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MV aktuell Roaming auf dem Lande: Schwerin will Funklöcher stopfen
Nachrichten MV aktuell Roaming auf dem Lande: Schwerin will Funklöcher stopfen
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00:00 12.09.2018
Schwerin

Handy-Benutzer kennen das aus dem Urlaub: Am Strand in Frankreich oder Spanien funktioniert das Smartphone dank Roaming so gut wie daheim, manchmal sogar besser. Die Schweriner Landesregierung will dieses Prinzip dazu nutzen, um in MV die häufigen Funklöcher auf dem Lande zu umschiffen. Nationales Roaming ist das Zauberwort, praktisch soll es so funktionieren: Macht beispielsweise das voreingestellte D1-Netz schlapp, weil kein Funkmast in der Nähe ist, wird vorübergehend zu D2 oder O2 umgeschaltet, je nachdem, was gerade da ist, ohne Extrakosten.

Gebühren wurden 2017 abgeschafft

CDU-Fraktionsvize

Wolfgang

Waldmüller FOTO: KETTLER

Am Donnerstag bringen CDU und SPD einen entsprechenden Antrag in den Landtag ein, in dem sie den Bund auffordern, nationales Roaming in Deutschland zu ermöglichen. Eine ähnliche Initiative kommt aus Sachsen-Anhalt.

„Es gibt viele Gründe für die Funklöcher in unserem Land“, sagt CDU-Fraktionsvize Wolfgang Waldmüller, aus dessen Fraktion der Vorstoß kommt. Roaming sei der einzige Weg, „schnell und zu vertretbaren Kosten“ Abhilfe zu schaffen, argumentiert Waldmüller. Für unterversorgte Gebiete solle nationales Roaming per Gesetz verordnet werden. Funklöcher gehören in MV abseits der Städte zum Alltag. Jeder hat schon erlebt, wenn es erst knistert und dann still am Ohr wird. „Telefonieren auf dem Lande ist schwierig“, meint Matthias Uecker, Bürgermeister in Neu Boltenhagen bei Lubmin. Er komme sich vor wie in einem funkfreien Gebiet mit ein „paar Sendestreifen“. O2-Kunden haben häufig auf Rügen und Usedom Probleme, D1 schwächelt stellenweise stark auf Fischland-Darß-Zingst. Auf dem Paulsdamm vor den Toren Schwerins ärgern sich nicht nur Landesminister in ihren Dienstwagen über abreißende Gespräche. Die Liste ließe sich beliebig lang fortsetzen.

Offizielle Statistiken über Netzabdeckungen und Funklöcher gibt es nicht – nur die Angaben der großen Anbieter Telekom (D1), Vodafone (D2) und Telefónica (O2). Die hält nicht jeder für glaubwürdig. „Gegenteiligen Beteuerungen von Mobilfunkbetreibern zum Trotz ist die tatsächliche Netzabdeckung, insbesondere in ländlichen Regionen, unbefriedigend. Sie entspricht nicht dem Standard einer modernen Industrienation“, heißt es in dem CDU/SPD-Antrag. Vodafone lobt dagegen den „guten Zustand“ seines Funknetzes in MV. „Besiedelte Gebiete“ seien im Nordosten zu 99,9 Prozent abgedeckt, teilt die Pressestelle mit. Mehr als 90 Prozent der Einwohner könnten zu Hause im D2-Netz telefonieren. Im Umkehrschluss hieße das allerdings: Bis zu zehn Prozent, das wären gut 160 000 Personen, leben demnach in einem D2-Funkloch.

Die Firmen lehnen den Schweriner Vorstoß ab. Das automatische Weiterleiten würde der Wettbewerb am Mobilfunkmarkt gefährden, so Telefónica-Sprecher Jörg Borm. Bislang profitierten die Verbraucher vom „regen“ Wettbewerb. „National Roaming schließt keine Funklöcher. Das tun nur neu errichtete Funkmasten“, so Vodafone-Sprecher Volker Petendorf. Wo es Löcher gibt, sei meist kein einziger Anbieter vertreten, Roaming wäre hier nutzlos. Ein Sprecher der Telekom sagte, er kenne die Schweriner Initiative nicht.

Experten sehen eine Chance für nationales Roaming bei der für 2020 geplanten Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Die Bundesnetzagentur bereitet zurzeit die Bedingungen für die Versteigerung der Lizenzen vor. Dabei ist laut Medienberichten im Gespräch, die Betreiber zu zwingen, nationales Roaming zuzulassen. Entschieden ist noch nichts. Als ausgemacht gilt, dass Telekom, Vodafone und Telefónica mitbieten. Sie müssen den Anschluss halten und haben das Geld für den Bau neuer Netze.

Clark Parsons von der Berliner Denkfabrik Internet Economy Foundation macht sich wenig Hoffnung: „Die Politik scheint sich schon wieder auf die drei großen Anbieter zu verlassen, die es bereits beim flächendeckenden Ausbau der bisherigen Standards 3G und 4G vergeigt haben“, sagt er.

Roaming: Das kennen Handybesitzer vor allem aus dem Urlaub. Bei einer Auslandsreise werden Gespräche und Internet über einen anderen Anbieter abgewickelt. Wegen der hohen Gebühren stand Roaming häufig in der Kritik von Verbraucherschützern. Seit dem Sommer 2017 sind diese innerhalb der EU nicht mehr zulässig.

Nationales Roaming: Funktioniert genauso wie das Roaming im Auslandsurlaub, ist aber noch weitgehend Theorie. Es könnte helfen, Funklöcher zu beseitigen.

Gerald Kleine Wördemann

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