Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
MV aktuell Schlaflos in Mirow: 200 Laster pro Nacht
Nachrichten MV aktuell Schlaflos in Mirow: 200 Laster pro Nacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
03:49 12.09.2013
Schwere Lkw in Ortschaften wie hier in Mirow belasten die Straßen und die Nerven der Anwohner. Quelle: dpa
Rostock

Leben wie an einer vielbefahrenen Autobahn: Nacht für Nacht quälen sich etwa 200 Lastwagen durch die engen Straßen des Städtchens Mirow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). Die Einwohner sind genervt — von Lärm, Abgasen und Rissen in ihren Häusern. Sie wohnen an der Bundesstraße 198, über die — trotz der fast parallel verlaufenden Autobahn 20 — Laster ausweichen und so die Autobahnmaut sparen. „Mautflüchtlinge“ nutzen auch die Bundesstraßen 194, 104 und 105. Letztere verläuft in Rostock auf der Straße „Am Strande“ — Messungen zufolge die lauteste innerstädtische Straße in ganz Mecklenburg-Vorpommern.

Die Grünen haben den „Mautflüchtlingen“ den Kampf angesagt. Spitzenkandidat Jürgen Trittin fordert, die Maut auf Lkw unter zwölf Tonnen und Fernbusse sowie auf alle Bundesstraßen auszudehnen (die OZ berichtete). Der ADAC dagegen lehnt die generelle Ausweitung der Maut für Lastwagen ab. Auch für Volker Schlotmann (SPD), Verkehrsminister von MV, steht dies nicht zur Debatte. Denn es gebe keinen belegbaren Schwerlastverkehr, der wegen der Maut die Autobahnen in MV meidet, teilt Schlotmann mit. Ein Gutachten der Ingenieurgruppe für Verkehrswesen und Verfahrensentwicklung habe sogar ergeben, dass auf der B 104 und der B 198 seit Einführung der Lkw-Maut 2005 der Schwerverkehrsanteil weniger stark angestiegen sei als im norddeutschen Durchschnitt.

Das sehen die vom Lkw-Verkehr betroffenen Einwohner von Mirow, Neustrelitz oder aus Orten im Landkreis Vorpommern-Greifswald ganz anders. Sie fordern seit Jahren eine Entlastung. „Wir wollen mindestens ein Nachtfahrverbot für Lastwagen sowie ein Lärmschutzprogramm“, sagt Lothar Meistring (Linke), Löcknitzer Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Löcknitz-Penkun. Am besten sei es, den Grenzübergang Linken an der A 11 für den Schwerlasttransport zu sperren. Dann sei es für die Lkw-Fahrer unattraktiv, auf die B 104 auszuweichen.

Die Linke im Schweriner Landtag will die „bemauteten Strecken“ nur ausweiten, wenn es zur Entlastung der Bürger beim Lärmschutz führt. „Wer klimaschädlichen Verkehr vermeiden und zugleich die Hauptverursacher der Straßenschäden zur Verantwortung ziehen will, der sollte die Lkw-Maut erhöhen und die Tonnagegrenze auf 7,5 Tonnen senken“, fordert Mignon Schwenke, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion.

Beim Automobilclub ADAC werden immer wieder „Mautflüchtlinge“ gemeldet. „Vor allem bezüglich der B 5, die besonders von osteuropäischen Speditionen als Ausweichstrecke für die A 24 genutzt wird“, berichtet Christian Hieff, Sprecher des ADAC Hansa. Eine Ausweitung der Lkw-Maut auf alle Bundesstraßen bringe jedoch keine Entlastung für die Bürger. Im Gegenteil: Dann könnten die Verkehrsbelastungen in den Orten steigen. Für die Bundesstraßen-Maut spreche, dass der Lkw-Verkehr für immense Straßenschäden verantwortlich sei: Ein 40-Tonnen-Laster verursache so viel Schaden wie etwa 100 000 Pkw. Dagegen spreche, dass Maut-Gebühren auf untergeordneten Straßen wirtschaftlich nicht sinnvoll seien.

SPD und Bündnisgrüne planen im Falle eines Sieges bei der Bundestagswahl, die Maut ab 2015 auf allen Bundesstraßen zu erheben und 2019 auf Landes- und Kreisstraßen auszuweiten. Diese Pläne lehnt Dietmar Eifler, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Schweriner Landtag, als mittelstandsfeindlich ab. Damit werde eine zweite Ökosteuer auf den Weg gebracht, die die Preise für die Verbraucher nach oben treibe.

Mit einer Lkw-Maut auf allen Straßen hätten vor allem die Speditionen zu kämpfen. Dabei rechne sich für viele Speditionen eine „Mautflucht“ heute nicht, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Bei einer Fahrt über eine Bundesstraße mit 60 Kilometern pro Stunde (ohne Mautgebühr) ergeben sich dieselben Transportkosten wie bei einer Fahrt über die Autobahn mit 80 Kilometer pro Stunde (mit Mautgebühr). Die eingesparte Maut werde durch den größeren Zeitbedarf für die Fahrt über die Bundesstraße aufgefressen.

Bernhard Schmidtbauer

Uwe Gutzmann, Sprecher der Volks- und Raiffeisenbanken MV, über das Wagnis Selbstständigkeit, häufige Fehler und ob man sich vom ersten Gewinn gleich einen Porsche kaufen sollte.

12.09.2013

Vor dem Rostocker Landgericht muss sich seit gestern ein 19-Jähriger wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Er soll am 21. März 2012 und am 5.

12.09.2013

Piraten müssen hart bestraft werden. Darüber sind sich die Gerichte einig, spätestens seit den Zeiten von Störtebeker und Konsorten.

12.09.2013
Anzeige