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Rebeccas Peiniger hat schon öfter zugeschlagen

Rostock Rebeccas Peiniger hat schon öfter zugeschlagen

Gutachter empfiehlt Sicherungsverwahrung für den Angeklagten Mario B.

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Der Angeklagte Mario B. (28).

Quelle: Frank Söllner

Rostock. Nach der Haft in die Sicherungsverwahrung — das hat gestern der psychiatrische Gutachter für den Vergewaltiger der 17-jährigen Rebecca empfohlen. Begründung: Beim Angeklagten Mario B. seien weitere Straftaten zu erwarten. Eine Abkehr vom Verbrechen sei nicht erkennbar.

Mario B. ist 28, saß zehn Jahre im Gefängnis. Wegen Vergewaltigung, Raub, Körperverletzung — das Vorstrafenregister ist lang. Nach der letzten Haftentlassung 2011 lebt er sich laut Bewährungshelfer Norbert W. (46) gut ein.

B. macht eine Koch-Lehre, geht zum Blutspenden. Er ist höflich, ruhig — eben „unauffällig“, so seine Sozialarbeiterin. Doch B. kann auch anders sein, skrupellos: Als Vierzehnjähriger fällt er mit einem Kumpel über ein Mädchen her. In Barth (Vorpommern-Rügen) zerren sie die 15-Jährige in eine alte Schule. Dort muss sie sich auf den Tisch legen, wird in die Brust gebissen und vergewaltigt.

Im Dezember 1999 — B. ist 15 Jahre alt — verfolgt er am Rostocker Bahnhof eine junge Frau. Sie erinnert ihn an seine Ex-Freundin. Er würgt sie mit dem Gürtel, will sie vergewaltigen. Doch die 18-Jährige wehrt sich heftig, und B. flieht. 13 Jahre später, im Oktober 2012, begeht B. wieder eine Sexualstraftat. In Rostock-Dierkow überfällt er die 17-jährige Rebecca. Er verletzt sie mit einem Messer, schleppt sie in seine Wohnung, schlägt sie, vergewaltigt sie. Vier Tage dauert ihr Martyrium. Dann kann sie fliehen und B. wird verhaftet. Seit dem 17. Oktober sitzt er in Waldeck in Untersuchungshaft. In einer Einzelzelle. Er meidet den Kontakt zu anderen Häftlingen, geht nicht zum Freigang auf den Hof. Im Dezember wird er auf dem Weg zum Abendessen von anderen Insassen verprügelt. Daraufhin wird B. in einen anderen Trakt verlegt.

Die Ermittlungen gegen die mutmaßlichen Schläger sind mittlerweile eingestellt, ihnen konnte nichts nachgewiesen werden, berichtet Gerichtshelferin Melanie W. Sie sagt, B.s Verhalten in der Justizvollzugsanstalt sei beanstandungsfrei und „unauffällig“.

Das psychiatrische Gutachten ist gestern hinter verschlossenen Türen verlesen worden — auf Wunsch der Verteidigung. Zum Schutz der Privatsphäre des Angeklagten. Mario B. soll nach OZ-Informationen impulsives Handeln bescheinigt worden sein. Er denke nicht über die Folgen seiner Taten nach. Einige sind brutal: 2002 geht B. auf seine Mutter los. Er packt sie am Arm, schleudert sie in der Wohnung gegen Tür und Schrank. Im gleichen Jahr schlägt er einen jungen Mann bewusstlos. Der schläft in seinem Bett, als ihn die ersten Schläge von B. und einem weiteren Täter treffen. 2003 ist das nächste Prügel-Opfer ein Mädchen. Es will sich von B. nicht anfassen lassen.

2008 will B. mit einem Kumpel Geld von der Bank holen. Doch ihr Gehalt ist noch nicht da. Deshalb überfallen sie einen Mann, der gerade 20 Euro abholt. Sie drücken ihn an die Scheibe, schlagen ihn mit Fäusten und einer Hundeleine. Der Mann erleidet ein Schädeltrauma. Mit einer Schädelprellung muss ebenfalls 2008 ein anderer Mann ins Krankenhaus, nachdem er von B. und einem weiteren Täter zusammengeschlagen wird.

Dass B. Reue empfindet, glaubt Rebeccas Anwalt Jens Kasch nicht: „Er gibt keine Erklärung ab, auch keine Entschuldigung“, so Kasch. Am 23. April halten Verteidigung und Staatsanwaltschaft ihre Plädoyers. Am 29. April fällt das Urteil. Mario B. drohen wegen Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Körperverletzung bis zu 15 Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung.

Bevölkerung soll vor Tätern geschützt werden
Sicherungsverwahrung bedeutet nicht, dass der Täter für immer weggesperrt wird. Denn sie muss jährlich neu überprüft werden. Die Möglichkeit einer Entlassung bleibt bestehen.


Die verhängte Freiheitsstrafe muss immer vor der Sicherungsverwahrung verbüßt werden. Ziel der Sicherungsverwahrung ist es, die Bevölkerung vor dem Täter zu schützen.

Voraussetzungen sind, dass dieser zuvor zu mindestens sieben Jahren Haft verurteilt worden ist und Sachverständige prognostiziert haben, dass der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit nach seiner Entlassung neue schwere Verbrechen begehen würde.

Kerstin Schröder

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