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MV aktuell Sanddorn-Ernte: Eiszeit für Kratzbürsten
Nachrichten MV aktuell Sanddorn-Ernte: Eiszeit für Kratzbürsten
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00:05 27.08.2016
Die Äste der Sanddornsträucher werden schockgefrostet. So lösen sich die Beeren leicht. Quelle: Ludwigsluster Sanddorn Storchennest Gmbh

Saisonauftakt für saure Früchtchen: Vielerorts im Land melken Hobbyquetscher schon den ersten wilden Sanddorn. Wer es mit den kratzbürstigen Sträuchern aufnimmt, wird mit aromatisch, herb-saurem Saft belohnt. Im größten deutschen Bio-Sanddorn-Anbaugebiet startet die kommerzielle Ernte am ersten September: Mit 65 bis 70 Tonnen der Vitaminbomben rechnet die Sanddorn Storchennest GmbH in Ludwigslust in diesem Jahr. „Eine Durchschnittsernte“, sagt Geschäftsführerin Silvia Hinrichs. 117 Hektar misst ihre Plantage, 25 davon werden abgeerntet.

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In Ludwigslust auf Deutschlands größter Bio-Plantage werden bis Oktober rund 70 Tonnen der vitaminreichen Beeren geerntet

Die Sanddorn-Ernte ist mühsam und ein körperlicher Kraftakt. Bis zu vier Tonnen pro Tag holen die 20 Erntehelfer von den Sträuchern. Doch einfach abschütteln lassen sich die Beeren von den dornenreichen Sträuchern nicht. Die Ludwigsluster schneiden von Hand ganze Äste ab. Dann werden die frechen Früchtchen buchstäblich kaltgestellt: Die Äste werden durch flüssigen Stickstoff bei minus 79 Grad schockgefrostet und dann maschinell durchgerüttelt, bis sich die Beeren lösen.

Gut die Hälfte der Ernte geht an das Unternehmen Voelkel, die größte Naturkostsafterei Deutschlands. Den Rest lassen die Ludwigsluster für den firmeneigenen Vertrieb zu Saft und Spirituosen, aber auch Konfitüre, Honig, Tees, Süßigkeiten und Kosmetik verarbeiten. Die Produkte werden bundes- und europaweit vertrieben. Und die Nachfrage danach steigt stetig, sagt Silvia Hinrichs. Nicht etwa nur bei Großabnehmern wie Karls Erdbeerhof, sondern auch bei Privatleuten. Letztere lassen sich Sanddorn nicht nur schmecken, sie wollen offenbar auch mehr darüber wissen. „Führungen und Verkostungen sind beliebt“, sagt Hinrichs.

Anziehend wirkt die Beere allerdings auch auf die Sanddorn- Fruchtfliege (Rhagoletis batava), deren gefräßige Larven die Früchte von innen ausfressen. Der Schädling sei zwar auch in diesem Jahr wieder unterwegs, sagt Silvia Hinrichs. Gravierende Auswirkungen für die Ernte befürchte sie aber nicht.

Sechs Wochen lang, bis in den Oktober hinein, wird in Ludwigslust Sanddorn geerntet. Dabei ist es ganz entscheidend, den richtigen Zeitpunkt abzupassen. Denn in überreifen Früchten kommt es zu einer Buttersäuregärung, die die Beeren ungenießbar macht.

Seit den 1980er Jahren wird der Sanddorn in Ludwigslust kultiviert. Damit ist das Anbaugebiet das älteste dieser Größenordnung in Deutschland. Seit drei Jahren ist die Sanddorn Storchennest GmbH zudem der bundesweit einzige Demeter-Sanddornbauer, sagt Silvia Hinrichs.

Kommende Woche beginnt auch die Ernte in Wohlenberg (Landkreis Nordwestmecklenburg). Dort bewirtschaftet Niklot Pagels ein rund zwei Hektar großes Gelände. „Etliche Beeren sind dran“, berichtet sein Vater Klaus Pagels, der im Familienunternehmen mithilft.

Im vergangenen Jahr haben im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sechs Unternehmen mit Sanddornanbau zusammen 1820 Dezitonnen der Vitaminbomben geerntet. Damit machten die Beeren aus MV gut ein Achtel der gesamten kommerziellen Strauchbeerenernte in Deutschland aus. Bundesweit belief sich die Sanddornernte auf 7294 Dezitonnen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2008 waren in ganz Deutschland gerade einmal 1768 Dezitonnen Sanddorn geerntet worden.

Power-Beere aus Nepal

10 mal so viel Vitamin C wie so manche Zitrusfrucht: Sanddorn ist eine echte Powerfrucht. Mehr noch: Der kratzbürstige Strauch zählt zu den wichtigsten an der Ostsee heimischen Energielieferanten. In seinen erbsengroßen, orangen Beeren stecken auch große Mengen Provitamin A und Vitamin E sowie Carotinoide, Flavonoide, Mineralien und Spurenelemente.

Wer sich vegetarisch ernährt, ist mit Sanddorn gut bedient, denn der hat einen hohen Gehalt am lebensnotwendigen Vitamin B12, das sonst überwiegend nur in Fleisch vorkommt.

Ursprünglich ist Sanddorn übrigens in Nepal zu Hause.

Antje Bernstein

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