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Schuften bis 69? Landespolitik kritisiert Bundes-Vorstoß

Rostock Schuften bis 69? Landespolitik kritisiert Bundes-Vorstoß

Arbeitsmarktexperten aus Mecklenburg-Vorpommern lehnen ein höheres Renteneintrittsalter ab.

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Torsten Renz (CDU)

Quelle: Cornelius Kettler

Rostock. Schuften bis 69? Das sei unrealistisch und gefährlich, kritisieren Arbeitsmarktexperten aus Mecklenburg-Vorpommern. Mit Empörung reagieren Politiker aus dem Land auf die Forderung, das Renteneintrittsalter bis 2060 um zwei Jahre zu erhöhen. Diesen Vorschlag hat die Bundestags-Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ im Entwurf ihres Abschlussberichtes verankert — mit den Stimmen von Union und FDP. Er soll helfen, die Finanzierungslücke der Sozialversicherungen zu schließen.

Die Forderung der überfraktionellen Arbeitsgruppe wird scharf kritisiert. „Eine Anhebung des Rentenalters auf 69 Jahre ist realitätsfremd und strikt abzulehnen. Bereits die Rente mit 67 ist de facto eine reine Rentenkürzung“, kritisiert der gewerkschafts- und arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linksfraktion, Henning Foerster. „Viele Beschäftigte schaffen es heute schon nicht, bis zu ihrem 65. Lebensjahr berufstätig zu bleiben.“

Auch die SPD erteilt dem Vorhaben eine klare Absage. „Solange es nicht genügend Arbeitsplätze für ältere Menschen gibt, lehnen wir selbst die Rente mit 67 ab“, sagt Martina Tegtmeier, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten.

Selbst von der Landtagsfraktion der CDU gibt es Gegenwind für die Forderung der Bundes-Union. „Die von der SPD auf den Weg gebrachte Rente mit 67 wird von uns unterstützt. Jetzt geht es um deren vernünftige Ausgestaltung. Die Diskussion über ein Renteneintrittsalter mit 69 Jahren im Jahr 2060 ist eine Phantomdebatte, die wir ablehnen“, macht Torsten Renz, arbeitsmarktpolitischer Sprecher der Christdemokraten, deutlich. Auch die Grünen stehen hinter der Rente mit 67. „Und selbst die bis 2030 umzusetzen ist ein steiniger Weg“, betont Silke Gajek von Bündnis 90/ Die Grünen.

Selbst 67 sei noch zu hoch, kritisiert Peter Wolff, Vorsitzender der Rentner-Partei MV.Gerade in körperlich fordernden Berufen sei solch ein langes Arbeitsleben undenkbar. „Mit 69 ist ein Dachdecker fertig mit der Welt. Da kann der Staat ihm einen Sarg hinstellen und er kann gleich reinspringen“, schimpft Wolff. Bei Bürojobs sei ein höheres Renteneintrittsalter vielleicht denkbar, doch „wenn jemand in dem Alter noch auf dem Bau oder an Maschinen arbeiten muss, ist das lebensgefährlich. Das kann kein Staat wollen.“

Gesund ein hohes Rentenalter zu erreichen, sei selbst in modernen Dienstleistungsberufen schwierig, sagt Linkensprecher Henning Foerster. „Ich denke da an die vielen tausend Beschäftigten in den Callcentern, die im Akkord Anrufe oder E-Mails von Kunden zu beantworten haben.“

Einig sind sich die Landesparteien darin, dass es in MV schon an der Voraussetzung für ein höheres Renteneintrittsalter mangelt: den Jobs für die Generation 50 plus. „Seit September 2012 haben 10 500 Beschäftigte über 50 Jahre ihren Arbeitsplatz verloren, insgesamt sind derzeit mehr als 42 000 Personen über 50 Jahre im Land ohne Arbeit. Für diese Menschen ist es sehr schwierig, wieder einen Arbeitsplatz zu finden“, so Foerster. Schon deshalb verbiete sich eine Diskussion über die Rente mit 69.

Die aktuelle Renten-Regelung
Alle Arbeitnehmer, die 1964 oder später geboren worden sind, müssen bis 67 Jahre arbeiten, wenn sie ohne Abschläge in den Ruhestand gehen wollen.

Für alle Erwerbstätigen ab dem Geburtsjahrgang 1947 steigt das Renteneintrittsalter seit 2012 Jahr für Jahr von zuvor 65 Jahren um jeweils einen Monat, ab Jahrgang 1959 sogar um zwei Monate.

Wer schon früher als mit 67 Jahren

in den wohlverdienten Ruhestand gehen und seine Rente genießen will, muss mit Abschlägen in Höhe von 0,3 Prozent pro Monat rechnen.

Antje Bernstein

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