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Schweden plant riesiges Atom-Endlager an der Ostsee

Rostock Schweden plant riesiges Atom-Endlager an der Ostsee

Deutschland steigt aus der Atomkraftnutzung aus, die Nachbarn dagegen rüsten kräftig auf: Wie jetzt bekannt wurde, will Schweden in Forsmark, direkt an der Ostsee, ein riesiges Atommüll-Endlager bauen.

Rostock. Deutschland steigt aus der Atomkraftnutzung aus, die Nachbarn dagegen rüsten kräftig auf: Wie jetzt bekannt wurde, will Schweden in Forsmark, direkt an der Ostsee, ein riesiges Atommüll-Endlager bauen. Erst vor kurzem hat Polen verkündet, bei Danzig ein Atomkraftwerk (AKW) zu errichten. Finnland setzt sogar auf einen umstrittenen russischen AKW-Typ.

Deutschland dagegen will bis 2022 aus der Atomkraft-Nutzung aussteigen.

Politiker und Behörden sind wegen der neuen Pläne alarmiert:„Natürlich kann es gefährlich werden, wenn hochradioaktiver Müll unter der Ostsee lagert“, warnt Thorben Becker vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). In Forsmark soll das Endlager in Gesteinsschichten 480 Meter unter der Ostsee entstehen. Grundsätzlich seien solche Orte nötig, um den bisher angefallenen Atommüll zu lagern, so Becker. Das Problem: Sicherheit vor Strahlung über Hunderttausende Jahre gebe es nicht. Noch kritischer sieht Becker den Bau neuer, hoch subventionierter AKW in Europa, etwa in Großbritannien. Dies sei „ein Skandal“. Jürgen Suhr, Fraktionschef der Grünen im Landtag, spricht von einer „desaströsen Förderpolitik der EU“. Er fordert: AKW dürften nur gebaut werden, wenn die Endlagerung vorab geklärt ist. Die jetzige Praxis sei eine „umweltpolitische Fahrlässigkeit, die absolut inakzeptabel ist“. Weltweit müssen schon heute mehr als 300000 Tonnen hochradioaktive Stoffe viele Jahre endgelagert werden. Suhr: „Da ist es unverantwortlich, immer noch zuzubauen.“

Bis Mitte April können auch deutsche Behörden und Bürger ihre Position zu den Plänen Schwedens mitteilen — in MV im Schweriner Innenministerium. In Forsmark sollen bis zu 6000 abgebrannte Brennstäbe in Kupferkanistern verkapselt gelagert werden. Darüber hinaus plant Schweden eine Erweiterung des Zwischenlagers in Clab an der Südküste, wo bereits 6000 Tonnen Uran konzentriert sind.

Im gesamten Königreich sollen bis zu 12000 Tonnen abgebrannter Brennelemente lagern. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) lobt die schwedische Initiative: „Damit beweist Schweden, dass es das Problem der Atommüll-Entsorgung nicht auf zukünftige Generationen abwälzt.“ Das polnische Kernenergie-Programm betrachte er dagegen „mit Sorge“.

Kritisch sehe auch das Bundesumweltministerium den Bau weiterer AKW, sagt ein Sprecher. Dass Schweden jetzt gezwungen ist, ein großes Endlager zu schaffen, sei „unausweichliche Folge“ der Atompolitik. Deutschland wird vermutlich noch lange auf ein Endlager warten, so Thorben Becker vom BUND, der auch in der Findungskommission ist. MV müsse sich darauf einrichten, dass das Zwischenlager in Lubmin „noch Jahrzehnte erhalten bleibt“.

Von Frank Pubantz

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