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MV aktuell „Santa Maria“ für die SPD, Bürgergespräch mit links
Nachrichten MV aktuell „Santa Maria“ für die SPD, Bürgergespräch mit links
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00:05 03.09.2016

Die SPD schunkelt um jede Stimme: Arm in Arm mit Schlagersänger Roland Kaiser (64) steht Erwin Sellering (66) auf der Bühne und winkt. Wahlkampfabschluss vor dem Tag der Wahrheit am Sonntag. Der Platz am Warnemünder Teepott ist voll, vor allem mit Genossen. Arme fliegen durch die Luft. „Santa Maria“, haucht Kaiser in den Abendhimmel, singt „Über sieben Brücken“ der Ostband Karat, grüßt „meine Freunde von der SPD“. Seit Jahren ist er Parteimitglied, machte kürzlich mit derber Kritik an Pegida-Anhängern Schlagzeilen.

Sellering nutzt den Promi-Zulauf und punktet. Er lobt die Lebensleistung der Ostdeutschen, fordert Rentenangleichung, verspricht faire Löhne und höhere Kita-Zuschüsse. Das vor allem ältere Publikum nickt. Zuvor hat SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel Dampf gegen die AfD gemacht. Die „sogenannte Alternative“, eine „Rechtsabspaltung der FDP“, schüre nur Ängste bei den Menschen. Erwin Sellering dagegen sei das „Bollwerk gegen den braunen Sumpf“. Mit Flüchtlingen, die in ihrer Heimat von Krieg und Tod bedroht sind, dürfe kein Wahlkampf gemacht werden. Spricht’s und tut’s selbst: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe zwar den berühmten Satz „Wir schaffen das“ geprägt, aber kaum dazu beigetragen, dass die Flüchtlingskrise auch bewältigt werde. Lacher im Publikum, als Gabriel seinen Stinkefinger rechtfertigt, den er kürzlich Neonazis entgegenhielt. Der SPD-Chef legt nach: „Ich hätte beide Hände nehmen sollen.“

Zwischendurch maritime Klänge des Shanty-Chores „Luv un’ Lee“. „Volldampf voraus, Volldampf voraus“, trällert Ehrenmitglied Sellering mit. Jubel, als Anti-Nazi-Storch Heinar und die Band frei nach Helene Fischer singen: „Nazifrei durch die Nacht.“

Gregor Gysi hat es schwerer: Der Linken-Altstar redet beim Treffen mit Bürgerinitiativen in einem Rostocker Hotel gegen laute Bohrgeräusche an. Thema der Runde: Viele Menschen fühlten sich von Politik und Verwaltung überhört; „verarscht“, nennt es Detlef Krause, der in Rostock eine alte Schleuse an der Warnow retten will. Gysi erfährt, wie Rostocker um Alleebäume kämpfen oder den dörflichen Charakter ihres Stadtteils gegen gigantische Baupläne erhalten wollen. „Hier wird über die Köpfe hinweg entschieden“, sagt Patricia Fleischer, die gegen Mega-Hochhäuser in Rostocks Südstadt kämpft. Gysi lauscht, gähnt kurz, dann analysiert er blitzschnell jedes einzelne Problem. Tenor: „Man will Sie nerven – damit Sie aufhören“, sagt er. Dann schlüpft er in seine Rolle als Anwalt: Wer etwas erreichen wolle, müsse die Motive seines Gegenübers herausfinden. Nicht bloß das aufnehmen, was dieser sagt. Nötigenfalls könnten auch Bürgerinitiativen einen Anwalt einschalten, um ihre Interessen durchzusetzen. Die Augen der Zuhörer kleben dem früheren Linken-Fraktionschef im Bundestag an den Lippen. Im Wahlkampf ist er für die Partei ein Glücksfall, eilt von Termin zu Termin.

„Das Schlimmste kommt noch“, sagt Gysi witzelnd. „Bauer Korl oder so.“

Den Promi-Bonus im Wahl- kampf-Endspurt nutzen auch andere Parteien. Am Donnerstag lockte die AfD mit Partei-Vize Alexander Gauland in Schwerin, morgen soll Kanzlerin Angela Merkel für die CDU in Bad Doberan punkten. Die Grünen setzten gestern Abend in Rostock auf einen Plausch mit Parteichef Cem Özdemir.

Frank Pubantz

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