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Schicksalstage für die Ostseefischer

Rostock/Luxemburg Schicksalstage für die Ostseefischer

In Luxemburg könnte sich heute oder morgen das Schicksal vieler Ostseefischer entscheiden. Die Fischereiminister der EU-Staaten wollen sich auf die Fangquoten für 2017 in der Ostsee einigen.

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Rostock/Luxemburg. In Luxemburg könnte sich heute oder morgen das Schicksal vieler Ostseefischer entscheiden. Die Fischereiminister der EU-Staaten wollen sich auf die Fangquoten für 2017 in der Ostsee einigen. Umstritten ist vor allem der Dorsch (Foto), denn angesichts des schrumpfenden Bestands in der westlichen Ostsee droht den Fischern eine Absenkung der Quoten um 88 Prozent.

Nach Angaben des Rostocker Thünen-Instituts für Ostseefischerei würde das dazu führen, dass rund jeder zweite Berufsfischer seinen Beruf aufgeben wird. Statt bislang 12 700 Tonnen dürften demnach im kommenden Jahr nur 1588 Tonnen Dorsch in der westlichen Ostsee gefangen werden, davon nicht einmal 400 Tonnen von deutschen Fischern. Vor allem für die schleswig-holsteinische Fischerei würde die Absenkung der Quote ein Riesenproblem. Mehr als die auf den Hering konzentrierten Fischer in Mecklenburg-Vorpommern erwirtschaften sie ihre Erlöse aus dem Dorsch.

Dennoch halten die Fischereibiologen eine Reduzierung der Fangmengen für unausweichlich. „Seit 20 Jahren wird der Dorsch in der westlichen Ostsee überfischt“, sagte der Direktor des Instituts, Christopher Zimmermann. Im Jahr 2015 sei die Nachwuchsproduktion dramatisch eingebrochen. „Die Reproduktionsrate lag 2015 bei zehn Prozent des zehnjährigen Mittels.“ Damit steige das Risiko, dass der Bestand ganz zusammenbreche.

MV-Agrarminister Till Backhaus (SPD) weiß, dass eine solche Reduzierung der Dorschquote der Todesstoß für viele Fischer werden könnte. 2016 lag die Dorschquote in MV bei 821 Tonnen. Diese sei bereits das Ergebnis einer massiven Kürzung gewesen, sagte Backhaus. Der ICES-Empfehlung zufolge dürften nur noch 98 Tonnen Dorsch gefangen werden. Da auch die Heringsquote seit 2008 gesunken sei, seien weitere Betriebsaufgaben zu erwarten, sagte Backhaus. Nach Ministeriumsangaben ist die Zahl der Berufsfischer seit 1990 von 1380 auf 250 Betriebe zurückgegangen. Er plädiert angesichts der Existenznöte der Fischer für eine „wirtschaftlich und sozial tragfähige Reduzierung der Dorschquote.“

Martina Rathke

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