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MV aktuell Robben-Tötung: Fischer wehren sich gegen Verdacht
Nachrichten MV aktuell Robben-Tötung: Fischer wehren sich gegen Verdacht
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00:05 17.01.2018
Kegelrobben (Halichoerus grypus) nahe der Greifswalder Oie in der Pommerschen Bucht. Quelle: Foto: Verein Jordsand
Stralsund

Sie sind die größten Raubtiere in der Ostsee und galten zumindest an der deutschen Küste als ausgestorben. Seit etwa 15 Jahren tummeln sich von Jahr zu Jahr mehr Kegelrobben an der vorpommerschen Küste. Inzwischen leben rund 100 Tiere in den Gewässern um Rügen, Usedom und Darß. Bei den Fischern – als direkte Konkurrenten zu den Robben – kam das nicht gut an: Denn wie die Meeressäuger gehen Fischer auf Heringsjagd. In den vergangenen Jahren klagten sie immer wieder über zerrissene Netze, angefressene Fische und sinkende Fänge.

Berufsstand ist auf die Kegelrobben nicht gut zu sprechen / Nun starb ein Viertel des in den vorpommerschen Gewässern lebenden Bestandes

Harald Benke, Chef

des Stralsunder

Meeresmuseums FOTO: MARLIES WALTHER

„Die Robben jagen in die Schwärme hinein und treiben die Fische auseinander“, sagt der Vize-Chef des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Michael Schütt. Deshalb würden immer weniger Fische in den Stellnetzen landen. Den im Raum stehenden Verdacht, nun 23 Kegelrobben getötet zu haben, weisen sie jedoch strikt von sich. „Ich halte es für abwegig, dass Fischer mutwillig Robben in Reusen locken, um sie zu töten.“ Im Herbst 2017 wurden an der Nordküste Rügens erstaunlich viele Kadaver von ausgewachsenen kräftigen Kegelrobben gefunden. Die große Anzahl der Funde in nur drei Monaten – immerhin ein Viertel des geschätzten Bestandes – ist nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums „ungewöhnlich“. Die Forschungseinrichtung untersuchte die äußerlich nahezu unversehrten Kadaver, fand aber keine Hinweise auf Viren, Bakterien oder Gifte, an denen die Tiere verendet sein könnten. Für den Kurator für Meeressäuger Michael Dähne steht fest, dass die Tiere, die zum Atmen immer wieder an die Meeresoberfläche müssen, an akutem Herz- und Kreislaufstillstand starben. Möglicherweise – so eine Hypothese – könnten die Robben in nach oben geschlossene Reusen geschwommen, dort nicht mehr herausgekommen und ertrunken sein. Ende Dezember erstattete das Meeresmuseum Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Tötung einer besonders geschützten Art, wie Museumschef Harald Benke bestätigte.

Die Anzeige richtet sich zwar gegen Unbekannt. Die Einzigen, die ein sichtbares Interesse an einem kleinen Robbenbestand haben, sind die Fischer. Seit Jahren fordern sie einen Managementplan, der die wachsenden Bestände des Heringsräubers begrenzt. Die Schäden durch entgangene Fänge oder kaputte Netze hat der Verband bislang nicht beziffert, sagt Schütt. Viele Kollegen hätten Angst, auf Schäden aufmerksam zu machen und einen Ausgleich zu verlangen. „Die Fischer wollen nicht riskieren, dass der Greifswalder Bodden als Fischereigebiet gesperrt wird.“ Dass Fischer Reusen als Fallen nutzten, halte er dennoch für nahezu ausgeschlossen. Robben ließen sich nicht gezielt locken. Auch gebe es an den toten Robben seines Wissens nach keine Netzspuren.

Unterstützung erhalten die Fischer auch vom Thünen-Institut für Ostseefischerei. Nach Angaben des Fischereibiologen Christopher Zimmermann werden auch an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns Reusenarten eingesetzt, die nach oben geschlossen sind. Die Aalreusen gehören etwa dazu. Institutschef Christopher Zimmermann berichtete auch von vereinzelten Robbenfunden in Reusen. „Ich halte es aber für unwahrscheinlich, dass Fischer ihre Reusen riskieren, um darin Robben zu ersäufen“, sagte er. Allerdings halte auch er die Vielzahl der toten Robben schon für sonderbar.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt eigenen Angaben zufolge in alle Richtungen, hat offenbar aber bereits mutmaßliche Verursacher im Blick. „Es gibt Tatverdächtige im Sinne eines Anfangsverdachtes“, sagte Behördensprecher Martin Cloppenburg. Welchen Spuren die Staatsanwaltschaft konkret nachgeht, ließ Cloppenburg offen. „Wir wollen die Ermittlungen nicht gefährden.“

Größtes frei lebendes Raubtier in Deutschland

Die Kegelrobbe (Halichoerus grypus) ist neben dem Seehund die zweite an deutschen Küsten verbreitete Robbenart. Sie ist das größte in Deutschland frei lebend vorkommende Raubtier (bis zu 300 kg schwer und 2,50 Meter groß). Der Name leitet sich von den kegelförmigen Zähnen und der Kopfform ab. Vom Seehund unterscheidet sich die Kegelrobbe durch ihre viel massigere Gestalt. Zudem haben Seehunde einen rundlichen, Kegelrobben einen spitz zulaufenden Kopf. Die Männchen sind auf dunkelgrauem Grund hell gefleckt, Weibchen sind dunkelgrau gefleckt. Jungtiere kommen mit einem besonders weichen weißen Embryonalhaar (Lanugo) zur Welt, das nach etwa fünf Wochen durch normales Fell ersetzt wird.

Martina Rathke

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