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Rostocker Vermieter will Wärmeversorger gründen

Rostock Rostocker Vermieter will Wärmeversorger gründen

Kommunale Wohnungsgesellschaft macht den Stadtwerken Konkurrenz / Rund 7000 Haushalte sollen mit Wärme beliefert werden

Rostock. Einer der größten Vermieter Deutschlands, die Rostocker Wiro, will ins Energiegeschäft einsteigen: Die stadteigene Wohnungsgesellschaft plant die Gründung einer neuen Tochtergesellschaft, die Wärme für rund 7000 Wohnungen in der Hansestadt, aber auch Strom erzeugen soll. Das Ziel: „Wir wollen auch weiterhin Wohnung und Wärme aus einer Hand anbieten“, sagt Ralf Zimlich, der Vorsitzende der Wiro-Geschäftsführung. Doch der Plan ist umstritten: Die Stadtwerke Rostock, ebenfalls eine Tochtergesellschaft der Hansestadt, üben scharfe Kritik an den Plänen des Vermieters, fürchten Umsatzeinbußen.

Hintergrund: Die Wiro muss in den kommenden Jahren viele alte Heizungsanlagen in ihren Wohnungen austauschen. Zum einen fallen die alten Geräte immer öfter aus – vor allem die so genannten Gasetagenheizungen. Oft gebe es auch keine Reparaturmöglichkeiten mehr. Die neue Tochtergesellschaft soll die Anlagen betreiben und umrüsten. Betroffen sind 6650 Wohnungen in Rostock.

Bei der Suche nach einer neuen Wärmequelle für die Wohnungen habe sich die Wiro gegen Fernwärme aus dem Netz der Schwester-Gesellschaft Stadtwerke entschieden. Argument: Fernwärme treibe die Mietkosten in die Höhe. Die Heizkosten bei Wohnungen mit Fernwärme-Anschluss seien im Schnitt bis zu 30 Prozent höher als bei Wohnungen, die mit Gas beheizt werden, sagt Zimlich. Außerdem sei Fernwärme nicht im ganzen Stadtgebiet verfügbar. Stattdessen wolle die Wiro auf klimafreundliche Energie-Technik setzen: Solar-Anlagen, Erdwärme oder auch moderne Blockheizkraftwerke. Insgesamt will der Vermieter 19,5 Millionen Euro in seine neue Energie-Sparte investieren.

Die Rostocker Stadtwerke rebellieren gegen die Pläne: In einem Schreiben an die Bürgerschaftsfraktionen warnt Stadtwerke-Vorstand Oliver Brünnich vor „Doppelstrukturen“ auf dem Energie-Markt der Stadt: Die hätten „direkte negative Auswirkungen“ auf das Ergebnis der Stadtwerke. Unter anderem würden die Stadtwerke rund eine Million Euro Umsatz verlieren, wenn die Wiro-Wohnungen nicht mehr Gas beheizt werden.

Bei der Wismarer Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) ist die hauseigene Produktion von Wärme nach Angaben einer Sprecherin noch kein Thema. In Stralsund werden die Gebäude auf dem Dänholm von der 2012 gegründeten SWS Natur GmbH mit Wärme und Strom versorgt. In das Blockheizkraftwerk hat das Tochterunternehmen der Stralsunder Stadtwerke rund 2,3 Millionen Euro investiert. Betrieben wird die Anlage mit Biomethan, das das Unternehmen im Stralsunder Gewerbegebiet Lüdershagen zum Teil selbst produziert.

Mit rund 361000 Euro hat das Schweriner Energieministerium das SWS–Blockheizkraftwerk im Rahmen der Klimaschutz-Förderung bezuschusst. Auch in andere kommunale Unternehmen flossen Gelder für die klimaschonende Energieversorgung: So bekam die Rostocker Wiro rund 260000 Euro für die Beheizung mit Wärmepumpen von Neubauten auf der Holzhalbinsel. Das Schweriner Energieversorgungsunternehmen erhielt einen Zuschuss von 4,2 Millionen Euro für die Nutzung der vorhandenen Thermalsohle zur Fernwärmeversorgung.

Andreas Meyer und Axel Meyer

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