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Reform geplatzt? Den Theatern laufen die Kosten aus dem Ruder

Reform geplatzt? Den Theatern laufen die Kosten aus dem Ruder

Minister Brodkorb hat den Zuschuss erhöht – dennoch fehlt Geld / Kündigungen stehen an

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Mathias Brodkorb (SPD)

Quelle: H. Klonowski

Schwerin/Rostock Das Gesellenstück des Kulturministers, Mathias Brodkorb (SPD, 38), soll es werden: eine Theater-Reform, die den Bühnen des Landes Bestand und Angebotsvielfalt sichert – bei stabilen Kosten. Nun dreht der Wind: Die Reform stecke fest, nach der Landtagswahl werde neu sortiert, ist auch aus SPD und CDU zu hören. Offiziell steht man zu Brodkorb. Die Opposition aber fordert Korrektur. Das Land hat den Zuschuss für Theater jetzt von 35,8 auf 38,1 Millionen Euro erhöht, um nicht ständig Defizite ausgleichen zu müssen. Dennoch reicht das Geld nicht. Brodkorb allerdings bleibt vom Erfolg seiner Reform überzeugt.

Staatstheater Nordost: Im Osten sollen das Theater Vorpommern (Greifswald/Stralsund) und die Theater-Orchester GmbH (Neubrandenburg/Neustrelitz) 2018 zum „Staatstheater Nordost“

verschmelzen. Etwa 60 der 480 Mitarbeiter sollen gehen. Dirk Löschner, Intendant in Greifswald/Stralsund, hält eine Fusion für „die einzige Variante, wenn Politik nicht mehr Geld ins System geben will“. Das Theater Vorpommern wird 2017 vermutlich ein Minus von 2,4 Millionen Euro haben, so Löschner. Denn Haustarife laufen aus. In Neubrandenburg/Neustrelitz fehlen fast 480000 Euro in 2016.

Es sei schwierig, mit dem Geld auszukommen, sagt Intendant Joachim Kümmritz. Zumal die Mitarbeiter zwischen 15 und 17 Prozent unter Tarif bezahlt werden. Dennoch sehe er keine Alternative zur Fusion.

Volkstheater Rostock: Chaos herrscht in Rostock. Nach dem Rauswurf von Intendant Sewan Latchinian lässt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) ein neues Konzept erarbeiten.

Theater-Geschäftsführer Stefan Rosinski ist nach eigenen Angaben nicht involviert. So könne er nicht sagen, ob sein „Hybridmodell“ mit Kürzung um Schauspiel und Tanz umgesetzt werde. Internen Papieren zufolge sollen dieses Jahr 35 der 270 Mitarbeiter gehen – durch Verrentung, Kündigung/Umsetzung, Nichtverlängerung. Neuer Intendant soll Kümmritz sein. „Ich versuche, Ruhe und Struktur in den Laden zu bringen“, sagt er. Es fehle an „Besuchern, Verträgen, klaren Entscheidungen“.

Staatstheater Schwerin: Vollzug will Brodkorb im August bei der Fusion des Staatstheaters Schwerin mit dem Theater Parchim melden. 75 Prozent der Anteile soll das Land übernehmen.

Auch hier reicht das prognostizierte Geld nicht aus. Für das Jahr 2018 steht im Plan ein Defizit von 800000 Euro. Vor allem Personalkosten steigen. Noch-Intendant Kümmritz bestätigt: „Die Zahl stimmt. Man muss sehen, wie die Löcher gestopft werden.“ Ab Sommer übernimmt Intendant Lars Tietje: „Ich weiß, das wird kein Kinderspiel.“ Personalfragen stünden noch an. Basis für die Reform ist das Gutachten der Firma Metrum von 2012. Auch Tietje zweifelt es an.

Die Opposition warnt vor Kahlschlag nach der Wahl. „Phrasendrescherei“ wirft Torsten Koplin (Linke) dem Minister vor. „Die sogenannte Theaterreform verdient ihren Namen nicht.“ Die Standorte seien nicht sicher. Als „gescheitert“ sieht Ulrike Berger (Grüne) das Projekt. „Das Einzige, was an der Theaterreform des Ministers zuverlässig ist, ist die Finanzlücke.“

Brodkorb räumt ein: Bei Personal und Zuschüssen „werden wir nachsteuern müssen“. Für ihn bestätigen die aktuellen Zahlen die Notwendigkeit der Reform. Denn schließlich diene dies dazu, ein „Insolvenzszenario zu verhindern“.

Zuschüsse auch an Besucherzahl gekoppelt

38,1 Millionen Euro Förderung erhalten Theater 2016 vom Land. Aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild (in Euro) Volkstheater Rostock: 7,75 Millionen Theater Vorpommern: 8,3 Millionen Theater-Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz: 8,7 Millionen Staatstheater Schwerin: 10,44 Mio. Theater Parchim: 1,15 Millionen Landesbühne Anklam: 1,55 Millionen Theater Güstrow: 100000 Theater Wismar: 100 000

Zuschüsse an Mehrspartenhäuser sind auch an Besucherzahl und Eigenerlöse gekoppelt. So erklärt sich laut Ministerium der höhere Zuschuss für Schwerin.

Frank Pubantz

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