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MV aktuell Rückkehr aus dem Tod
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04:28 13.09.2013
Karin Stanislowski (56) rettete ihrem Mann Norbert durch ein beherztes Eingreifen das Leben. Das aus Celle stammende Ehepaar macht seit 14 Jahren Urlaub an der Müritz. Quelle: Norbert Fellechner
Rostock

Sein Kammerflimmern kam plötzlich und völlig unerwartet. Das Herz von Norbert Stanislowski blieb stehen, sein Kreislauf brach zusammen. Nieren und Leber versagten. „Ohne die eingeleiteten Wiederbelebungsversuche seiner Frau würde Herr Stanislowski heute definitiv nicht mehr leben“, sagt Notarzt Gernot Rücker. Der Spezialist für Notfallmedizin am Rostocker Universitätsklinikum war an jenem 4. Juni 2011 im Einsatz.

Am Montag beginnt die bundesweite Aktionswoche der Wiederbelebung. Für den heute völlig genesenen 57-jährigen Stanislowski eine wichtige Sache: „Die Deutschen müssen ihre Scheu überwinden und im Ernstfall helfen — das rettet viele Leben.“ Die statistischen Zahlen sind alarmierend. Nur jeder fünfte Bundesbürger führt im Falle eines Herzstillstandes lebensrettende Sofortmaßnahmen durch.

Karin Stanislowski kann sich noch gut an den schicksalhaften Tag erinnern. „Wir verlebten tolle Stunden auf dem Wasser.“ Den Bolter Kanal erreichten die aus Celle stammenden Urlauber ohne Probleme.

„Ich war im Mast mit dem Segel beschäftigt“, berichtet Karin Stanislowski. Die 56-Jährige stieg hinab und fand ihren Mann röchelnd auf den Planken liegend. Sie habe laut um Hilfe geschrien. Ein junger Helfer eilte herbei, der Notruf 112 wurde gewählt — sofort begannen beide mit den Wiederbelebungsmaßnahmen.

Eine Viertelstunde später traf der Krankenwagen ein. Weitere fünf Minuten vergingen, bis der Notarztwagen vor Ort war. „In einem Flächenland wie Mecklenburg- Vorpommern können die Rettungskräfte nicht in sechs oder sieben Minuten beim Patienten sein — darum ist die Wiederbelebung durch Laien so wichtig“, erklärt Rücker. Der 48-Jährige ist seit 32 Jahren als Lebensretter unterwegs. Zunächst als Sanitäter, danach als Rettungsassistent und nun als Notarzt. Zugleich arbeitet er als Dozent an der Universität Rostock. „Zehn Doktoranden forschen bei uns zum Thema Wiederbelebung“, berichtet Rücker. Zusammen mit der Björn-Steiger-Stiftung konnte Rücker 35 000 Schüler der siebenten Klasse in Mecklenburg-Vorpommern als Lebensretter schulen. Rücker: „Damit nimmt unser Land in der ganzen Bundesrepublik eine Vorreiterrolle ein.“ Junge Menschen seien lernfähiger und könnten ohne Zwang, Ekel und Stress das Lebenretten verinnerlichen. Statistisch helfen nur 20 Prozent aller Deutschen im Falle eines Herzstillstandes. „Das sind erschreckende Zahlen — in Skandinavien sind es etwa 75 Prozent“, so Rücker. Seine Forschungsergebnisse belegen: „Etwa 5000 Menschen sterben jährlich in der Bundesrepublik aufgrund von unterlassenen Wiederbelebungsversuchen.“

Norbert Stanislowski hat überlebt. Ein Rettungshubschrauber flog ihn ins Klinikum Neubrandenburg. Dort versetzten ihn die Ärzte für eine Woche in ein künstliches Koma. Acht Monate dauerten die Rehabilitationsmaßnahmen, ehe Stanislowski in seinen Beruf als Ausbildungsleiter zurückkehren konnte. „Ich musste beispielsweise das Sprechen wieder lernen“, sagt er. Seine Frau ist glücklich: „Es hat keine bleibenden Schäden gegeben.“ Für Rücker ist dies „aufgrund der langen Wiederbelebung erstaunlich. Das zeigt, dass die Ersthelfer alles richtig gemacht haben.“

Björn-Steiger-Stiftung
Unter dem Motto „Alles für dein Leben“ engagiert sich die Björn-Steiger-Stiftung seit über 40 Jahren für den Rettungsdienst.

Hintergrund: Im Mai 1969 wird der achtjährige Björn Steiger von einem Auto erfasst. Passanten alarmierten sofort nach dem Unfall Polizei und Deutsches Rotes Kreuz. Die Hilfe trifft nach über einer Stunde ein. Björn stirbt. Seine Eltern gründen die Stiftung.

Der Stiftung gelingt es unter anderem den 24-Stunden-Notarztdienst und die einheitlichen Notrufnummern 110/112 einzuführen sowie den ersten Baby-Notarztwagen zu entwickeln.

Matthias Trenn

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