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Rostocker Professor erklärt im TV-Sender Kika 3D-Kino

Rostock Rostocker Professor erklärt im TV-Sender Kika 3D-Kino

Der Physiologe Rüdiger Köhling ist am Sonnabend im Medienmagazin „Timster“ zu sehen / Aufzeichnung mit Grundschülern in Rostock / Warnung vor Seekrankheit

Rostock. Seit gestern strömen die Kinder wieder ins Kino: Mit „Findet Dorie“ gibt es endlich einen Nachfolger für den Erfolgsfilm „Findet Nemo“ (2003). Zu sehen ist der Animationsfilm in 3D. Im Fernsehsender Kika erklärt der Rostocker Professor für Physiologie, Rüdiger Köhling, aus diesem Anlass Kindern, wie dreidimensionales Sehen funktioniert.

Am Anfang stand dabei die Frage: „Wofür haben wir eigentlich zwei Augen?“, erzählt Köhling. Dazu führt er ein einfaches Experiment vor: Man hält die Zeigefinger vor die Augen, einen etwa 25

Zentimeter vor der Nase und den anderen dahinter in etwa 50 Zentimetern Entfernung. Nun schaut man konzentriert auf den vorderen. Ergebnis: Der hintere Finger erscheint doppelt. Konzentriert man sich nun auf den hinteren Finger, verdoppelt sich wiederum der vordere. „Das zeigt, dass mit zwei Augen Doppelbilder entstehen“, erklärt Köhling. „Unser Gehirn ist aber in der Lage, diese Doppelbilder zu unterdrücken.“ Was aber bei diesem Filtern erhalten bleibt, ist das räumliche Sehen: Die doppelte Erfassung mehrerer Gegenstände erlaubt dem Menschen, sie räumlich zueinander ins Verhältnis zu setzen und so ihre Entfernung voneinander oder ihre Geschwindigkeit einzuschätzen. Das ist ein Überbleibsel der frühen Vorfahren des Menschen, erklärt Köhling: „Wir sind nun mal Jäger.“

Denn vor allem Raubtiere verfügen über die Fähigkeit des 3D-Sehens – sie haben wie Menschen die Augen vorne am Kopf. „Beutetiere haben dagegen die Augen an der Seite. Dadurch haben sie einen größeren Blickwinkel und können Gefahren besser erkennen“, erklärt der Professor. Die 20 Kinder einer Rostocker Grundschule, denen er für die Aufzeichnung des Kika-Medienmagazins „Timster“ die Zusammenhänge im Hörsaal des Physiologie-Instituts erklärte, hingen geradezu an seinen Lippen, berichtet Köhling: „Die Schüler hatten eine bemerkenswerte Auffassungsgabe“, lobt er. Und wie kommt 3D auf die Leinwand? Dafür nehmen zwei Kameras das Geschehen auf, die wie die Augen Doppelbilder erzeugen. Zum Betrachten des Films braucht man dann wieder spezielle Brillen, die dafür sorgen, dass jedes Auge nur das sieht, was für es bestimmt ist. Heute sind dies meist sogenannte Polarisationsbrillen, erklärt Köhling: „Das Licht bewegt sich in Wellen fort und schwingt dabei auf verschiedenen Ebenen. Die einzelnen Brillengläser sind so polarisiert, dass sie nur Licht auf bestimmten Ebenen durchlassen.“ Der Reiz des 3D-Kinos liegt für den Experten in der Natur des Menschen: „Wir sind sehr visuell geprägt, wir wollen Muster erkennen“, sagt Köhling. Der Mensch sehe im Vergleich zu vielen Tieren sehr gut.

Allerdings birgt 3D für Köhling auch Risiken: „Sensible Menschen können regelrecht seekrank werden“, warnt er. „Man taucht so tief in das dreidimensionale Geschehen ein, dass das Gehirn erwartet, dass sich tatsächlich etwas bewegt. Der Gleichgewichtssinn meldet aber nichts.“ Diese Sinnestäuschung könne Übelkeit auslösen.

Aber auch die psychologischen Auswirkungen von 3D seien nicht zu unterschätzen: „Gewaltdarstellungen werden intensiver erlebt. Meiner Ansicht nach kann das zu Abstumpfung und bei empfindsamen Menschen auch zu Traumatisierung führen. Dabei ist die Welt doch schon gewalttätig genug“, mahnt Köhling.

Prof. Köhling erklärt 3D:

1. Oktober, 17.45 Uhr, Sendung

„Timster“ im Kinderkanal Kika

Axel Büssem

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