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Russland-Geschäft bricht ein: Firmen in MV massiv betroffen

Rostock/Greifswald Russland-Geschäft bricht ein: Firmen in MV massiv betroffen

Greifswalder Anlagenbauer AKB eröffnet Insolvenzverfahren

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Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) FOTO: DPA

Rostock/Greifswald. Die Folgen der Russland-Sanktionen haben mehrere Unternehmen des Anlagenbauers AKB in Greifswald in Schieflage gebracht. Das Insolvenzverfahren wurde gestern am Amtsgericht Stralsund für AKB Energie- und Umwelttechnik, AKB Maschinen- und Anlagentechnik und AKG Montage und Personaldienst eröffnet. Nach Aussage des Insolvenzverwalters Heiko Jaap soll keiner der 230 Mitarbeiter entlassen werden. Gehälter würden aus der Finanzmasse finanziert.

Mitte Oktober war die Insolvenz für die AKB-Firmen angemeldet worden. Als Grund nannte Geschäftsführer Michael Lüdeke u. a. das weggebrochene Russland-Geschäft. So habe die AKB Energie- und Umwelttechnik jährlich bis zu zehn Millionen Euro Umsatz in Russland gemacht, etwa durch Wasseraufbereitung in Atomkraftanlagen. Zwei weitere Firmen der Holding – die Firmen AKB CNC GmbH (Berlin) sowie die AKB Umformtechnik GmbH (Wittstock) – hat die Braun-Gruppe gekauft und davor bewahrt, in den Strudel der Insolvenz der Holding zu geraten.

Auch anderen Unternehmen in MV machen die gegenseitigen Handelsbeschränkungen zu schaffen. Nach den Zahlen des Statistischen Landesamts brachen die Warenausfuhren in der ersten Jahreshälfte 2016 um mehr als die Hälfte ein. Während im Vorjahreszeitraum Produkte im Wert von 135 Millionen Euro nach Russland geliefert wurden, waren es im ersten Halbjahr 2016 nur rund 65 Millionen Euro.

Der Ministerpräsident von MV, Erwin Sellering (SPD), hält die Sanktionen für „falsch“: „Sie haben nicht zur Lösung von Konflikten beigetragen.“ Dafür hätten die Sanktionen „der Wirtschaft und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf beiden Seiten geschadet“, betont Sellering. Die Handelsbeschränkungen sollten „schnellstmöglich beendet werden“. Voraussetzung dafür sei, „dass sich beide Seiten aufeinander zu bewegen.“

Der Schweriner Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) betont: „Wichtig ist es, weiter gemeinsam nach vorn zu schauen und im Gespräch zu bleiben.“ Was einmal abgebrochen wurde, sei nur schwer wieder aufzubauen. „Das schadet der Wirtschaft auf beiden Seiten“, sagt Glawe.

Auch die Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer Rostock (IHK) hat sich dafür ausgesprochen, „dass der Dialog zwischen den Konfliktparteien auf allen Ebenen geführt wird“. Zudem sollen wirtschaftliche Kontakte aufrechterhalten und gepflegt werden. Die Kammer plädiere „für die schrittweise Aufhebung der beiderseitigen Sanktionen“. In MV habe insbesondere die Ernährungswirtschaft „erhebliche Einbrüche im Russlandgeschäft“ zu verzeichnen, erklärt Peter Volkmann, bei der IHK Rostock unter anderem für Außenwirtschaft zuständig.

Als Reaktion auf die Wirtschaftssanktionen hatte Russland unter anderem Importverbote gegen Waren des Westens verhängt, etwa für Fleisch- und Milchprodukte. Als Folge musste beispielsweise die Pommersche Fleisch- und Wurstwaren GmbH Insolvenz anmelden und der Anklamer Schlachthof dichtmachen.

Bei AKB bemühe man sich, die Firmen weiterzuführen oder über Asset Deals zu veräußern, sagt Insolvenzverwalter Japp. Es gebe bereits Interessenten. Auch für die AKB Holding gibt es ein vorläufiges Insolvenzverfahren.

Sanktionen wurden mehrfach erweitert und verlängert

Die EU verhängte am 6. März 2014 die ersten drei Sanktionen gegen Russland. Die Sanktionen wurden mehrfach verlängert und erweitert. Anlass war die sogenannte Krimkrise. Der Konflikt um die Halbinsel Krim wurde durch die verdeckte Annexion durch Russland im März 2014 bestimmt. Die Gelegenheit ergab sich für die Russische Föderation aus einer Krise in der Ukraine, die sich später in Teilen des ukrainischen Ostens wiederum zu einem offenen Krieg mit russischer Hilfe auf Seiten der Separatisten entwickelt hat.

Axel Meyer

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