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MV aktuell Schutz vor Kälte – Obdachlosenheime gewappnet
Nachrichten MV aktuell Schutz vor Kälte – Obdachlosenheime gewappnet
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00:05 16.02.2017
Schwerin/Rostock

Die Obdachlosenheime in Mecklenburg-Vorpommern sind gewappnet, um bei einem Anhalten von Nachtfrösten weiteren Schutzsuchenden ein Dach über dem Kopf bieten zu können. Die vorhandenen Schlafplätze sind der Jahreszeit entsprechend gut belegt, ergab eine Umfrage. Doch sei noch ausreichend Platz vorhanden, um weitere Menschen ohne festen Wohnsitz bei Bedarf aufnehmen zu können, hieß es. Den Wetterprognosen zufolge halten die niedrigen Temperaturen mit teilweise empfindlichen Nachtfrösten mindestens noch bis Mitte der neuen Woche an.

Ein Obdachloser sucht einen Schlafplatz im Norden. Quelle: Foto: Dpa

In Greifswald, wo die Volkssolidarität ein Obdachlosenhaus betreibt, sind nach Angaben eines Sprechers allabendlich die 20 Schlafplätze fast vollständig belegt. Die hohe Belegung sei um die Jahreszeit üblich. Doch würden auch kurzfristig ankommende hilfebedürftige Menschen immer eine Unterkunft erhalten, versicherte der Sprecher.

Die doppelte Kapazität an Schlafplätzen hält die Landeshauptstadt Schwerin vor. Von den 40 Betten seien derzeit knapp 30 belegt, sagte die Leiterin der städtischen Obdachlosenunterkunft, Barbara Bays. Zumeist würden wohnungslose Menschen aus Schwerin, die Übernachtungsmöglichkeit nutzen, tagsüber aber unterwegs sein. „Auswärtige kommen nur selten zu uns“, berichtete Bays.

Ähnlich sieht es in Neubrandenburg aus. Dort seien aktuell drei Viertel der 46 Plätze in Gebrauch, sagte René Burmeister. Er leitet die vom Arbeiter-Samariter-Bund betriebene Einrichtung.

Zum Jahreswechsel seien fast alle Plätze belegt gewesen. Doch gebe es zwischen Sommer und Winter bei der Beanspruchung des Schlafangebotes für Obdachlose in der Regel keine großen Unterschiede, sagte Burmeister.

In Waren an der Müritz, wo der Verein Perspektive die Unterkunft betreibt, sind derzeit die meisten der maximal 30 Plätze frei. Die Belegung sei mit derzeit etwa acht Personen durchschnittlich, sagte Dagmar Reimer. Da Verträge mit einer Reihe umliegender Ortschaften bestehen, müssten stets ausreichend Plätze vorgehalten werden. In Rostock, Mecklenburg-Vorpommerns größter Stadt, gibt es den Angaben zufolge mehr als 200 Unterkunftsplätze für Obdachlose in mehreren Einrichtungen unterschiedlicher Betreiber. Die Plätze seien derzeit ausreichend, hieß es aus dem Rathaus. Es sei jedoch auch bekannt, dass Obdachlose vielfach Unterkünfte solange es geht meiden – aus Angst vor Diebstählen oder auch weil man sich festen Heimregeln nicht gern unterordne. Die Obdachlosenhilfe e.V., die im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel eine Einrichtung mit 66 Plätzen betreibt, kommt nach eigenen Angaben mit dem derzeitigen Platzangebot zurecht.

„Wir hatten aber auch schon andere Situationen, als es so richtig kalt war“, sagte ein Mitarbeiter. Die aktuellen Nachttemperaturen von rund fünf Grad minus reichten an die früheren Temperaturen aber nicht heran. In der Hansestadt Wismar sind Obdachlose seit gut eineinhalb Jahren in Containern untergebracht. Die 14 Schlafplätze dort seien fast alle belegt. Größerer Bedarf zeichne sich trotz der winterlichen Temperaturen derzeit aber auch nicht ab, sagte Marco Schnäckel vom Trägerverein „Das Boot“. Das Provisorium mit den Wohncontainern will die Stadt aber spätestens Ende dieses Jahres beenden.

300 Wohnungslose erfroren

Der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe zufolge sind im vergangenen Jahr in Deutschland 17 Obdachlose durch Gewalttaten getötet worden. Zudem gab es 128 Fälle von Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Raubüberfällen und bewaffneten Drohungen gegen wohnungslose Menschen in Deutschland, wie der Verband mitteilte. Seit 1991 sind in Deutschland mindestens 289 wohnungslose Menschen erfroren, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe jetzt mitteilte. Sie seien unter Brücken, auf Parkbänken oder in Hauseingängen gestorben.

Frank Pfaff und Joachim Mangler

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