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Reform des Meisterbriefs hat nichts gebracht

Rostock/Berlin Reform des Meisterbriefs hat nichts gebracht

Die Kritik an der Reform der Handwerksordnung wächst weiter. Eine aktuelles Gutachten stellt der Abschaffung der Meisterpflicht vor zwölf Jahren ein schlechtes Zeugnis ...

Rostock/Berlin. Die Kritik an der Reform der Handwerksordnung wächst weiter. Eine aktuelles Gutachten stellt der Abschaffung der Meisterpflicht vor zwölf Jahren ein schlechtes Zeugnis aus: So habe es zwar einen Boom bei Neugründungen im Handwerk gegeben. „Allerdings ging dieser nicht mit einem vergleichbaren Anwachsen der Beschäftigten einher“, ziehen die Autoren Andreas Koch und Sebastian Nielen vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) ihr Fazit.

 

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Wirtschaftsminister Harry Glawe

Quelle: J. Büttner/dpa

Noch 41 meisterpflichtige Berufe

94 meisterpflichtige Berufe gab es noch im Jahr 2004. Mit der Abschaffung der Meisterpflicht sank die Zahl auf nur noch 41.

Meisterbriefe sind nach wie vor ein Muss beispielsweise für Maurer, Betonbauer, Maler, Friseure, Tischler oder Kraftfahrzeugtechniker.

Alle Verbesserungen, für die damals das Aus der Meisterpflicht für knapp die Hälfte der 94 Handwerke sorgen sollte, stellen die Autoren des von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Auftrag gegebenen Gutachtens infrage: „Für die Schaffung von mehr Arbeitsplätzen, besseren Qualifikationen, mehr Innovationen oder zusätzlichen Investitionen scheint die Handwerksnovelle nicht das angemessene Mittel zu sein“, heißt es.

Zahlen der Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern bestätigen die miese Bilanz, etwa bei der Ausbildung. Im Kammerbezirk gab es im vergangenen Jahr 2367 Ausbildungsverträge in Meisterberufen. Dem stehen nur 113 Azubis in Berufen ohne Meisterpflicht entgegen. Handwerke mit Meisterqualifikation würden daher „dazu beitragen, dass Jugendliche eine Berufsqualifikation erhalten, die ihnen eine zukunftsorientierte berufliche Perspektive eröffnet“, teilt die Kammer mit.

„Der Meisterbrief ist ein Garant für die Ausbildung im Handwerk und stützt damit maßgeblich das duale System in Deutschland“, betont auch die Beauftragte der SPD-Bundestagsfraktion für das Handwerk, Sabine Poschmann. Die Reform war im Jahr 2004 von der damals rot-grünen Bundesregierung eingeführt worden. Mittlerweile rudert die SPD zurück: „Die Abschaffung der Zulassungspflicht hat keine nachhaltigen positiven Effekte gebracht“, sagt Sabine Poschmann. Zudem investierten Meisterbetriebe mehr in die eigenen Unternehmen und die Qualifikation der Mitarbeiter. Die SPD-Fraktion werde sich für den Erhalt des Meisterbriefs einsetzen.

Eine Folge der Reform war laut dem wirtschaftspolitischen Sprecher der Schweriner CDU-Landtagsfraktion, Wolfgang Waldmüller, dass es in Mecklenburg-Vorpommern „über einen längeren Zeitraum lediglich noch einen Zuwachs von fünf Prozent von meisterpflichtigen Handwerksberufen gegeben hat“. Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der zulassungsfreien Handwerksberufe hingegen um 36 Prozent gestiegen. Ein Boom, der allerdings nicht nachhaltig war. Waldmüller: „Viele Kleinbetriebe, mitunter geführt von Solo-Selbstständigen ohne Berufsabschluss, sind mangels Wettbewerbsfähigkeit längst wieder vom Markt verschwunden.“

„Den Meisterbrief müssen wir auch für die Zukunft bewahren“, betont der Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU). Das Ministerium honoriert bestandene Meisterprüfungen in Handwerk und Industrie in diesem und im kommenden Jahr mit jeweils 1000 Euro. Mit dem „Meister-Extra“ sollen Engagement und Leistung der Absolventen einer Meisterausbildung gewürdigt werden, erklärt Glawe.

Gleichzeitig solle für eine individuelle Qualifikation in Handwerk und Industrie geworben werden. Für 2016 seien für das „Meister-Extra“ Landesmittel in Höhe von 500 000 Euro vorgesehen, für das Folgejahr ebenfalls.

Von Axel Meyer

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