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MV aktuell Rechnen mangelhaft: Dem Land gehen die Mathelehrer aus
Nachrichten MV aktuell Rechnen mangelhaft: Dem Land gehen die Mathelehrer aus
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00:05 14.01.2017
Heike Walter, Schulleiterin aus Satow (Landkreis Rostock)

Fachkräftemangel im Lehrerzimmer: Vor allem in den sogenannten Mint-Fächern (Mathe, Naturwissenschaften, Technik) werden in MV die Pädagogen knapp. Ausfallstunden und Vertretungsunterricht sind die Folge. Bisher hatten vor allem weniger beliebte Schulen in sozial schwachen Gegenden Probleme, Stellen zu besetzen. „Das gilt mittlerweile für alle“, sagt Heike Walter, Vorsitzende der Schulleitervereinigung MV.

Auf der Internetseite des Schweriner Bildungsministeriums sind zurzeit 138 Lehrer-Stellen ausgeschrieben, 86 davon mit mindestens einem Mint-Fach. „Mein Ziel ist es, ausgeschriebene Stellen an den Schulen möglichst schnell zu besetzen. Dies ist eine Herausforderung, weil auch in anderen Ländern der Lehrerbedarf steigt“, sagt Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Ihr Ministerium gibt die Zahl der offenen Stellen mit lediglich 52 an, von einem Lehrermangel könne man nicht sprechen.

Gleich fünf offene Stellen gibt es am vom früheren Bildungsminister Henry Tesch (CDU) geleitete n Gymnasium Carolinum in Neustrelitz, drei davon mit Mint-Fächern. Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bergen auf Rügen sucht aktuell drei Pädagogen, darunter zwei für Mathe. „Hier brennt die Luft“, heißt es im Sekretariat. Auch die Regionale Schule Sanitz (Landkreis Rostock) sucht seit dem Sommer einen Mathelehrer. Zeitweise soll ein Student unterrichtet haben, berichten Eltern. Die Schulleitung will sich dazu nicht äußern, das zuständige Schulamt Rostock reagiert nicht auf Anfragen.

Erst zum Beginn des Schuljahrs 2016/17 hatte das Land 374 neue Lehrer eingestellt. Weil bis vor wenigen Jahren kaum Berufsanfänger nachrückten, fehlt fast eine komplette Generation in den Lehrerzimmern. „In ländlichen Regionen in Vorpommern sind Lehrer Mangelware“, sagt Michaela Skott, Landessprecherin der Lehrergewerkschaft GEW.

„Es kommt auf die Fächer und die Lage der Schule an“, meint Marion Laue, Leiterin der Regionalschule „Käthe Kollwitz“ in Anklam (Vorpommern-Greifswald). Sie konnte vor ein paar Tagen drei offene Stellen besetzen. Ihr Glück: Ein Mathelehrer wurde nicht gesucht.

„Der Lehrerberuf ist nicht mehr so attraktiv“, meint Heike Walter von der Schulleitervereinigung. Die Belastung nehme immer mehr zu. „Wir haben keinen Puffer mehr“, kritisiert auch Dörte Schulze, Leiterin der Beruflichen Schulen des Landkreises Vorpommern- Rügen. Die wöchentliche Zahl der Unterrichtsstunden ist mit 27 höher als in anderen Bundesländern. An den Berufsschulen liegt der Altersdurchschnitt bei über 50 Jahren.

Heike Walter, die selbst die Regionalschule in Satow (Landkreis Rostock) leitet, fordert Reformen bei der Ausbildung. Derzeit müssen angehende Mathelehrer an der Uni die gleichen Prüfungen ablegen wie spätere Mathe-Professoren. Das sei „überholt“.

Um den Mangel zu beseitigen, stockt das Land die Referendariatsplätze kräftig auf: 2017 sollen 432 Studienabsolventen das Lehrerhandwerk lernen, so viele wie noch nie. Ob das künftig reichen wird, ist fraglich. Weil immer mehr ältere Pädagogen in Rente gehen, werden ab 2020 jedes Jahr 700 neue Lehrer in MV gebraucht.

Jeder zweite Lehrer geht bis 2026 in Rente

11 000 Lehrer arbeiten an den öffentlichen Schulen in MV. Ein Großteil davon geht bald in Rente. In den kommenden zehn Jahren werden fast 6000 neue Lehrer benötigt. Das Land bildet aber nur 430 Berufsanfänger jährlich aus. Lehrer aus anderen Bundesländern sollen die Lücke füllen. Um diese anzuwerben, führte MV unter anderem die Verbeamtung ein. Laut Ministerin Birgit Hesse (SPD) nimmt das Land bei der Bezahlung eine Spitzenstellung ein. Lehrer klagen dagegen über Stress und hohe Stundenzahlen.

Gerald Kleine Wördemann

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