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„Scheitern gehört zum Unternehmertum“

„Scheitern gehört zum Unternehmertum“

Finanzexperte und Hansa-Investor Rolf Elgeti (39) rät Existenzgründern am Anfang zu Bescheidenheit

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Unternehmer Rolf Elgeti (39)

Quelle: Dietmar Lilienthal

Rostock Er war Banker, Vorstandschef eines großen Immobilienkonzerns und Firmengründer: Hansa-Investor Rolf Elgeti (39). Die OZ fragte, was der gebürtige Rostocker, der in Potsdam lebt, Existenzgründern rät.

OZ-Bild

Finanzexperte und Hansa-Investor Rolf Elgeti (39) rät Existenzgründern am Anfang zu Bescheidenheit

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Wie wird man ein erfolgreicher Unternehmer?

Rolf Elgeti: Man muss es wirklich wollen und auch bereit sein, hart zu arbeiten. Das braucht Energie und ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit. Grundvoraussetzung aber ist, dass man gegen den Strom schwimmen kann.

Also alles nur Charaktersache?

Elgeti: Natürlich geht es nicht ohne eine vernünftige Geschäftsidee, die sich rechnet. Und man braucht auch unbedingt ein gutes Anfangsteam. Eine Firma, die mit drei Leuten anfängt, kann sich keinen Fehlgriff leisten. Später bei hundert Leuten lässt sich das vielleicht kompensieren, aber nicht in der Anfangsphase.

Sie waren nicht immer Unternehmer, sondern begannen Ihre Karriere als Angestellter. Warum das?

Elgeti: Mir fehlte das Kapital, um mich selbstständig zu machen. Aber ich hätte mich ohne Berufserfahrung auch nicht getraut. In meinen angestellten Jahren habe ich viel gelernt. Wer gleich nach der Ausbildung ein Start-up schafft – Hut ab und Glückwunsch!

Sie haben bei mehreren Großbanken in London gearbeitet. Würden Sie Berufsanfängern empfehlen, ins Ausland zu gehen?

Elgeti: Unbedingt, ich würde das jedem Menschen raten. Denn es ist unheimlich bereichernd. Für Unternehmer ist es hilfreich zu erleben, dass im Ausland vieles anders funktioniert als bei uns.

Auch von den Umgangsformen in ausländischen Firmen kann man viel lernen.

Inwiefern?

Elgeti: In Deutschland arbeiten Konzerne sehr hierarchisch, mit vielen Entscheidungsebenen. In England dagegen ist es völlig egal, wie alt jemand ist, wo er herkommt oder welche Hautfarbe er hat. Er muss etwas leisten, sonst fliegt er raus. Klassische Strukturen sind für junge Firmen tödlich. Start-ups funktionieren über Teamgeist. Sie sind darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter mitdenken und Ideen einbringen.

Und wie wird man als Existenzgründer Millionär?

Elgeti: Indem man hart arbeitet und wenig Geld ausgibt.

So einfach ist das? Hat es bei Ihnen so geklappt?

Elgeti: Ja, bei mir war es so. Aber eins ist noch wichtig. Wenn man dann schon ein bisschen Geld hat, sollte man die Ersparnisse gut anlegen oder zumindestens nicht so schlecht, dass es wieder weniger wird. Viele Menschen verwenden beim Kauf eines Fernsehers viel Zeit darauf, dass sie vielleicht 100 Euro sparen. Aber sie beschäftigen sich nur wenig mit Geldanlage und Altersvorsorge. Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen salopp, aber es ist leider wirklich so.

Firmen können scheitern, auch einigen Gewinnern des OZ-Existenzgründerpreises ist das passiert. Wie bewerten Sie das Thema Insolvenz?

Elgeti: Deutschland ist ein eigenartiges Land. Wenn hier Unternehmen scheitern, gilt das fast schon als kriminell. Aber Scheitern gehört zum Unternehmertum dazu.

Das ist also nicht tragisch?

Elgeti: Die Wahrscheinlichkeit, dass man scheitert, ist bei Startups sogar größer als die Wahrscheinlichkeit, dass man es schafft. Wichtig ist, danach wieder aufzustehen. Ein guter Unternehmer findet einen neuen Anfang.

Was sind die häufigsten Ursachen für Firmenpleiten?

Elgeti: Es gibt zwei Gründe: Entweder hatte der Gründer eine tolle Produktidee, aber ihm fehlte die kaufmännische Kompetenz. Oder Kaufleute dachten, sie können das, hatten aber gar keine tragfähige Idee. Außerdem sollte man in der Anfangsphase eher bescheiden auftreten. Wer mit Designermöbeln und großen Leasingwagen anfängt, ist möglicherweise auf dem falschen Weg.

Sie haben viele Unternehmen gegründet, sind Sie schon gescheitert?

Elgeti: Gescheitert nicht, aber es gab ziemlich brenzlige Situationen. Ich habe auch Fehler gemacht, zum Glück in einem frühen Stadium, so dass sie noch korrigiert werden konnten.

Vor zwei Jahren gründeten Sie die Investmentgesellschaft Obotritia Capital. Was reizte Sie daran? War Vorstandschef eines der größten deutschen Immobilienkonzerne kein schöner Job?

Elgeti: Als ich 2009 bei der TAG Immobilien den Vorstandsvorsitz übernahm, steckte das Unternehmen in der Krise. Als ich 2014 ging, zählte es zu den solidesten Immobilien-AGs in Deutschland.

Die Mission war erfüllt.

Die Obotritia Capital finanziert Unternehmen, auch junge?

Elgeti: Ja, die Obotritia gründet selbst neue Firmen und finanziert Start-ups. Wir haben 13 Unternehmensbeteiligungen in Startups, vorwiegend im Finanz- und Immobiliensektor. Ich finde es wichtig, jungen Unternehmen finanziell unter die Arme zu greifen.

Ist es schwierig, das dafür nötige Kapital aufzutreiben?

Elgeti: Auf jeden Fall ist es möglich. Es gibt immer jemanden mit Geld, der jemanden sucht, bei dem sein Geld arbeiten kann. Gerade im jetzigen Null-Zins-Umfeld.

OZ-Preis würdigt junge Unternehmen

Für den Sieger des OZ-Gründerprei- ses gibt es 5000 Euro, je 1500 Euro für die Sonderpreise. Zur Teilnahme be- rechtigt sind Firmen mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern, die vor dem 1. Juni 2015 gegründet wurden und nicht älter als fünf Jahre sind.

Fragebogen ausfüllen und ab an: OZ, Wirtschaft, R.-Wagner-Str. 1a, 18055 Rostock. Der Fragebogen kann unter www.ostsee-zeitung.de heruntergela- den oder online ausgefüllt werden. Auf Anfrage (0381 / 365381 bzw. existenz- gruenderpreis@ostsee-zeitung.de) wird er zugesandt. Einsendeschluss ist der 17. September 2016.

• Mehr zum Thema:

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existenzgruenderpreis

Senkrechtstarter aus Broderstorf

Der gebürtige Rostocker Rolf Elgeti (39) hat eine bemerkenswerte Karriere hinter sich. Aufgewachsen in Broderstorf fing er nach dem Schulbesuch in Rostock und dem Studium in Mannheim und Paris schon mit Anfang 20 bei der Schweizer Großbank UBS in London an, ging später zur Commerzbank und der niederländischen ABN Amro. Nach dem Wechsel aus der Finanz- in die Immobilienbranche stand er von 2009 bis 2014 an der Spitze der TAG Immobilien AG in Hamburg.

Der Unternehmer , der in Potsdam lebt, besitzt mehrere Firmen, darunter die Investmentgesellschaft Obotritia Capital und die auf Einkaufszentren spezialisierte Immobiliengesellschaft Deutsche Konsum Reit-AG, die auch in Mecklenburg-Vorpommern aktiv ist. Erst kürzlich kaufte sie Greifswalds größtes City-Einkaufszentrum, die Dompassage. Als „Hansa-Investor“

rettete er im vorigen Jahr den Fußball-Drittligisten aus Rostock vor der Insolvenz.

Interview von Elke Ehlers

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