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MV aktuell Rostocker Blauhelme: Leinen los zum Langzeit-Einsatz
Nachrichten MV aktuell Rostocker Blauhelme: Leinen los zum Langzeit-Einsatz
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00:05 16.05.2017
Obermaat Simon A. (31, l.) und Bootsmann Robert D. (33) freuen sich auf den Einsatz. Quelle: Fotos: Gerald Kleine Wördemann
Rostock

Taschentücher sind hilfreich an diesem grauen Morgen. Die letzten Takte Blasmusik des Landespolizeiorchesters hängen noch in der Luft. Für die Angehörigen beginnt der Ernstfall. „Gleich wird es Zeit, auf Wiedersehen zu sagen“, sagt Sascha Zarthe, Kommandeur des Rostocker Korvettengeschwaders, in ein Mikrofon. Dann ist der Augenblick gekommen. 62

Die Korvette „Magdeburg“ legte gestern ab in Richtung Libanon. Erst in einem Jahr kehrt sie zurück.

Marinesoldaten und zwei -soldatinnen drücken noch einmal Kinder, Frauen, Männer, Verwandte und Freunde, die gestern Morgen zum Marinestützpunkt nach Rostock-Hohe Düne gekommen sind. Ein letzter Kuss, ein letzter Blick in die Augen, ein paar letzte geflüsterte Worte. Wenig später ist die Korvette „Magdeburg“ verschwunden.

Frühestens in einem Jahr kommt das Rostocker Schiff wieder zurück in seinen Heimathafen – so lange dauert sein Einsatz im Rahmen der Blauhelm-Mission „Unifil“ vor der libanesischen Küste. Die Seeleute müssen nicht so lange bleiben – der erste Besatzungswechsel ist für Oktober geplant. Mit dem Flugzeug dürfen die Ersten dann zurück nach Hause.

„Die meisten sind ganz heiß darauf, dass es endlich losgeht“, sagt Hauptbootsmann Robert D. (33). Zwei Sunden vor dem Auslaufen steht der bärtige Seemann aus dem Erzgebirge in hellbrauner Einsatz-Uniform („Tropenbeige“) an Deck. Vier Monate lang haben sich er und seine Kameraden auf den Einsatz vorbereitet. Nun sind alle froh, dass der „Drill“ vorbei ist und der Einsatz beginnt.

Solche monatelangen Missionen ist Robert D. gewohnt. Er war schon oft auf großer Fahrt, mit einem der inzwischen ausgemusterten Schnellboote und mit der Fregatte „Schleswig-Holstein“. Alles Routine.

„Man hofft, dass man an alles gedacht hat“, sagt der 33-Jährige. Zeitungen abbestellen, beim Einwohnermeldeamt Bescheid sagen, Freunde informieren – Abwesenheit muss vorbereitet sein.

Robert D. wird von seiner Mutter und weiteren Verwandten verabschiedet. Eine feste Beziehung hat er zurzeit nicht. Die meisten Frauen wollen sich auf die langen Abwesenheiten nicht einlassen, erzählt der Hauptbootsmann. Auch Obermaat Simon A. (31) ist zurzeit Single. Von seiner Familie ist niemand gekommen. „700 Kilometer, das ist zu weit“, sagt A., der aus dem bayerischen Würzburg stammt. Kurz wird er nachdenklich. „Mein Patenkind fängt gerade an, meinen Namen zu sagen“, erzählt er. Dass er es erst im Herbst wiedersehen kann, sei nicht so schön. Aber die Kontaktmöglichkeiten in die Heimat seien gut. Es gebe Internet an Bord, die meisten tauschen sich mit ihren Familien über den Nachrichtendienst WhatsApp aus. Kurz vor dem Ablegen fühlt sich Simon A. „ganz ruhig“.

Das werde sich bald ändern: Im Einsatzgebiet, bei den Patrouillefahrten, „kommt das Adrenalin“. A. ist für die Waffensysteme des Schiffs zuständig. „Ich hoffe, dass wir sie nicht einsetzen müssen.“ Dafür spreche, dass potenzielle Angreifer oft allein durch den Anblick des schwer bewaffneten Kriegsschiffs eingeschüchtert würden und das Weite suchen.

„Kopfleine los“, ruft Hautbootsmann Robert D. um kurz nach 10 Uhr über Deck. Seine Kollegen holen die Leine ein, die letzte Verbindung an Land ist gekappt. Seine Mutter winkt noch eine Weile, während die „Magdeburg“ und ihr Sohn immer kleiner werden.

Basishafen auf Zypern

Zwei Wochen dauert die Fahrt der „Magdeburg“ ins Operationsgebiet vor der Küste Libanons. Die Korvette ist mit Schiffen aus Griechenland, der Türkei, Indonesien und Bangladesch Teil des Unifil-Einsatzes zum Schutz der Seegrenzen und zur Verhinderung von Waffenschmuggel. Die Führung hat Brasilien. Zu den Aufgaben zählt auch die Ausbildung von libanesischen Marinesoldaten. Basishafen der Korvette ist Limassol auf Zypern. Unifil läuft seit 1978, es ist eine der ältesten Blauhelm-Missionen der UN. Die „Magdeburg“ löst ihr Schwesterschiff „Braunschweig“ ab, das seit Juni 2016 in Limassol ist.

Gerald Kleine Wördemann

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