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Schweinepest-Gefahr: 50 Jäger stellen Schwarzkitteln nach

Glaisin/Kalliß Schweinepest-Gefahr: 50 Jäger stellen Schwarzkitteln nach

Bei letzter Drückjagd der Saison im Forstamt Kalliß sind 41 Wildscheine erlegt worden.

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Jäger Wolfgang Mundt sitzt mit seinem Gewehr auf einem Hochstand.

Quelle: Jens Büttner/dpa

Glaisin/Kalliß. „He Ho“, „He Ho“, schallt es durch den Wald, heiseres Bellen mischt sich darunter. Normalerweise liegt der Wald bei Glaisin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ruhig da. Doch an diesem feuchten, für den späten Januar mit fünf Grad viel zu warmen Samstagmorgen findet die letzte Drückjagd der Saison des Forstamts Kalliß statt. Es gilt, rechtzeitig gegen die gefürchtete Afrikanische Schweinepest (ASP) vorzugehen. Aus dem Osten kommend, ist sie inzwischen bis nach Polen und Tschechien vorgedrungen.

OZ-Bild

Bei letzter Drückjagd der Saison im Forstamt Kalliß sind 41 Wildscheine erlegt worden.

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In dem gut 220 Hektar großen Waldstück haben sich 50 Jäger und 20 Treiber versammelt. „Wir sind mit Ende Januar spät dran“, sagt der Leiter des Forstamts Kalliß, Jörg Schröder, zu Beginn der Jagd. In normalen Jahren wäre die Jagdsaison beendet, denn möglicherweise haben einige Muttertiere ihre Jungen schon geboren. Doch in diesem Jahr ist alles anders: Um die Zahl der Tiere und damit die mögliche Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus zu senken, ist die Jagd freigegeben, ausgenommen sind Bachen mit Frischlingen. „Das ist weiter eine Straftat“, macht Schröder den Jägern unmissverständlich klar. „Und wir sind hier nicht auf einem Vernichtungsfeldzug“, bekräftigt der 48 Jahre alte Jagdleiter.

Schon bevor sich alle Jäger auf ihren Hochsitzen bereit machen, sind Schüsse zu hören. Sie kommen von Revieren außerhalb des Waldstücks. Viele Tiere wollen aus dem Wald flüchten und werden teilweise auf den kahlen Feldern geschossen.

Preise für Wildfleisch dramatisch gesunken

Die Sorge um die Schweinepest hat schon vor ihrer Ankunft Schaden verursacht. Durch das Überangebot ist der Schwarzwildpreis dramatisch gesunken. So kostet an diesem Samstag das Kilo Wildschwein mit Fell und Knochen 50 Cent, vor einem Jahr waren es noch rund zwei Euro. Frischlinge, die weniger als 25 Kilo wiegen, können die Jäger sogar umsonst mitnehmen.

Der finanzielle Verlust durch geringere Preise ist zwar groß, erklärt Henning Bremer von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben Trave. Aber der Schaden bei Ausbruch der Seuche und der Tötung ganzer Schweinebestände wäre um Dimensionen größer. Dadurch würden Existenzen kaputtgehen, betont Bremer.

Bei Ausbruch der Seuche drohen Milliardenschäden

In Deutschland gibt es fast 24000 Schweine haltende Betriebe. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) spricht von einem drohenden Milliardenschaden, den es zu verhindern gilt.

Er hat ein Zwei-Millionen-Euro-Programm aufgelegt, um den vermehrten Abschuss von Wildschweinen zu finanzieren. Trotz der Sorgen gebe es aber keine Alarmstimmung, sagt Bremer. „Wir versuchen, mit verstärkter Bejagung die Infektion zu verlangsamen.“ Dabei zeichne sich unter den Jägern ein Paradigmenwechsel ab. Früher wurde hauptsächlich junges Schwarzwild geschossen. Nun – im November/Dezember, also vor dem Wurf des Nachwuchses – seien es die erwachsenen Bachen, die erlegt werden müssen, sagt der Experte. „Wir müssen an die Zuwachsträger ran, sonst bekommen wir die Bestände nicht in den Griff.“

Gefahr durch weggeworfene Lebensmittel

Ob sich mit solchen Jagden die Ausbreitung der für Menschen ungefährlichen Afrikanischen Schweinepest verhindern lässt, ist unsicher. „Ich habe die Hoffnung, dass es gelingen wird, die Pest nicht einziehen zu lassen“, sagt Schröder. Die Jagd ist da nur ein kleiner Baustein, wissen die Experten. So verweist Bremer auf die Ansteckungsgefahr durch Lebensmittel, in denen unwissentlich infiziertes Schweinefleisch verarbeitet wurde. Er hat vor allem die Autobahnen im Blick, wo viele Lebensmittel achtlos weggeworfen werden und dann von den Wildschweinen gefressen werden. „Da muss ein Umdenkungsprozess her.“

Nach zweieinhalb Stunden ist die Jagd beendet, die Jäger kümmern sich um die geschossenen Tiere. Der 18-jährige Max Meyer-Breckwoldt aus Quickborn (Schleswig-Holstein) bricht routiniert zwei Tiere auf. „Besseres Fleisch gibt es nicht“, sagt er. Der Respekt vor der Kreatur sei da, bekräftigt er. „Ich weiß, ich habe dem Tier das Leben genommen.“

41 Wildschweine, vier Rehe und zwei Füchse werden an diesem Samstag getötet. Schröder ist damit zufrieden. Er geht davon aus, dass etwa die Hälfte der im Wald lebenden Wildschweine geschossen wurde.

Joachim Mangler

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