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Schwesig wird zur Gegenspielerin Ursula von der Leyens

Schwerin/Berlin Schwesig wird zur Gegenspielerin Ursula von der Leyens

Die Schweriner Ministerin und SPD-Vizevorsitzende rückt ins Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

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Manuela Schwesig (SPD).

Quelle: Uwe Anspach

Schwerin. Happy Birthday sang die versammelte SPD-Prominenz vergangenen Mittwoch in Leipzig: Genau zum 150. Geburtstag der Partei am 23. Mai wurde Manuela Schwesig nämlich 39.

Nicht nur Ehemann Stefan, sondern die gesamte SPD-Spitze gratulierten der Vize-Vorsitzenden gleich nach Mitternacht beim großen Parteiempfang. Da war offenbar längst klar, dass SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück Manuela Schwesig in sein Wahlkampfboot holen würde. Heute Mittag soll die Personalie verkündet werden. Gestern gab sich die Partei noch sibyllinisch. Man könne die Berufung der MV-Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales „weder bestätigen noch dementieren“.

Dabei ist die politische Senkrechtstarterin, die erst vor zehn Jahren in die SPD eingetreten ist, längst erste Wahl, wenn es um soziale Themen sowie die Politik für die neuen Länder geht. Sie lässt kaum eine Talkshow aus, ist telegen, fotogen und medienaffin — und wird wegen ihrer optischen Vorzüge auch gern mal vom politischen Gegner verspottet. CDU-Landeschef Lorenz Caffier nannte sie einst „Küsten-Barbie“.

Dabei hat Manuela Schwesig längst großen Einfluss: Sie formuliert die Positionen der SPD, wenn es um tariflose, sittenwidrige Niedriglöhne im Osten, um die Angleichung der Renten oder Entschädigung für drangsalierte DDR-Heimkinder geht. Galt Schwesig, als sie vor vier Jahren ins Team von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier aufrückte, noch als faustdicke Überraschung, so ist sie in diesem Jahr eine feste Größe in der SPD-Hierarchie. Mit ihrer direkten politischen Gegenspielerin, Bundessozialministerin Ursula von der Leyen (CDU), hat sie in den vergangenen vier Jahren manchen Strauß

ausgefochten. Monatelang etwa duellierten sich beide Politikerinnen um die Ausgestaltung des Bildungs- und Teilhabepakets für Kinder aus Hartz-IV-Familien.

„Aufbruchswille und Pragmatismus“ nannte Schwesig kürzlich bei der Präsentation des Buches „Dritte Generation Ost“ ihre Maxime. So wie das lockere Netzwerk junger Ostdeutscher sieht sich die Ministerin, die von einer Zeitung als „blonder Lichtblick aus dem Osten“ bezeichnet wurde, offen für Veränderungen. Dinge praktisch lösen, das ist offenbar ihr Ding — so wie viele der Generation der Wende-Jugendlichen, die mit dem Systemwechsel zurecht kommen mussten, deren Eltern keine Antworten mehr hatten. Dass ihr Vater nach 17 Jahren guter Arbeit auf dem Bau plötzlich nicht mehr gebraucht wurde, hat bei der studierten Finanzwirtin tiefe Spuren hinterlassen. Und dass zu wenige junge Ostdeutsche in Spitzenpositionen kamen, beklagt Schwesig seit langem.

Als mögliche Nachfolgerin Schwesigs als Landessozialministerin wird seit langem Nordwestmecklenburgs Landrätin Birgit Hesse (SPD) gehandelt. Die hatte bislang aber alle Ambitionen auf den Posten abgewiesen.

Manuela Schwesig nimmt morgen an einem Forum der OSTSEE-ZEITUNG zu Neonazi-Netzwerken in MV teil. Beginn ist 19 Uhr im OZ-Pressehaus Rostock (Richard-Wagner-Straße 1a). Der Eintritt ist frei.

Steinbrücks Kompetenzteam
Drei neue Namen für sein Kompetenzteam will SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück heute in Berlin vorstellen. Neben Manuela Schwesig und dem SPD-Landeschef von Bayern, Florian Pronold, der für Verkehr und Infrastruktur zuständig sein soll, wird auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach aus Nordrhein-Westfalen das Wahlkampfteam der Sozialdemokraten verstärken.

Bereits nominiert wurden der einstige Agenda-2010-Kritiker und Chef der IG Bau, Klaus Wiesehügel, der für die Arbeitspolitik verantwortlich sein soll. Hinzu kommt die aus Schleswig-Holstein stammende Designerin und Internet-Expertin Gesche Joost für die neuen Netze. Für die Innen- und Rechtspolitik steht der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, im Team.

 

Reinhard Zweigler

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