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Segelboot rammt Buckelwal

Stralsund Segelboot rammt Buckelwal

Bei einem Törn nach Stralsund kollidiert Andreas Kohl (72) im Greifswalder Bodden auf seiner Sieben-Meter-Yacht mit dem verirrten Meeressäuger

Stralsund. Der Wind wehte scharf, Wellen türmten sich auf. „So schnell war ich mit meinem Segelschiff noch nie unterwegs“, sagt der Stralsunder Segler Andreas Kohl (72), der am Montagvormittag mit gut elf Knoten (rund 20 Kilometer je Stunde) über den Greifswalder Bodden zischte – und plötzlich gegen ein Hindernis krachte. Der Schock: „Neben meinem Boot hob sich ein grauer Berg aus dem Wasser“, sagt Kohl. Der Berg – das war der Buckelwal, der seit einigen Wochen als Irrgast durch den Greifswalder Bodden schwimmt.

 

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Segler Andreas Kohl auf seinem Segelboot im Stralsunder Hafen.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Der Stralsunder, der vor einem Jahr über den Atlantik gesegelt war, bekam es mit der Angst. Berechtigt: Es gibt Berichte von Buckelwalen, Orcas und anderen Walen, die beim Sprung aus den Fluten Yachten oder Kanus unter sich begraben. Entsprechende Videos kursieren im Internet.

Doch Kohl hatte Glück: Der Buckelwal tauchte nach wenigen Sekunden wieder ab, und der Segler konnte sein bei der Kollision nicht beschädigtes, 7,30 Meter langes Boot der Marke Shark 24 nach Stralsund steuern.

Die Begegnung mit dem Buckelwal am Montag war nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund bereits die 21. Sichtung des etwa zehn Meter langen Tieres seit Ende Juli. Der Mann habe den Schreck seines Lebens bekommen, sagte der Direktor des Meeresmuseums, Harald Benke. Kollisionen seien selten. Dabei handele es sich in der Regel um Unfälle. Buckelwale gelten als nicht aggressiv gegenüber dem Menschen.

Das raue Wetter am Montag mit bis zu anderthalb Meter hohen Wellen könnte die Kollision begünstigt haben. „Bei solch aufgewühlter See ist es auch unter Wasser laut. Möglicherweise hat der Wal das Boot nicht geortet“, sagt der Kurator für Meeressäuger am Stralsunder Meeresmuseum, Michael Dähne. Zudem sei der Greifswalder Bodden sehr flach, so dass das Tier nicht – wie es Buckelwale üblicherweise tun – nach unten wegtauchen konnte.

Die Biologen des Meeresmuseums rätseln, warum sich das Tier bereits so lange in dem flachen, stark von Wassersportlern frequentierten Gewässer aufhält. Auch sei sein Verhalten untypisch für Buckelwale, sagt Dähne. Normalerweise würden die Tiere recht häufig aus dem Wasser springen. Dieser Wal sei aber nur zweimal dabei beobachtet worden.

Vor knapp zwei Wochen sorgten noch andere Irrgäste in der Ostsee für Aufsehen. Drei Große Tümmler, die auch schon vor deutschen Küsten gesichtet wurden, jagten im dänischen Kleinen Belt Schweinswale.

Dabei wurde gefilmt, wie ein Großer Tümmler einen jungen Schweinswal verfolgt und tötet. „Nicht alle Delfine sind süße Tiere“, erklärte der dänische Walforscher Carl Kinze. Große Tümmler würden auch Lachse, Meerforellen und große Dorsche erlegen, meist ohne sie zu fressen. Warum sie das tun, sei noch unklar. Kinze: „Vielleicht wollen sie Nahrungskonkurrenten ausschalten, oder sie jagen aus purer Lust.“

Axel Meyer und Martina Rathke

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