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Schlechte Noten für Kitas: Zu viele Kinder, zu wenige Erzieher

Schwerin Schlechte Noten für Kitas: Zu viele Kinder, zu wenige Erzieher

Kitas gut besucht / Das ist kein Garant für gute Bildung / Hesse widerspricht

Schwerin. . Schlechte Noten für Mecklenburg-Vorpommerns Kindergärten. Nirgendwo bundesweit muss eine Fachkraft so viele Drei- bis Sechsjährige betreuen wie im Nordosten. Das ist das Ergebnis der Studie „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung. Das gehe zu Lasten der Bildungsqualität, heißt es in dem Bericht, der gestern veröffentlicht wurde. Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) widersprach der Aussage. Die Kindertagesbetreuung in MV sei deutlich besser als in der Studie dargestellt, sagte sie. Auch würden die zusätzlichen Fachkräfte in den Brennpunkt-Vierteln nicht berücksichtigt, wofür das Land jährlich fünf Millionen Euro bereitstelle.

Der Studie zufolge war im März 2015 in MV eine Fachkraft für 14,1 Kinder zwischen drei und sechs Jahren zuständig. Spitzenreiter unter den Bundesländern ist demnach Baden-Württemberg mit 7,3 Kindern je Fachkraft. Generell müssten im Osten Deutschlands die Erzieherinnen mehr Kinder betreuen als im Westen, schreiben die Autoren der Studie. Im Nordosten habe es in den letzten Jahren zwar Verbesserungen gegeben, doch sie reichten nicht aus. 2012 kamen der Studie zufolge auf eine Erzieherin noch 14,7 Kindergartenkinder.

Nach den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollte sich eine Erzieherin um höchstens 7,5 Kindergartenkinder kümmern müssen. In der Krippe – dort werden die unter Dreijährigen betreut – lautet die Empfehlung drei Kinder je Erzieherin. In MV sind es sechs. „Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder“, sagte der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger. Zumal das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag noch ungünstiger ausfalle. Der Grund: Die Erzieherinnen wendeten mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung auf.

Sozialministerin Hesse zufolge ist die Zählweise für das Personal in den Kitas der Länder sehr unterschiedlich. „In MV gehen nur Fachkräfte in die Statistik ein“, erklärte sie. Das sei nicht in allen Bundesländern so, weshalb die Angaben nicht vergleichbar seien. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) rief die Länder auf, sich auf einheitliche Standards zu verständigen.

Die Erziehergewerkschaft GEW verlangte ein stärkeres Engagement der Landesregierung. Weniger Kinder in einer Gruppe ermöglichten es den Erziehern, individueller auf jedes Kind einzugehen, sagte GEW-Landeschefin Annett Lindner. „Davon profitieren alle.“

Um die Personalschlüssel in MV auf das empfohlene Niveau zu heben, sind der Studie zufolge zusätzlich 6600 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte in Kitas erforderlich. Dieses Personal würde laut Stiftung jährlich 305 Millionen Euro kosten. Das entspreche einer Verdoppelung der bisherigen Personalkosten.

Gut hingegen: Von 11300 pädagogischen Kräften in den Kitas von MV hätten 93 Prozent einen Fachschulabschluss, etwa zur Erzieherin, so die Stiftung. Das sei bundesweit der höchste Anteil. Jedoch häufen sich auch die Ausnahmegenehmigungen, weil es an ausgebildeten Erziehern mangelt. Bis Mitte Mai gingen im Landesjugendamt 82 Anträge für die Beschäftigung nicht ausreichend qualifizierten Personals ein. Für 2016 werde mit über 200 Anträgen gerechnet.

Grit Büttner

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