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Säure-Wolke über Parchim

Parchim Säure-Wolke über Parchim

Lkw verliert 750 Liter Schwefelsäure: Drei Verletzte, Unweltschäden noch unklar

Parchim. Das hätte viel schlimmer ausgehen können: Wenige hundert Meter vor einer Schule und einem Krankenhaus verlor ein Lkw gestern in Parchim (Landkreis Ludwigslust-Parchim) seine giftige Fracht. Etwa 750 Liter konzentrierte Schwefelsäure ergossen sich auf einer Länge von 100 Metern über die Straße. Ein Feuerwehrmann erlitt Verätzungen an den Füßen, ein Polizist klagte über Atemwegsreizungen. Beide wurden im Krankenhaus behandelt. Auch der Lkw-Fahrer kam vorsorglich in die Klinik. Laut Polizei wurde er leicht verletzt, nach Angaben seiner Spedition fehlt ihm nichts.

Der Lkw hatte in einem Anhänger zwei Spezial-Container für flüssiges Gefahrgut mit zusammen 2000 Litern geladen. Beide Behälter wurden aus noch unbekannter Ursache offenbar während der Fahrt beschädigt. Die 96-prozentige Schwefelsäure floss im morgendlichen Berufsverkehr auf eine zentrale Durchgangsstraße im Zentrum der 19000-Einwohner-Stadt. Es bildete sich dichter Dampf, was der Fahrer bemerkte und stoppte. Laut Polizei wurde eine Art Säure-Wolke in die Richtung von Wohnhäusern geweht. Anwohner wurden per Radio und sozialen Medien aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten und die Häuser nicht zu verlassen.

„Zum Glück waren an dieser Stelle kaum Fußgänger unterwegs“, sagt Sprecher Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust. Eventuell steigt die Zahl der Verletzten noch an. Anwohner und Durchfahrende könnten kleine Mengen Schwefelsäure eingeatmet haben. Personen mit Atemwegsreizungen sollten eine Klinik aufsuchen. Laut Rettungsleitstelle Schwerin waren fünf freiwillige Feuerwehren aus Parchim und Umgebung im Einsatz — teils mit Spezialanzügen. Sie bargen die Behälter samt restlichem Inhalt.

An der Straße verläuft ein alter Burgwall, der über Entwässerungsrohre mit dem Fluss Elde verbunden ist. Laut Landkreissprecher Andreas Bonin flossen wahrscheinlich mehrere hundert Liter Säure in die Elde. Feuerwehrleute spülten die Rohre mit Wasser. Bonin: „Ob es zu Umweltschäden kommt, ist noch nicht absehbar.“

Die Ursache der Havarie wird noch ermittelt. „Wir prüfen, ob die Ladung richtig gesichert war“, sagt Polizeisprecher Wiechmann. Nach Angaben der Spedition, des Unternehmens Emons aus Köln, war der Lkw in Spornitz bei Schwerin losgefahren. Die Schwefelsäure sollte zu einer Firma in der Region. Emons ist ein Traditionsunternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern weltweit. Eine Firmensprecherin kündigt für heute eine Erklärung zur Unfallursache an.

„Wir erleben es bei Kontrollen immer wieder, dass irgendwo Gefahrgut austritt“, sagt Joachim Thiemann vom Bundesamt für Güterkraftverkehr. An fehlenden Gesetzen liege das nicht: Bestimmungen und Vorschriften für den Transport gefährlicher Stoffe füllten 1000 Seiten dicke Bücher.

 



Gerald Kleine Wördemann

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