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Schwartau liebäugelt mit Ansiedlung in Schönberg

Schönber Schwartau liebäugelt mit Ansiedlung in Schönberg

Die Marmeladenfirma expandiert und will einen Teil ihrer Werke verlegen / Mecklenburg lockt mit Autobahn und Fördergeldern / Aber auch Lübeck hofft

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Wirtschafts- minister Harry Glawe

Quelle: dpa

Schönber. g. Es wäre ein Riesen-Erfolg für den Wirtschaftsstandort MV und ein herber Schlag für Schleswig-Holstein: Die Schwartauer Werke erwägen, sich in Schönberg (Nordwestmecklenburg) anzusiedeln. Der Marmeladen-Hersteller will expandieren und dafür seinem Stammsitz Bad Schwartau (Ostholstein) den Rücken kehren. Weil dort geeignete Flächen fehlen, will Schwartau einen Großteil seiner Werke verlegen. Und liebäugelt dafür mit Mecklenburg. An der Landesgrenze ist ein knallharter Wettstreit um das Schleswig-Holsteiner Traditionsunternehmen entbrannt.

Mit vereinten Kräften wollen Schönberg und das Landeswirtschaftsministerium den Marmeladenmachern einen Umzug nach MV versüßen. Bereits seit mehreren Monaten führt Staatssekretär Stefan Rudolph Gespräche mit Schwartau und der Stadt. Die Konkurrenz zittert — und kämpft verbissen: Lübeck will Bad Schwartau unbedingt als Firmensitz beerben. Auch das Land Schleswig-Holstein will mit allen Mitteln verhindern, dass die Schwartauer Werke — und damit Hunderte Arbeitsplätze und viel Steuergeld — abwandern.

Dem Vernehmen nach sucht der Marmeladenhersteller nach einem Standort mit Blick auf die Sieben Türme — seinem Logo. Die stehen in Lübeck. Deshalb glaubt Bürgermeister Bernd Saxe (SPD) daran, dass er Schwartau in die Hansestadt locken kann. Ein Grundstück hätte er zwar, nur fehlt dort bislang die Anbindung an die A 20. Genau die soll aber auf Schwartaus Wunschliste stehen. Schönberg hätte einen Autobahnzubringer zu bieten.

Nicht nur deshalb räumt Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) der Kleinstadt gute Chancen ein. „In Schönberg sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sehr gut. Hervorragende infrastrukturelle Voraussetzungen sowie die vorhandenen Flächen sprechen für sich.“ Er stellt Schwartau zudem Fördergelder in Aussicht: Das Land könne dem Unternehmen nicht nur beim Bau, sondern auch im Bereich Forschung und Produktentwicklung finanziell unter die Arme greifen. Mit Großansiedlungen wie Dr. Oetker, Nestlé, Trolli und Pfanni habe sich das Land in puncto Ernährungswirtschaft einen hervorragenden Ruf erarbeitet, betont Glawe.

Schönbergs Bürgermeister Lutz Götze (SPD) will die Gespräche mit Schwartau zum jetzigen Zeitpunkt nicht kommentieren, macht aber klar, dass der Marmeladenhersteller mehr als willkommen ist. „Für uns wäre es sehr schön, wenn Schwartau käme.“

Einen Ortswechsel will Schwartau angeblich nicht vor Ende 2018 vollziehen. „Wir befinden uns noch in einer sehr frühen Phase der Bauplatzsuche“, sagt Unternehmenssprecherin Stefanie Tron. Laut Betriebsrat sollen alle Mitarbeiter mitgenommen werden.

Zwei von drei Werken sollen umziehen

800 Mitarbeiter sind bei den Schwartauer Werken beschäftigt. Das Unternehmen plant angeblich, zunächst zwei von drei Firmensitzen in Bad Schwartau aufzugeben — erst das alte Werk I an der Lübecker Straße, danach das Corny-Werk. Sie befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Wohnbebauung. Ihre Erweiterung ist deshalb unmöglich. Erst 2012 war ein Werk II für 20 Millionen Euro an der Stadtgrenze zu Lübeck errichtet worden.

Von Antje Bernstein und Curd Tönnemann

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