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MV aktuell Schlafen „mitten im Wow“: Eine Rostockerin und ihre Geschäftsidee
Nachrichten MV aktuell Schlafen „mitten im Wow“: Eine Rostockerin und ihre Geschäftsidee
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17:48 04.09.2018
Bett mit Traumkulisse: Das Kreuzfahrtterminal am Norwegenkai von Kiel ist einer von vielen exklusiven Plätzen, an denen der „Sleep Cube“ schon stand. Quelle: Sleeperoo
Rostock

Die Managerin, die ihren Job hinschmeißt, um in einem Bett das große Glück zu finden: So könnte man die vergangenen drei Jahre im Leben von Karen Löhnert betiteln. Mit ihrem Schlafwürfel Sleeperoo beschert die Rostckerin Menschen unvergessliche Nächte an extravaganten Orten und hat sich damit selbst einen Traum erfüllt. Dafür setzte sie viel aufs Spiel.

Die Managerin Karen Löhnert aus Rostock schmeißt ihren Job hin und gründet ein Startup für unvergessliche Nächte. Ob auf der Burg, im Museum oder am Strand: Für abenteuerlustige Träumer schlägt Sleeperoo ein Bett an Orten auf, an denen sonst niemand schläft.

Mit Mitte 50, in einem Alter, in dem viele die Jahre zählen, die sie noch von der Rente trennen, wagt Karen Löhnert den beruflichen Neustart. Dabei hat sie zu diesem Zeitpunkt eine Position inne, um die sie viele beneiden: Karen Löhnert ist Geschäftsführerin des Jugendherbergswerkes Mecklenburg-Vorpommern, verdient gut, hat mehr als 200 Mitarbeiter unter sich. „Der Job war toll“, sagt sie. Doch glücklich ist sie nicht. Es fühlt sich an, als würde sie auf der Stelle treten. Dabei will sie sich weiterentwickeln. Irgendwann ist die Unzufriedenheit so groß, dass sich Karen Löhnert allen Zweifeln zum Trotz traut: 2015 kündigt sie, von heut’ auf morgen, ohne zu wissen, was danach kommt. „Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser.“ Zunächst fühlt sie sich ausgebrannt, spürt, wie viel Kraft ihr die vergangenen Jahre abverlangt haben. Die Auszeit heilt – und inspiriert. „Ich hab’ in mich hineingehört und fand mein Herzensprojekt.“

Hier wird Schlafen zum Erlebnis

2016 gründet Karen Löhnert Sleeperoo, macht daraus im Jahr darauf eine GmbH. „Ich bin Fan von Erlebnisübernachtungen“, sagt sie. Jetzt schlägt sie das Bett für andere Träumer auf – und zwar dort, wo sonst niemand übernachtet: auf der Selliner Seebrücke, im Hof von Wismars Marienkirche, in einem Schwimmbad auf Fehmarn, auf einem Energiebunker im Herzen Hamburgs, unter den Apfelbäumen einer Plantage im Alten Land. „Mittendrin im Wow“, sagt Karen Löhnert.

Die Nacht verbringen Sleeperoo-Kunden in einem zwölf Kubikmeter großen wetterfesten Würfel mit Panoramafenstern. Im futuristischen „Sleep Cube“ bietet eine Sojaölkernmatratze Platz für zwei. 90 bis 250 Euro – je nachdem, wann und wo die Schlafbox aufgestellt wird – kostet eine Übernachtung. Gebucht wird online über die Sleeperoo-Homepage.

Auszeit vom Alltag - mitten in der Heimat

Auf überflüssigen Schnickschnack habe sie bewusst verzichtet, sagt Karen Löhnert. „Nichts lenkt ab vom Staunen, vom puren Erlebnis.“ Gleichzeitig legt sie Wert auf Nachhaltigkeit. Nicht nur bei den Materialien, auch im übertragenen Sinne. Karen Löhnert will Gästen „eine kleine Auszeit vom Alltag“ bieten, ohne dass die dafür um die halbe Welt jetten müssen. Stattdessen könnten sie mit Sleeperoo Orte ihre Heimat neu entdecken, so Karen Löhnert.

Bevor es eine Location ins Portfolio schafft, probiert Karen Löhnert sie als Testschläferin aus. Mit Erfolg: Bei ihren Kunden seien die Schlafplätze bisher super angekommen. „Die Leute wollen sich nichts mehr kaufen, um es sich in den Schrank zu stellen. Sie wollen emotional berührt werden und etwas erleben, das im Herzen und im Kopf bleibt. Wir haben mit Sleeperoo diesen Nerv getroffen“, ist sie überzeugt.

Angst vorm Scheitern sorgt für schlaflose Nächte

Leicht war der Weg bis hierher nicht: Gerade in der Anfangsphase bedeutet Sleeperoo Stress. „Bin ich auf dem richtigen Weg?“ „Was, wenn ich scheitere?“ Ängste, die jeder Existenzgründer kennt, beschäftigen auch Karen Löhnert. In mancher Nacht raubt ihr der Traum vom Schlafwürfel den Schlaf. Doch davon lässt sie sich nicht beirren. Genauso wenig wie von Hürden, die ihr unerwartet im Weg stehen. Trotz allem die Zuversicht behalten – das gelingt ihr auch, weil ihr Partner an ihrer Seite steht. Der ist freischaffender Drehbuchautor, weiß, welche Sorgen Selbstständige plagen. „Und wie es ist, wenn man für etwas brennt“, sagt Karen Löhnert. Auch ihre beiden Kinder hätten sie stets bestärkt.

Den Firmensitz ihres Start-ups hat Karen Löhnert mittlerweile von Schwerin nach Hamburg, ihre alte Heimatstadt, verlegt. Weil sie dort die Infrastruktur findet, um ein „bundesweites Geschäft“ aufzuziehen, wie sie betont. In MV ist Löhnert nach wie vor oft unterwegs. Auf der Suche nach „Traumverwirklichern“. So nennt sie jene Leute, die als Sleeperoo-Gastgeber am Übernachtungsort den Schläfer-Check-in übernehmen, für saubere Bettwäsche sorgen, Waschmöglichkeiten bieten.

Träume verwirklichen lohnt sich

Aktuell sind bundesweit sieben Sleeperoo-Betten im Einsatz, acht weitere werden produziert. Für die sucht Karen Löhnert Plätze. Und hat einen Heidenspaß dabei. „Ich darf ganz tolle Orte entdecken. Das ist wahnsinnig belebend.“ Und motiviert zu neuen Taten. „Wir werden mit Sleeperoo über die deutsche Grenze springen. Es gibt bereits entsprechende Anfragen.“ Sie wolle nichts überstürzen. „Aber die Vision muss schon groß sein, wenn man ein Start-up führt.“ Und wie lautet ihre? „Sleeperoo soll der Inbegriff für Erlebnisnächte werden. Wie Tempo für Taschentücher.“

Dass sie ihr Leben komplett über den Haufen geworfen und ihm eine neue Richtung gegeben hat, habe sie nicht bereut, sagt Karen Löhnert. Es ist eben nie zu spät, sich seine Träume zu erfüllen.

Antje Bernstein

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