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Schwimmendes Atomkraftwerk fährt durch die Ostsee

Rostock/St. Petersburg Schwimmendes Atomkraftwerk fährt durch die Ostsee

Mini-AKW wird in St.Petersburg gebaut / Umweltschützer warnen vor Unfällen

Rostock/St. Petersburg. Brisanter Transport: Das schwimmende Kernkraftwerk „Akademik Lomonossow“ soll durch die Ostsee geschleppt werden – auch an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns vorbei. Im Oktober 2017 wird die mit zwei Reaktoren ausgestattete Anlage vom russischen St. Petersburg zum dänischen Großen Belt gezogen. Ziel der Reise ist Nordsibirien.

Umweltschützer und Politiker aus Mecklenburg-Vorpommern sind entsetzt: „So ein AKW durch die Gegend zu schieben – das wird richtig gefährlich“, sagt der energiepolitische Sprecher der Schweriner Grünen-Fraktion, Johann-Georg Jaeger.

Bei einem Unfall könnte das verstrahlte Wasser kaum abgefangen werden, erklärt der Energieexperte der Umweltschutzorganisation BUND in MV, Ulrich Söffker. Die Folge seien massive Verstrahlungen ganzer Küstenabschnitte. Söffker: „Wasser ist ein Medium, mit dem Strahlung sehr gut transportiert werden kann.“ Ein verheerendes Beispiel dafür sei die Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima im Jahr 2011.

Das schwimmende AKW wird bereits seit 2007 in St. Petersburg gebaut. Die Fertigstellung hatte sich jedoch immer wieder verschoben. Die Anlage verfügt über zwei Reaktoren mit einer Leistung von jeweils 35 Megawatt (MW).

Nach Informationen der Zeitschrift „Manager Magazin“ ist diese Anlage womöglich der Anfang einer Serienproduktion. Russlands Atombehörde Rosatom wolle künftig verstärkt schwimmende Kernkraftwerke einsetzen, um Städte in entlegenen Regionen mit Strom zu versorgen. So soll „Akademik Lomonossow“ in Pewek (4100 Einwohner) im Autonomen Kreis der Tschuktschen Strom u. a. zur Umwandlung von Salz- in Trinkwasser produzieren, meldet die dänische Zeitung Copenhagen Post.

Technisch sei ein schwimmendes Mini-AKW „totaler Unfug“, kritisiert Grünen-Politiker Jaeger. Um mobil Strom zu liefern, würden eigentlich mit Flüssiggas betriebene LNG-Kraftwerke verwendet. Auch Söffker hält derartige Versuche, „die Atomkraft wieder salonfähig zu machen, für vollkommen ungeeignet“. Jaeger betont zudem die Gefahr terroristischer Angriffe auf Anlagen wie „Akademik Lomonossow“:

Terroristen könnten auf diese Weise leicht an spaltbares Material kommen, um damit „schmutzige Bomben“ herzustellen. Dabei werde Plutonium mit konventionellen Bomben kombiniert, was bei der Explosion zu großflächigen Verseuchungen führe.

Die deutschen Behörden können nur zuschauen. „Beim Schiffsverkehr auf internationalen Gewässern haben wir als Land keinen Einfluss“, erklärt der Innenexperte der Schweriner CDU-Fraktion, Marc Reinhardt. „Außerhalb der Zwölf-Seemeilen-Zone gilt die freie Seefahrt“, ergänzt der Chef des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund, Holger Brydda. Allerdings müssten beim Transport internationale Kollisionsverhütungsregeln beachtet werden.

Axel Meyer

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