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Schliemann: Troja lag ganz woanders

Rostock/Eckernförde Schliemann: Troja lag ganz woanders

Urgroßneffe des berühmten Archäologen vermutet die historische Stadt an der türkischen Südküste

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Unsterblicher Mythos: Noch immer übt das antike Troja — wie hier das Amphitheater — eine große Faszination auf Besucher aus

Quelle: Oppitz/KNA-Bild

Rostock. Wo liegt Troja? Einst vom griechischen Dichter Homer besungen, ranken sich um diese Stätte seit Jahrtausenden zahlreiche Geheimnisse. Aber der Standort der bronzezeitlichen Stadt schien klar zu sein: unter einem Hügel namens Hisarlik im Nordwesten der heutigen Türkei. 1873 gab der aus Neubukow im damaligen Großherzogtum Mecklenburg stammende Archäologe Heinrich Schliemann (1822 bis 1890) bekannt, er habe hier Troja gefunden.

Ein Schliemann zieht diese Gewissheit jetzt in Zweifel: Ernst Schliemann (66), der Urgroßneffe des Troja-Entdeckers. Der ehemalige Marineoffizier, Nautiker und passionierte Segler aus Eckernförde (Schleswig-Holstein) ist davon überzeugt: Troja hat sich irgendwo an der türkischen Südküste befunden. Zu diesem Schluss kommt er, nachdem sich Ernst Schliemann lange mit dem Vermächtnis seines berühmten Vorfahren auseinandergesetzt hat. Wie dieser nahm er die „Ilias“, Homers Geschichte vom Trojanischen Krieg, beim Wort. Schliemann prüfte, ob die beschriebene Schiffsreise der Griechen nach Troja für Menschen der Bronzezeit überhaupt machbar war. Das Ergebnis: Entweder hatte sein Urgroßonkel unrecht und es muss neu nach Troja gesucht werden — oder Homers Angaben müssten korrigiert werden.

Im Februar hat Ernst Schliemann dazu den Archäologen der Texas A & M Universität in College Station eine Machbarkeitsstudie vorgestellt. Darin hat er vor allem eines untersucht: War die Fahrt nach Troja mit der Schiffstechnik der bis 1200 vor unserer Zeitrechnung andauernden Bronzezeit bei den vor den Dardanellen — einer Meerenge zwischen der Ägäis und dem Marmarameer im Mittelmeer — herrschenden Windverhältnissen überhaupt möglich? Ernst Schliemann schreibt: Die damaligen Schiffe hätten nicht gegen den Wind segeln können. „Die aus Süden kommende griechische Flotte wäre von jedem stärkeren Nordwind — die vorherrschende Windrichtung vor den Dardanellen — nach Süden abgetrieben worden.“ Sie hätte nicht, wie Heinrich Schliemann es annahm, an der türkischen Küste vor der Dardanellen-Meerenge ankommen können. Für den Schliemann-Nachfahren scheint aus nautischer Sicht eine andere Reise der Flotte möglich. Ihr Weg hätte allerdings angesichts der Wetter- und Strömungsbedingungen einer Ost- oder Westrichtung folgen müssen. So wäre das Erreichen der türkischen Südküste möglich gewesen. „Dort wurden schon Schiffe aus der Bronzezeit gefunden“, betont Ernst Schliemann. Troja könnte auch dort liegen, nimmt der Nautiker an.

Seine Ausführungen werden bei Althistorikern und Klassischen Archäologen auf erhebliche Skepsis stoßen, vermutet Prof. Wolfgang Bernard, Direktor des Heinrich- Schliemann-Instituts für Altertumswissenschaften an der Universität Rostock. Die Argumentation sei „insofern nicht überzeugend, als jeder Wissenschaftler, der sich mit der Antike beschäftigt, schon immer weiß, dass die damaligen Schiffe nicht gegen den Wind fahren konnten“. Kein seriöser Altertumsforscher nehme an, „dass das bei Homer Geschilderte im Detail historische Wahrheit ist“. Vielmehr sei es im Wesentlichen eine literarisch gestaltete Darstellung mit einem gewissen historischen Hintergrund.

Ernst Schliemann hofft jedoch, mit seiner Studie die Troja-Forschung neu anzuregen. Das würde weitere Ausgrabungen einschließen, ebenso Untersuchungen an der türkischen Südküste oder Unterwasserausgrabungen.

 



Bernhard Schmidtbauer und Rainer Krüger

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Rostock
Als Nautiker hat Ernst Schliemann (66), Urgroßneffe von Heinrich Schliemann, Homers Bericht über den Trojanischen Krieg kritisch geprüft. Für ihn ist jetzt nicht mehr sicher, dass sein Verwandter Heinrich Schliemann tatsächlich Troja gefunden hat.

Der Urgroßneffe des berühmten Archäologen vermutet die historische Stadt an der türkischen Südküste.

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