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MV aktuell Deutschland schützt sich vor Terror auf der Ostsee
Nachrichten MV aktuell Deutschland schützt sich vor Terror auf der Ostsee
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18:38 16.11.2018
Windparks wie „Baltic 2“ vor der Insel Rügen gehören zur maritimen Infrastruktur, die es zu schützen gilt. Quelle: Jens Büttner/dpa
Bremerhaven

Die Ostsee mit ihren Gasleitungen, Windrädern und Ölpipelines ist eine Schlagader der deutschen Wirtschaft – und ein potenzielles Anschlagsziel. Auch Unfälle können verheerende Auswirkungen haben. Diese Gefahren zu erkennen und vorbeugende Ideen zu entwickeln, ist Aufgabe des 2017 gegründeten Institut für den Schutz maritimer Infrastruktur. Die Einrichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat jetzt in Bremerhaven eröffnet und seinen Betrieb aufgenommen.

Es ist für Europa eine Premiere, was in der Seestadt erarbeitet werden soll - der Schutz der Seewege vor so vielen denkbaren Gefahren wie möglich. Die Betreiber setzen große Hoffnung auf die neue Einrichtung und sehen sich gut geeignet für die im DLR eher ungewöhnlichen Themenfelder: „Das DLR ist bereits exzellent in der Forschung für Luft- und Raumfahrt, Energie und Verkehr, Sicherheit und Digitalisierung aufgestellt. Mit unserem neuen Institut erschließen wir uns eine weitere Dimension, den Schutz maritimer Infrastrukturen auf und unter Wasser“, sagt die Vorstandsvorsitzende Pascale Ehrenfreund.

Die Bedeutung dieses Feldes ist immens, das hat auch die Bundesregierung erkannt. Sie fördert die Einrichtung gemeinsam mit den Ländern mit jährlich 4,5 Millionen Euro. „Maritime Infrastrukturen sind eine Lebensader des Wirtschaftsstandorts Deutschland. Importe und Exporte finden zu 90 Prozent über See statt“, betont Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

2000 Schiffe auf der Ostsee – pro Tag

Dabei sind auch die Häfen und Regionen an der Ostsee besonders wichtig, sind doch die alten Hansestädte für den Güterumschlag ebenso wichtig wie die Kadetrinne als Schiffslinie für alle Anrainerstaaten. Schon im Jahr 2016 waren nach Berechnungen des Umweltbundesamtes auf der Ostsee 2000 Schiffe unterwegs. Täglich. Laut Institut für Maritime Logistik der TU Hamburg wurden in dem Jahr allein in den deutschen Häfen 58 Millionen Tonnen und 10,8 Millionen Passagiere „bewegt“. Den Angaben zufolge wurden nach den aktuellsten vorliegenden Zahlen im Jahr 2008 insgesamt 620 Millionen Tonnen Güter auf der Ostsee bewegt, das entsprach damals rund acht Prozent des Weltseetransports.

Auch für die EU ist die Ostsee wichtig: 2009 haben die Mitgliedstaaten Güter im Wert von 725 Milliarden Euro exportiert, das sind ein Drittel aller Exporte innerhalb der EU. Importiert wurden Waren im Wert von fast einer Billion Euro, was 30 Prozent der EU-Gesamteinfuhr entsprach. Die Tendenz ist deutlich steigend, trotz mehrere Krisen und Einbrüche. Bis 2020 wird weltweit ein jährliches Wachstum von zwei bis drei Prozent erwartet.

Und nicht nur der Umschlag ist bedeutend für die Region: „Auch die Energieversorgung aus Offshore-Windparks nimmt zu. Deshalb ist der Schutz von maritimen Infrastrukturen für die Wirtschaft und die Bürger gleichermaßen von hoher Bedeutung. Das neue DLR-Institut wird sich dieser Aufgabe mit geballter Kraft und Kompetenz widmen“, ist sich Minister Altmaier sicher.

Windparks sind potenzielle Angriffsziele

Hier dürfte die Sicherheitslage zusehend an Bedeutung gewinnen: Mit den Parks EnBW Baltic 1 und 2 sind bereits zwei Anlagen in Betrieb, die zusammen knapp 35 Quadratkilometer Fläche belegen und über 100 Windräder zählen. Weitere 70 hat Iberolas „Wikinger“, im kommenden Jahr soll E.ONs „Arkona“ vor Rügen in Betrieb gehen. Die drei schon aktiven Anlagen allein sind mit mehr als 200 Kilometern Seekabeln mit dem Land verbunden – alles potenzielle Unfalls- oder Angriffsziele, die die deutsche Energieversorgung beeinträchtigen könnten.

Gründe genug, sich über die Sicherheit der Wirtschaftszone Gedanken zu machen. Genau hier setzt das DLR mit dem neuen Institut an. Die erste Anschaffung soll ein U-Boot sein, mit dem die noch zu entwickelnden Sensoren erprobt werden sollen. Eine Art Unterwasserdrohne also, die die verschiedenen Lagen überwachen kann und dabei relativ unbemerkt ist. Anlagen gibt es in der Ostsee genügend, sei es die Nordstream-Leitung, Gleichstromkabel der Windparks oder auch die verschiedenen Werften. Anfällige Systeme, die auch von Terroristen als Ziel auserkoren werden können, um die Versorgung zu unterbrechen.

Ein Augenmerk legt Direktor Dennis Göge mit seinen derzeit 20 Mitarbeitern daher auch auf die sogenannte Resilienz. Mit diesem Begriff bezeichnen die DLR-Fachleute die Ausfallsicherheit gegenüber Störungen jeder Art. 40 weitere Stellen sollen perspektivisch geschaffen werden, um die aktuellen Projekte „Tragvis“, „Marlin“ und „Küs“ voranzutreiben. Wann konkrete Ergebnisse der ambitionierten Projekte zu erwarten sind, kann das Institut derzeit noch nicht sagen. Die kommenden Wochen dienen auch der Einrichtung und Betriebsaufnahme. Dann aber wird der Kontakt zunächst mit der Bundespolizei, später auch mit anderen Einrichtungen an den Küsten sowie der Wirtschaft verstärkt. Denn klar ist allen vor allem eines: Die Sicherheit kann nicht warten.

Die Projekte am Institut für den Schutz maritimer Infrastruktur

RAGVIS ist als tragbares Ortungssystem ist dazu gedacht, den Such- und Rettungsdienst zu verbessern. Besonders die Rettung in der Nacht soll verbessert werden. Dazu sollen unter anderem Kamerasysteme, entstehen die mit einer aktiven (Laser-)Beleuchtung arbeiten. Ziel zudem, die bisher sehr großen vorhandenen Systeme auf ein kleines Format zu „schrumpfen“, damit diese unter anderem auf Seenotkreuzern gut eingesetzt werden können.

KÜS soll ein System für die Überwachung der Sicherheitslage in den Offshore-Windparks, um unter anderem die Störungssicherheit (Resilienz) zu gewährleisten. Dazu werden bisher vereinzelt vorliegende Daten gebündelt, neu strukturiert und auf dieser Basis Soll- und Ist-Vergleiche geschaffen, die die Ausfallgefahr und auch den Schutzstatus analysieren helfen. Bislang gibt es solche Modelle noch nicht.

MARLIN soll ein Lagebildsystem werden. Dessen Aufgabe ist es, in Echtzeit eine Bewertung der aktuellen Situation auf dem Meer zu ermitteln und den Schutzstatus der jeweiligen Infrastruktur, also etwa eines Hafens. Hier ist der Einsatz künstlicher Intelligenz ebenso möglich wie die Entwicklung komplett neuer Sensoren.

Frank Miener

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