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SPD ohne Schwesig-Bonus

Rostock SPD ohne Schwesig-Bonus

AfD hat sich in Vorpommern als Kümmerer-Partei etabliert

Rostock. Über die Ergebnisse der Bundestagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sprach die OSTSEE-ZEITUNG mit Jan Müller (30), Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock.

 

OZ-Bild

Jan Müller, Mitarbeiter am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Uni Rostock.

Quelle: Foto: Uni

Die Regierungsparteien CDU und SPD haben deutlich verloren. Welche Gründe gibt es dafür?

Die Wähler in MV folgen damit dem Bundestrend. Jedoch: Obwohl die Union gegenüber 2013 starke Verluste erlitten hat, konnte sie alle sechs Direktmandate erringen. Das ist – vor allem in Vorpommern – schon ein Erfolg, ein Zeichen der Stärke. Die SPD hatte das Problem, dass die Wähler zwischen Bundes- und Landesebene unterscheiden. Bei einer Landtagswahl fühlen sich hier viele Menschen von der SPD gut vertreten, bei der Bundestagswahl von der CDU. Viele Wähler treffen diese Ebnenentscheidung.

Aber die SPD rutschte sogar auf Platz vier ab, hinter CDU, AfD und Linke. Wirkt in MV kein SPD-Ministerpräsidentinnen-Bonus?

Nein, die SPD in MV hat es nur ein Jahr nach der Landtagswahl nicht geschafft, ihre damaligen Wähler zu motivieren. Die SPD wird von vielen als eine „Mecklenburg-Partei“ wahrgenommen. Dazu kommt, dass ihre Erfolge in der Großen Koalition nicht der SPD zuerkannt wurden. Und: Im Land ist die Linke bei Bundestagswahlen traditionell stärker als die SPD.

Dagegen erzielte die AfD im Vergleich zur letzten Bundestagswahl große Stimmgewinne. Auf Usedom sogar 44 Prozent.

Interessant ist, dass die AfD mit 18,6 Prozent weniger Stimmen als bei der Landtagswahl im letzten Jahr (20,8 Prozent) bekommen hat. In den östlichen Landesteilen ist die AfD besonders stark. Dort wird die Partei von vielen Menschen als Unmutsartikulationspartei wahrgenommen. Vorpommern ist wirtschaftlich schwächer entwickelt, viele Leute sind dort weggezogen, Institutionen schließen, die Parteien sind dort schwach vertreten. In dieser Region konnte die AfD die Ängste vieler Menschen aufgreifen und ihnen den Eindruck vermitteln, dass sie sich um die Sorgen und Nöte kümmert.

Nur einen Tag nach der Bundestagswahl spaltet sich die AfD-Fraktion im Schweriner Landtag. Welche Kräfte trennen sich jetzt?

Dies ist weniger ein Streit um die Inhalte, als um die Strategie der Partei, wie in den Parlamenten gearbeitet werden soll. Dieser Kampf um die Strategie ist noch nicht beendet.

Auch die Linke hat deutlich Stimmen verloren. Warum ist die Linke so schwach in MV?

Das Dilemma der Linken ist, dass ihre Wählerschicht schon immer überaltert war. Dazu kommt, dass sie ihre Position als Protestpartei verloren hat. Auch viele ihrer Wähler sind zur AfD gewechselt.

Interview:

Bernhard Schmidtbauer

OZ

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