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Schlagkräftiger Kandidat will Loitz zur Hauptstadt machen

Greifswald Schlagkräftiger Kandidat will Loitz zur Hauptstadt machen

Roland Gorsleben tritt für die Polit-Satiriker „Die Partei“ an, um Ministerpräsident zu werden — mindestens!

Greifswald. Zarnekla. Zarnewas? Zarnekla. Das Dorf liegt von Greifswald aus gesehen ganz weit weg, also hinter Loitz. Roland Gorsleben wohnt dort. Ein frisches Gesicht im Politikbetrieb. Für die Partei „Die Partei“ will er bei der nächsten Landtagswahl im September den Ministerpräsidenten-Posten holen — mindestens! Sollte das wider Erwarten nicht klappen, tut‘s auch der Bürgermeister-Sessel in Loitz bei der nächsten Kommunalwahl. „Keine Ahnung, wann die ist. Äh, war die nicht neulich erst?“

 

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Roland Gorsleben will für „Die Partei“ in den Landtag und darüber hinaus.

Quelle: Kai Lachmann

Ursula, woher kommt mein Anzug? Was? Aus dem Umsonstladen? Aber das kann ich der Lügenpresse doch nicht verraten. . .“

Roland Gorsleben spricht mit seiner

Praktikantin

Wer bei ihm eine Audienz bekommt, dem demonstriert er umgehend seine politische Schlagfertigkeit. In einem Hinterhofzimmer tritt er zum ersten mecklenburgeristisch-vorpommeranischen TV-Duell an. Wie könnte es auch anders sein: Er duelliert sich tatsächlich mit einem Fernseher. Zuerst sieht es sogar so aus, als könnte der Flimmerkasten gewinnen, denn Gorsleben kippt stark ermüdet vom Stuhl. Doch dann holt er einen Vorschlaghammer und macht der Kiste mit einem wuchtigen Treffer den Garaus. Von seiner Praktikantin, die er wahlweise Roswitha, Uschi, Petra, Schantalle, Dieter oder Horst nennt, lässt er sich beglückwünschen und mit einer Siegerlichterkette behängen.

Ist das Politik? Na sicher! Die Satirepartei „Die Partei“ dürfte dem einen oder anderen im Land noch dank Björn Wieland in Erinnerung sein. Der Student schickte sich im vergangenen Jahr an, Greifswalds neuer Oberbürgermeister zu werden. Im ersten Wahlgang holte er über 1000 Stimmen und damit beachtliche 6,1 Prozent. So war es auch eine Fahrt durch die Hansestadt, die Gorsleben dazu brachte, sein Leben künftig der Politik zu widmen. „In der Stadt hingen zur Europawahl viele Plakate mit austauschbaren und inhaltsleeren Sprüchen an den Laternen. Dazwischen war eins von ,Die Partei‘, auf dem stand: ,Guck‘ auf die Straße‘.“ Da sei es um ihn geschehen gewesen.

Seither geht die Karriere des Mannes, der laut eigener Schätzung irgendwas zwischen sieben und 77 Jahren alt ist, steil bergauf. Im „Partei“-Ortsverband ist er nun Grövazipl — also Größter Vorsitzender aller Zeiten in Peenetal/Loitz. Im Wahlkreis Demmin I, der die Ämter Demmin-Land, Jarmen-Tutow und Peenetal/Loitz umfasst, wird sein Name auf dem Zettel stehen. Und welcher Beruf steht darunter? „Mönch, Hausmann oder Unsterblichkeitsprüfer. Ich will nämlich ewig leben. Bisher klappt das ganz gut.“

Seine „Partei“ will Inhalte überwinden. Dennoch sprudeln aus dem Visionär zahlreiche politische Ideen heraus, etwa der achtspurige Ausbau der A 20, eine Verlängerung der Peene, der Wiederaufbau des Loitzer Schlosses. Sowieso Loitz: „Ich werde mich dafür einsetzen, dass Loitz endlich Hauptstadtrechte bekommt.“

Und dann wird Gorsleben doch noch ernst: Man wolle Sand im Getriebe sein, nicht Öl. Und Politiker sollten daran arbeiten, sich abzuschaffen. Dann könnten die Menschen selbst frei über sich bestimmen.

Auch dafür wolle er eintreten. Aber ohne Vorschlaghammer.

Von Kai Lachmann

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