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Rostock: Hupverbot für Ausflugsdampfer

Rostock Rostock: Hupverbot für Ausflugsdampfer

Hansestadt versagt Tuten zum Empfang der Kreuzfahrtschiffe / Andere Häfen im Norden sehen keinen Bedarf

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Hupe auf See – das Schiffshorn

Quelle: dpa

Rostock. Warnemünde schränkt das Tuten auf Ausflugsdampfern ein – und verärgert damit viele Schiffsfreunde. 500 Euro Geldbuße droht Fahrgastschiffern, wenn sie ihr Signalhorn, das Typhon, dazu benutzen, um ein- oder auslaufende Kreuzfahrtschiffe zu begrüßen oder zu verabschieden. Anlass sind laut Hafenamt zahlreiche Anwohner-Beschwerden über ausgedehnte Tut-Konzerte an Sommerabenden, teils bis 23 Uhr.

„Wenn man das fünf Mal am Abend ertragen muss, nervt es“, begründet Rathaus-Sprecher Ulrich Kunze den Typhon-Bann. Der gilt nur für die kleineren Wasserfahrzeuge. Die Kreuzfahrtriesen selbst dürfen nach wie vor auf die Hupe drücken, ebenso die diensthabende Besatzung der Verkehrsleitzentrale Warnemünde.

Dazu gehört Christian Subklew, Ältermann der Lotsenbrüderschaft Wismar-Rostock-Stralsund. Subklew vermisst die vielstimmigen Tut-Konzerte: „So etwas gehört doch zur Seele des Ortes.“ Aus Sicherheitsaspekten spreche wenig dagegen. „Es wäre schon ein großer Zufall, wenn da ein Warnsignal überhört wurde.“ Es sollen vor allem Zugezogene sein, die sich an den Geräuschen stören, hat Subklew gehört.

Andere Hafenstädte in Norddeutschland sehen keinen Anlass, nachzuziehen. „Wir haben hier nicht das Problem, dass alle wie wild tuten“, sagt eine Sprecher der Hamburger Port Authority. Deswegen müsse nichts verboten oder eingeschränkt werden. Hamburg ist nach Kiel und Rostock die deutsche Nummer 3 bei Kreuzfahrtanläufen.

In Wismar werden die Ozeanriesen sogar noch mit zusätzlichen Musketen- und Böllerschüssen verabschiedet. „Die Leute freuen sich“, sagt Hafenkapitän Harald Forst. An lauten Signalhörnern störe sich niemand. Allerdings gibt es weniger Gelegenheiten zum Krachmachen: Acht mal legen Kreuzfahrtschiffe diese Saison in Wismar an. Rostock, die bundesweite Nummer 1, kommt auf 185 Anläufe.

„Bei uns ist Ruhe im Hafen“, sagt Alexander Meynke, Hafenkapitän in Stralsund. Zwei bis drei Fahrgastschiffe bieten Rundfahrten an. Beschwerden über Lärm? Fehlanzeige. Auch nicht in Waren/Müritz:

Kein Bedarf für ein Tutverbot, erklärt eine Stadtsprecherin.

In Kiel gab es nur einmal Klagen über Lärm, berichtet Hafenkapitän Michael Schmidt – als voriges Jahr ein Schiff mit Bands an Bord zum „Full Metal Cruise“ aufbrach, einer Kreuzfahrt für die Anhänger sehr lauter Rockmusik. Viel getutet werde sonst nicht, so Schmidt, außer bei der Kieler Woche. Bei Kreuzfahrtanläufen ist an der Förde weniger los als in Rostock. Port-Partys und Ausfahrten mit Ozean-Riesen-Gucken gebe es nicht.

Dass Rostock durchgreift, findet Schmidt gut. Schließlich gehe es um„Missbrauch von Notsignalen“. Ausufernde Abschieds-Tröterei könne zu „gefährlichen Situationen“ führen, sagt Schmidt. Sein Rostocker Amtskollege Gisbert Ruhnke will Augenmaß walten lassen, bevor er den Bußgeldblock zückt. „Ich spreche erst einmal mit den Leuten“, sagt Rostocks Hafenchef. Ausnahmen werde es weiter geben.

Bei der Hanse Sail müsse kein Besucher fürchten, dass alle Schiffshörner in anhaltendes Schweigen verfallen.

• Umfrage:

www.ostsee-zeitung.de/Umfragen

So weit darf es nicht kommen!

Mehrere „Eingabenschreiber“ wollen das Tuten beim Ein-und Auslaufen der Schiffe aus dem Rostocker Hafen verbieten lassen. Bereits im Vorjahr soll ein ergangenes „Verbot zur Nutzung des Typhons“ beim Aus-und Einlaufen der Kreuzfahrtschiffe ergangen sein, was genauso unverständlich ist. In Warnemünde könnte nun Schluss damit sein, wenn sich ein Richter fände, der den „vermeidbaren Lärm“ der seemännischen Begrüßungs-und Abschiedszeremonie per Urteil verbietet. Im Grunde genommen gehen solche Eingaben an der ursächlichen Sache vorbei.

Die Warnemünder, Umländer bzw. Rostocker, die schon mit der „Muttermilch“ das Flair des größeren Hafens der fast 800-jährigen Hafenstadt aufgesogen haben oder heute weiterhin „aufsaugen“, stören sich nicht an Typhons oder Tuten. Jene, die wegen dieses Hafenflairs ausdrücklich nach Warnemünde gezogen sind, würden die Typhons und das Tuten vermissen. Im Grunde genommen ist es wohl nur eine „Handvoll“ Bürger , die mit diesem „Ursächlichen" nicht umgehen können.

Darf das „ursächliche Flair“ in einem speziellen Lebensraum ein Richter verbieten? So weit darf es nicht kommen.

Dr. Jürgen Hempel, per E-Mail

Schiffssignale

4 bis 5 Sekunden muss ein langer Ton der Schiffsignalanlage dauern, eine Sekunde ein kurzer. Trotz immer mehr Elektronik auf der Brücke werden manche Signale regelmäßig verwendet: Zum Beispiel einmal kurz für einen Kurswechsel nach Steuerbord. Zweimal kurz heißt, ich fahre jetzt in Richtung Backbord, und dreimal kurz steht für den Rückwärtsgang. Fünf kurze Töne hintereinander warnen vor einer Kollision und sollen den Gewarnten darauf hinweisen, die Vorfahrt zu beachten.

Gerald Kleine Wördemann

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