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MV aktuell Rüstungsetat: Marine-Chef will mehr als die Kanzlerin
Nachrichten MV aktuell Rüstungsetat: Marine-Chef will mehr als die Kanzlerin
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00:31 12.06.2018
Rostock

Die Deutsche Marine wird auch künftig im selben Umfang an Auslandseinsätzen teilnehmen wie bisher. Davon geht der Inspekteur der Marine, Vize-Admiral Andreas Krause, aus. „Ich erkenne nicht die Notwendigkeit und auch nicht den Willen, Auslandseinsätze zurückzufahren“, sagte Krause der OSTSEE-ZEITUNG. „Deutschland ist bereit, international mehr Verantwortung zu übernehmen, und dem werden wir auch in Zukunft gerecht werden.“

„Wir sollten das Zwei-Prozent-Ziel nicht aus den Augen verlieren.“ Vize-Admiral Andreas Krause Marine-Inspekteur Quelle: Foto: Dpa

Weltweit unterwegs

4 Auslandseinsätze deckt die Deutsche Marine derzeit ab. Unter anderem ist sie an der Operation Sophia beteiligt, mit der Schleuserkriminalität im Mittelmeer bekämpft werden soll. Dabei wurden bereits Tausende Flüchtlinge gerettet. Darüber hinaus stellt die Marine Schiffe für alle vier ständigen Nato-Verbände.

Vor einem Monat hatten Medienberichte für Aufsehen gesorgt, wonach Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) planen soll, die Bundeswehr künftig wieder stärker auf Bündnis- und Landesverteidigung auszurichten und dafür die Fokussierung auf Auslandseinsätze zu beenden.

Krause betonte: „Wir werden auch weiterhin Seeraumüberwachung im Mittelmeer leisten und Flüchtlinge retten, aber auch im multinationalen Verbund unsere Aufgaben erfüllen. Dafür ist jedoch eine Modernisierung der Bundeswehr nötig, und dafür brauchen wir die nötigen Mittel.“

Die Politik müsse nachhaltig – mindestens für 15 Jahre, aber am besten dauerhaft – mehr Geld zur Verfügung stellen, forderte der Inspekteur. Denn der Modernisierungsprozess der Marine brauche Zeit, „so wie das Schrumpfen der letzten 25 Jahre“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vergangene Woche erklärt, Deutschland werde bis 2025 seinen Wehretat von derzeit 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 1,5 Prozent steigern. Die Nato-Staaten hatten sich dagegen 2014 darauf verständigt, ihre Rüstungsausgaben bis 2024 auf zwei Prozent des BIP zu erhöhen. Krause sagte dazu: „Wir sollten das Zwei-Prozent-Ziel nicht aus den Augen verlieren.“

Krause nahm die Marine auch vor Kritikern in Schutz, die den Seestreitkräften mangelnde Einsatzbereitschaft vorwerfen. Zuletzt hatten Medien unter anderem berichtet, die in Rostock stationierten Korvetten seien nicht ausreichend bewaffnet und die U-Boote gar nicht einsatzfähig. Zudem wird die neue Fregatte 125 gerne als Pannen-Schiff bezeichnet, da sich die Indienststellung wegen technischer Schwierigkeiten immer wieder verzögerte.

„Die Korvetten haben Munition für alle Waffensysteme“, betonte Krause. „Von den sechs U-Booten war Ende 2017 tatsächlich keines einsatzfähig. Zwei fahren aber inzwischen wieder, und wir gehen davon aus, dass es bis Jahresende drei sein werden.“ Jeweils zwei U-Boote seien ohnehin planmäßig immer in der Instandsetzung.

„Die Verzögerung bei den Fregatten ist etwas, das mich nicht mit Freude erfüllt“, räumte Krause ein. Aber auch hier hoffe er, dass bis Jahresende die „Baden-Württemberg“, die der neuen Klasse den Namen geben soll, in Dienst gestellt werden kann. „Bei der Fregatte 125 haben wir in vielen Bereichen komplettes Neuland betreten“, erklärte Krause die Probleme.

Das Grundproblem sei, dass die neuen Fregatten relativ große Schiffe seien, die von einer kleinen Mannschaft bedient werden. Das erfordere einen hohen Automatisierungsgrad. Dafür seien 90 Prozent der Technik an Bord neu entwickelt worden. Daher blickten auch Marinen weltweit gespannt auf die Fregatte 125, sagte der Vize-Admiral: „Alle haben das Problem, ausreichend junge Menschen zu finden, die sich für den Beruf des Marinesoldaten begeistern.“

Auch bei der Deutschen Marine seien die Neuverpflichtungen, die im vergangenen Jahr unter anderem dank der Youtube-Serie „Die Rekruten“ über den Alltag an der Marinetechnikschule Parow gestiegen waren, 2018 wieder leicht rückläufig. Gleichzeitig sei die Zahl der Stellen erhöht worden. „Wir wachsen bei den Dienstposten, jetzt müssen wir nur noch die Menschen finden“, sagte Krause.

Axel Büssem

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