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Russische Kadetten auf dem ersten Törn

Schiffe aus elf Ländern: Die Welt zu Gast in Rostock Russische Kadetten auf dem ersten Törn

Noch bis morgen trifft sich die Welt in Rostock: Gäste aus vielen Ländern sind gekommen – wie die Crew der russischen „Sedov“.

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Zum ersten Mal in Rostock: Vitalii Vlasov (18, l.) und Pavel Tsvetkov (19), Kadetten auf dem russischen Segelschiff „Sedov“.

Quelle: Ekaterina Astafyeva

Rostock. Hanse Sail international: Vier Tage lang treffen sich in Rostock Kapitäne, Gäste und Händler aus aller Welt. Den Großteil der ausländischen Besucher machen die Schiffscrews aus. Sie sind mit ihren Seglern, Yachten, Kreuzfahrtschiffen und Museumsbooten aus elf Ländern nach Mecklenburg-Vorpommern gereist.

Die Hanse Sail in Rostock wird mir in guter Erinnerung bleiben.“ Pavel Tsvetkov (19), Kadett auf der „Sedov“

Das zweitgrößte Segelschiff der Welt, die russische „Sedov“, ist in Warnemünde vertäut. Ihre Besatzung: 169 Frauen und Männer, darunter Alexander Verbitskii. Das Gesicht des 52-Jährigen ist braun gebrannt und hat tiefe Falten. Seine Augen sind so blau, als würde sich die Ostsee darin spiegeln. „Seit der Kindheit war es mein Traum, Seemann zu werden“, erzählt er. Geboren in Minsk (Weißrussland), hat er das Meer nicht vor der Haustür, aber „es hat mich immer angezogen“. Warum, das kann Verbitskii nicht erklären. Es sei einfach in den Genen gewesen. Er spart eifrig für seinen Traum: Mit 17 Jahren hat er etwas Geld zusammen, um ein paar Tage ans Schwarze Meer zu fahren – und er ist begeistert.

Mittlerweile hat der Obermatrose die Welt bereist. 27 Jahre lang ist er mit verschiedenen Schiffen unterwegs – auf Nord- und Ostsee, dem Ochotskischen Meer (am südöstlichen Zipfel von Russland) und auf dem Indischen Ozean. Studiert hat er in Klaipeda, Litauen. Es folgen viele Jobs für unterschiedliche Firmen. Als ein Chef zu ihm sagt: „Nimm deine Sachen, drei Kadetten und bringe sie nach Magadan“, soll es eigentlich nur ein kurzer Abstecher in den fernen Osten Russlands werden. Doch am Ende bleibt er 15 Jahre dort. Grund ist die schlechte wirtschaftliche Lage, neue Arbeitsplätze gibt es kaum.

Inzwischen hat Verbitskii vieles auf dem Wasser gemacht: Er war bei der Seeinspektion, ist mit Fangbooten hinausgesegelt. „Einmal musste ich dabei mit zwei Matrosen auf einer Eisscholle im Ochotskischen Meer übernachten“, erinnert er sich. Sie waren gerade auf der Jagd, als ihr Boot vom Eis zerquetscht wurde. Sie retten sich auf die Scholle und treiben einen Tag lang im offenen Meer.

„Dann wurden wir von einem Schiff gerettet“, erzählt er.

Kadett Pavel Tsvetkov kennt solche Abenteuer noch nicht. Für den 19-Jährigen ist es die erste Hanse Sail in Rostock, und es ist auch sein erster Törn mit der „Sedov“. Tsvetkov und die anderen etwa 110 Kadetten absolvieren eine Ausbildungsfahrt: Die jungen Leute studieren an der Technischen Universität Murmansk im Nordwesten von Russland. Jedes Jahr sollen sie ein Praktikum absolvieren – diesmal sind sie auf der aus Stahl gebauten Viermastbark. An Bord lernen sie unter anderem Englisch, machen sich mit der Technik vertraut und erledigen Routinearbeiten: Sie putzen Deck und Kielräume, spülen Geschirr, halten Schiffswache. „Ich habe noch nicht viele Häfen gesehen, bisher war ich nur in Kiel – und jetzt sind wir hier“, erzählt Pavel Tsvetkov. Rostock gefalle ihm, das maritime Flair in Warnemünde, auch die Begeisterung der Leute für die „Sedov“. Die Hanse Sail werde ihm gut in Erinnerung bleiben.

Der Hanse Sail Verein und die Hansestadt Rostock haben zu einer Spendenaktion für den Großsegler aufgerufen. Im Jahr 2021 wird dieser 100 Jahre alt. Zu diesem Anlass will der Verein das Schiff überholen lassen. Vorsitzender Günter Senf hat den Wunsch, das die „Sedov“ an ihrem Geburtsort, der Kieler Germaniawerft, repariert wird: „Wir sind froh, dass Russland dieses Schiff in seiner Struktur originalgetreu erhalten hat und wollen dazu auch unseren Beitrag leisten.“

Ekaterina Astafyeva

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