestern Bergungsgurte unter das Schiff gezogen wurden, wurde der Schwimmkran „Sanne A“ damit verbunden. „Wir werden den Kutter etwa einen Meter über Grund anheben und dann gucken, ob da noch Netze sind“, erklärte Pap am Nachmittag. Drei bis fünf Stunden kalkulierte das Team für die Bergung ein. Pap: „Das ist ja eine alte Dame, Baujahr 1943, da müssen wir ein bisschen vorsichtig sein.“ Die Bergungsarbeiten dauerten zum Redaktionsschluss noch an. Dennoch sollte der havarierte Kutter noch in der Nacht nach Rostock geschleppt werden, wo er heute früh erwartet wird.

Im Tonnenhof werden u. a. die Maschinenanlage und das Equipment untersucht, heißt es aus der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) in Hamburg. Außerdem werde geprüft, ob etwa Luken geöffnet waren. Die BSU hat ein Jahr Zeit für den Bericht— und die Zeit werde wohl angesichts der vielen zu untersuchenden Fälle gebraucht, so ein Sprecher.

Unterdessen wird heftig spekuliert, was zum Untergang geführt haben könnte. Die Vermutungen reichen von falsch angebrachter Ladung bis zur Kollision mit einem Riff. Oder wurde die Havarie durch ein U-Boot ausgelöst? „Es stellt sich die Frage, ob dem Kutter beim Schleppen ein Hindernis in den Weg gekommen ist“, sagt der Rostocker Horst Matzkuhn. Der Kapitän ist viele Jahre auf dem Dampfeisbrecher „Stettin“ gefahren, auch im Seegebiet bei Fehmarn. „Das ist ein U-Boot-Tauchgebiet“, sagt Matzkuhn. Könnte also ein U-Boot dem Kutter ins Schleppnetz gefahren sein und es unter Wasser gezogen haben?

Das hält die Marine für unwahrscheinlich. „Alle Tauchvorhaben müssen im Einsatzzentrum in Glücksburg angemeldet werden“, erklärt ein Marine-Sprecher in Eckernförde (Schleswig-Holstein). Wenn die „Condor“ aufgrund von Fremdeinwirkung untergegangen sein sollte, „war es kein U-Boot der deutschen Marine“, betont der Sprecher. Zum Havarie-Zeitpunkt habe es dort „keine entsprechenden Bootsbewegungen“ gegeben.

Allerdings seien Informationen über die Tauchgebiete für die Öffentlichkeit nicht zugängig, erklärte der Sprecher. Dennoch finden sich beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) Seekarten, auf denen militärische Übungsgebiete eingezeichnet sind. Daraus geht hervor, dass es auch östlich und südöstlich von Fehmarn U-Boot- Tauchgebiete gibt.

Das Unglück weckt bei Kapitän Matzkuhn Erinnerungen an den Untergang des Fischkutters „SAS 104 Beluga“ im März 1999. Das Schiff war um drei Uhr nachts in der Ostsee östlich der Insel Rügen gesunken.

Drei Männer waren dabei ums Leben gekommen.

Die offizielle Version lautet, dass geöffnete Schotten den Unfall verursacht hätten. Gegen die Untersuchungsergebnisse des Seeamts bestehen jedoch seit jeher Zweifel. Kritiker der offiziellen Version halten dagegen, dass zum Zeitpunkt des Unglücks in dem Seegebiet ein Nato-Manöver stattfand. Wahrscheinlicher sei, dass ein militärischer Schleppverband den Untergang verursacht habe.

Von Axel Meyer und Stefanie Schlemmer

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