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Rostock ist Hochburg für Spritdiebe

Rostock Rostock ist Hochburg für Spritdiebe

Hansestadt auf traurigem Spitzenplatz in MV. Ein Internetportal vergleicht Fälle in den 120 deutschen Großstädten. Gestiegene Spritpreise sollen Hauptursache sein. Viele Kunden vergessen schlicht zu bezahlen.

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Synke Kern, LKA-Sprecherin.

Rostock. Volltanken, nicht bezahlen und flüchten: Immer mehr Autofahrer versuchen, hohe Spritpreise zu umgehen. So wie der Lkw-Fahrer, der kürzlich an der A 24- Raststätte Stolpe für 288 Euro getankt hatte und ohne Bezahlung weitergefahren war. Die meisten der Tankbetrüger in Mecklenburg- Vorpommern gibt aber es in Rostock. Am wenigsten werden Tankstellen in Neubrandenburg heimgesucht. Zu dem Ergebnis kommt das Internetportal „auto.de“ in einer bundesweiten Studie. Noch nie haben in Deutschland so viele Menschen ihr Fahrzeug betankt und vorsätzlich nicht gezahlt wie 2012. Und der Trend setzt sich fort.

Das Portal hat die Betrugsfälle des letzten Jahres in den 120 größten deutschen Städten verglichen. Rostock liegt mit 255 angezeigten Tankbetrügereien — neun Fälle pro Tankstelle — auf dem 32.

Platz. Damit befindet sich die Hansestadt am unteren Ende der Untersuchungsgruppe „Betrugshochburg“ — ebenso Lübeck, Kiel und Flensburg.

Mit den gestiegenen Spritpreisen haben 2012 in MV die Fälle von Tankbetrug zugenommen. Nahmen die Ermittler 2011 noch 1052 Anzeigen auf, waren es im Jahr darauf 1286, teilt das Landeskriminalamt (LKA) mit. „In diesem Jahr sind die Zahlen bislang rückläufig: In den ersten fünf Monaten wurden 545 Fälle von Tankbetrug von der Polizei registriert“, sagt LKA-Sprecherin Synke Kern. Im Vergleichszeitraum 2012 seien es 603 Fälle gewesen. Die regionale Verteilung der Sprit-Diebstähle schwanke sehr stark. Rostock war 2012 bei den Großstädten zahlenmäßig etwas mehr betroffen. Die Polizei klärte knapp 60 Prozent der Sprit-Diebstähle auf. In den ersten Monaten 2013 gab es im Bereich Ludwigslust die meisten Fälle.

Nur ein Fünftel der Sprit-Betrügereien werden angezeigt, schätzen Experten vom Zentralverband des Tankstellen- und Garagengewerbes (ZTG). 2012 wurden bundesweit rund 90 000 Fälle von Tankbetrug anzeigt, 5,5 Prozent mehr als 2011. Bei einer Dunkelziffer von 80 Prozent bedeute dies laut Studie, dass es pro Jahr 450 000 Tankbetrugsfälle gibt. Der Schaden durch Sprit-Klau liege demnach deutschlandweit bei jährlich über 30 Millionen Euro. In Deutschland gibt es laut Studie zurzeit 16 201 Tankstellen, davon 385 in Mecklenburg-Vorpommern.

„Etwa gefühlte 90 Prozent der ,Tankbetrüger‘ bei uns sind Kunden, die vergessen haben zu bezahlen“, erzählt Enrico Brauner, Pächter von drei Aral-Tankstellen in Rostock. Der Rest seien richtige Betrüger, da sei das Geld dann weg und müsse als Totalverlust verbucht werden. „Mit der Videotechnik, die wir installiert haben, können die meisten der vergesslichen Zahler in der Regel schnell ermittelt werden“, sagt Brauner. Alles weitere würde eine Anwaltskanzlei regeln. „Die Kunden zahlen dann in der Regel problemlos“, betont der Pächter.

Andere große Städte in MV kommen in der Studie besser weg als Rostock: Sieben Fälle pro Tankstelle verzeichnen Schwerin und Stralsund. In Neubrandenburg wurde 53 Mal ohne Bezahlung getankt — dreimal pro Tankstelle und nur noch halb so oft wie 2011. Damit gehört Neubrandenburg zur Gruppe der „ehrlichen Autofahrer“.

Bundesweit die meisten Betrügereien gab es laut der Untersuchung in Magdeburg, wo jede Tankstelle im Schnitt 26 Mal bestohlen wurde. Danach folgten Konstanz (24) sowie Berlin (23). Die Hauptstadt führt auch die Bundesländer-Liste an, Hamburg steht auf dem zweiten, Bremen auf dem dritten Platz.

Agrartankstelle geplündert
1300 Liter Diesel haben Diebe aus einer Agrartankstelle in der Nacht zu Sonnabend in Kirch Mulsow (Landkreis Rostock) gestohlen. Die Polizei ermittelt wegen des besonders schweren Falls des Diebstahls und Sachbeschädigung.

Moderne Videotechnik empfiehlt das LKA Tankstellenbetreibern. „Die ist jedoch nur sinnvoll, wenn das Kfz-Kennzeichen des Täterfahrzeugs und das Gesicht des Täters eindeutig erkennbar sind“, so LKA-Sprecherin Synke Kern. Tankstellen ohne Videoüberwachung hätten in der Regel deutlich höhere Verluste. Laut Viviane von Aretin, Geschäftsführerin des Verbandes des Garagen- und Tankstellengewerbes Nord-Ost nutze Videotechnik allein nutzt gegen Profi-Betrüger nichts. Denn sie würden oft mit gestohlenen oder gefälschten Kennzeichen zum Tanken fahren.

 

Bernhard Schmidtbauer

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