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MV aktuell Kliniken in MV entdecken das Geschäft mit Schönheits-Operationen
Nachrichten MV aktuell Kliniken in MV entdecken das Geschäft mit Schönheits-Operationen
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14:01 11.01.2019
Die Korrektur der Schlupflider mit dem Skalpell.   Quelle: Jens Schierenbeck/dpa
Rostock

Fettabsaugung, Brustvergrößerung, Lidstraffung – das gibt es längst nicht mehr nur in reinen Schönheitskliniken, sondern zunehmend auch in den öffentlichen Krankenhäusern in MV. Die Helios Kliniken in Schwerin besitzen bereits seit zehn Jahren einen eigenen Fachbereich für die plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. Zum Sortiment gehören neben dem genannten Spektrum auch die etablierte Botox-Chirurgie und das Neadling zur Behandlung von Narben und Falten. Eine besonders moderne Methode ist die sogenannte Kryolipolyse, bei der Fettzellen durch Kälte zersetzt und abgebaut werden. „Viele fangen oft klein an und gewinnen immer mehr Vertrauen. Mit der Zeit lassen sie dann auch größere Eingriffe vornehmen“, sagt Chefarzt Dr. Roland Mett. Allerdings hätten rund 95 Prozent aller Operationen in diesem Bereich keine rein ästhetischen, sondern auch medizinische Gründe.

Die Nachfrage nach Beauty-Eingriffen hat deutlich zugenommen

Preis der Schönheit

Nach Angaben der Krankenkasse IKK Nord kostet eine Brustverkleinerung durchschnittlich zwischen 5000 und 5500 Euro, eine Behandlung der Bauchdecke oder Fettschürze bis zu 5000 Euro und eine Augenlidkorrektur zwischen 600 und 800 Euro. In der Ästhetik-Klinik Rostock zahlt man beispielsweise für eine Brustvergrößerung 5500 Euro.

Professor Bernhard Frerich von der Universitätsklinik Rostock bestätigt: „Weit über die Hälfte der Operationen sind notwendig nach Unfällen oder Tumoren. Das ist keine alleinige Frage der Ästhetik.“ Bei vielen Eingriffen mit funktionellen Gründen ließen sich jedoch Gesundheit und Ästhetik gleichermaßen verbessern. Das Angebot der plastisch-ästhetischen Chirurgie gehört schon lange zu unserer Grundausstattung. Innerhalb der letzten zwei bis drei Jahre hat die Nachfrage allerdings deutlich zugenommen“, sagt er.

Kommentar zum Thema Schönheits-Operationen in MV: Die Hemmschwelle sinkt

Die Beauty-OPs in regulären Krankenhäusern sind in der Branche heftig umstritten. Dr. Jürgen Weber von der Ästhetik-Klinik Rostock setzt sich bereits seit 20 Jahren für die Unterlassung von ästhetischen Operationen in öffentlichen Einrichtungen ein. „Der Versorgungsauftrag der Krankenhäuser betrifft reine Kassenleistungen. Rein ästhetische Eingriffe fallen nicht darunter. Mich wundert, dass die Kassen da mitspielen“, sagt er. Die Eingriffe würden durch Infrastruktur wie etwa Operationssäle mit den Geldern der Versicherten unterstützt. Er fordert, die medizinisch begründeten Indikationen strenger überprüfen zu lassen.

Krankenkassen übernehmen Kosten nur bei Krankheit

Angelika Stahl, Sprecherin der IKK Nord, erklärt, dass Kosten nur dann übernommen werden, wenn es sich nicht um eine kosmetische Schönheitsoperation handelt, sondern um die „Behandlung einer Krankheit im versicherungsrechtlichen Sinn“. Jeder Antrag werde durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung genau geprüft.

Viele reguläre Krankenhäuser betonen indes die besondere fachliche Kompetenz ihrer plastischen Chirurgen. So erklärt auch Oberarzt Dr. Christian Lau vom Helios Hanseklinikum in Stralsund, wo es seit Mai 2018 eine Sektion der plastischen und ästhetischen Chirurgie gibt, dass Fachärzte wie er eine jahrelange medizinische Ausbildung durchlaufen müssten. Diese schließe auch die Minimierung von Komplikationen und die Betreuung nach der Behandlung ein. „Schönheitschirurg“ hingegen sei ein ungeschützter Begriff, den sich fast jeder geben könne. Laut Chefarzt Roland Mett aus Schwerin sei die Schönheitschirurgie oft verpönt, weil sich zu viele Leute mit wenig Erfahrung daran versuchen. „Ein großes Krankenhaus allerdings gibt den Patienten Sicherheit, da Experten aller Art anwesend sind. So kann zum Beispiel auch ein kardiologischer Notfall sofort behandelt werden.“ Jürgen Weber stellt jedoch nicht die Fähigkeiten der Krankenhaus-Ärzte in Frage: „Natürlich haben sie Kompetenzen auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie. Es sollte aber nur zu ihrem Alltag gehören, wenn es sich um medizinische Indikationen handelt,wie zum Beispiel in der Krebschirurgie.“

Prof. Dr. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer MV, betont, dass Krankenhäuser ohne Probleme ästhetische Operationen durchführen können, sofern die nötigen Qualifikationen vorhanden sind. „Der Arzt darf dieses Angebot jedoch nicht anpreisen, denn er unterliegt einem strikten Werbeverbot. Einen Verstoß sehen wir äußerst kritisch.“

Rabea Osol