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MV aktuell Schlaflos in Langsdorf: Tempo 30 sorgt für Lärm
Nachrichten MV aktuell Schlaflos in Langsdorf: Tempo 30 sorgt für Lärm
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00:05 30.11.2017
Leere Lkw und Pkw erzeugen ein nerviges „Bubub“ beim Überfahren der „30“. Täglich rollen 20 000 Fahrzeuge durch Langsdorf. Quelle: Foto: Frank Hormann

Sie sind gerade einmal zwei bis drei Millimeter dick und doch verursachen sie so einen Lärm, dass Anwohner nachts aus dem Schlaf gerissen werden.

Nach Kritik von Anwohnern wird Verkehrszeichen auf der A-20-Umleitung abgefräst / Stationärer Blitzer geplant

Familie Sommerfeld wohnt direkt an einer von insgesamt drei 30er-Markierungen in der Hauptstraße in Langsdorf (Landkreis Vorpommern-Rügen). Seit gut einem Monat wird der gesamte A-20-Verkehr durch Langsdorf gelenkt – in beide Richtungen. Um Geschwindigkeiten und Lärm zu senken, wurden erst Schilder aufgestellt (und es wurde etwas ruhiger), dann aber zusätzlich Fahrbahnmarkierungen aufgebracht.

Der Familie ist „schleierhaft“, was das soll. „Was hier nett gedacht war, ist für die Anwohner eine Qual“, kritisiert Familie Sommerfeld in einem Schreiben an die OZ. „In der Nacht werden wir in regelmäßigen Abständen durch lautes Scheppern geweckt, wenn leere Lkw oder Pkw mit Anhängern über die Straßenbemalung donnern.“

Neben der großen weißen 30 befindet sich zudem eine Bedarfsampel für Fußgänger. Die Linien des Überwegs wurden ebenfalls mit Heißplastik auf die Straße aufgebracht. „Die Markierungen an dem Übergang wurden bereits abgefräst, die 30 hingegen ist noch um einiges lauter“, sagt Marc Denulat vom Bau- und Ordnungsamt Recknitz-Trebeltal.

Zuerst wurde noch darüber beraten, die 30er-Markierung nur leicht abzufräsen und mit Farbe aufzufüllen. Michael Hellwig von der Deutschen Studiengesellschaft für Straßenmarkierungen hält dies für wenig sinnvoll. „Bei so viel Radüberrollung reicht ein dünnschichtiges System nicht aus“, sagt der Sachverständige. Man müsste es ständig erneuern, wodurch der Verkehr wieder ins Stocken gerät. Zudem sind in diesen Markierungsmaterialien wichtige Zusätze wie Reflexperlen enthalten. So sind diese Zeichen auch bei Nässe, Dunkelheit und Nebel gut zu erkennen. „Daher braucht man schon eine gewisse Stärke“, sagt Hellwig.

Ronald Normann vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr bestätigt der OZ, dass die 30 dennoch in einigen Tagen abgefräst werden soll – und zwar komplett. „Wir wollen der Familie da entgegenkommen und sie nicht so doll stören, dass sie nicht schlafen kann“, sagt er und ergänzt: „Man kann nicht immer alles sofort machen, aber spätestens nächste Woche soll es losgehen“.

Wolfgang Knieling wohnt seit zwei Jahren in der Hauptstraße. Er glaubt nicht daran, dass Schilder und Zeichen helfen. „Wo bleiben die Blitzer?“, fragt er sichtlich genervt, „hier im Dorf werden sogar Kolonnen überholt“. Vor allem nachts sei es schlimm: „Tempo 80 ist da gar nichts“, sagt er.

Langsdorfs Bürgermeister Hartmut Kolschewski weiß um die Sorgen der Bürger. Bald soll es daher einen stationären Blitzer geben. „Der Elektriker legt diese Woche die Kabel, nächste Woche wird das Fundament gemacht“, sagt Kolschewski. Diese außerordentliche Anschaffung des Landes war im Haushalt nicht geplant. Zum Wohl und auf dringlichen Wunsch der Bürger hat man sich aber dafür entschieden.

„Wir haben Messungen durchgeführt und dabei festgestellt, dass sich ein Großteil nicht an das Tempolimit hält“, sagt Ronald Normann. Konkret sind dies über 90 Prozent der Autofahrer. Aber auch Kolschewski weiß, dass die Menschen hinterm Blitzer oft wieder aufs Gas drücken. Daher werden auch immer wieder mobile Blitzer eingesetzt. Zudem sind Polizei oder Ordnungsamt jeden Tag vor Ort und kontrollieren akribisch die Einhaltung der Verkehrsregeln. Derweil wird noch immer die Errichtung einer Behelfsbrücke geprüft. Zurzeit untersuchen Experten den Damm. Im Januar will sich das Straßenbauamt dazu erklären.

Dana Frohbös

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