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Schulbeginn vor Morgengrauen: „Nullte Stunde“ in der Kritik

Rostock Schulbeginn vor Morgengrauen: „Nullte Stunde“ in der Kritik

Schulen wollen bereits vor 7.30 Uhr starten / Schlafforscher, Landeselternrat und Linksfraktion lehnen diese Pläne ab, da sie den Schülern schaden

Rostock. Klingelt der Wecker für Schüler bald noch früher als bisher? An den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern könnte der Unterricht bereits zwischen 7.00 und 7.30 Uhr – in der „0. Stunde“ – beginnen. Bei Forschern, Landeselternrat und der Linken im Landtag stößt dies auf deutliche Ablehnung. Befürworter dagegen wollen den Schülern mehr Zeit am Nachmittag ermöglichen. Das Bildungsministerium sieht bei dieser Frage keinen Handlungsbedarf.

„Ich bin voll dagegen, dass der Unterricht an Schulen um 7.00 Uhr beginnt“, erklärt Jörg Beier, Schlafberater aus Hanstorf (Landkreis Rostock). Er fordere vielmehr eine Verlegung des Unterrichtsbeginns nach hinten auf die Zeit zwischen 8.30 und 9.00 Uhr. Denn: Kinder und Jugendliche hätten mit zehn bis zwölf Stunden ein viel höheres Schlafbedürfnis als Erwachsene, sagt Beier.

Heutzutage müssten viele Mädchen und Jungen dagegen morgens sehr früh aufstehen, um die langen Fahrstrecken zu ihrer Schule zu absolvieren. „Mit einem früheren Unterrichtsbeginn tun Schulen den Kindern keinen Gefallen“, betont Beier. Erziehungs- und Neurowissenschaftler fordern seit langem einen späteren Schulbeginn in Deutschland, so wie in Italien, Frankreich, Schweden, Großbritannien und Spanien.

Auch der Landeselternrat sieht einen früheren Schulbeginn problematisch. „Unterricht ab 7.00 Uhr halte ich für unpraktikabel“, kritisiert die Vorsitzende Claudia Metz. Das würde dazu führen, dass Schüler morgens noch unkonzentrierter im Unterricht seien. Im Flächenland MV müssten schon heute viele Kinder und Jugendliche sehr früh aufstehen und lange mit dem Bus unterwegs sein. „Um die Unterrichtsdauer zu verkürzen, sollten die Schulen mehr Blockunterricht anbieten“, rät Claudia Metz.

Für die Linken im Landtag sollte der Unterricht nicht früher als bisher beginnen. „Auf gar keinen Fall vor 7.30 Uhr, schon gar nicht an den Grundschulen“, betont die bildungspolitische Fraktionssprecherin Simone Oldenburg. Bei der Festlegung des Unterrichtsbeginns müsse immer das Ende des Unterrichts mitgedacht werden. „Es muss doch berücksichtigt werden, dass die Kinder oft lange Strecken zurückgelegt haben, bevor sie an der Schule ankommen“, sagt Simone Oldenburg. Das Gleiche gelte für den Rückweg. Auch die Arbeitszeiten der Eltern müssten stärker berücksichtigt werden.

Der Unterrichtsbeginn an allgemeinbildenden Schulen in MV ist zwischen 7.30 und 8.30 Uhr möglich. Ein davon abweichender früherer Beginn sei nur im Einvernehmen mit Schulamt, Schulträgern sowie Schülerbeförderungsträger festzulegen, heißt es aus dem Bildungsministerium. Eine neue Regelung des Unterrichtsbeginns sei nicht geplant.

Bernhard Schmidtbauer

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