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Selfie mit Kriegsschiff und Ulrike

Rostock Selfie mit Kriegsschiff und Ulrike

Die Verteidigungsexperten des Bundestags informierten sich in Rostock über die Einsatzbereitschaft der Marine

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Von einem „Sea-Lynx“-Hubschrauber springen Taucher in die Ostsee.

Rostock. Noch bevor die Schnellboote da sind, wird es ernst. „Los Ulrike, wir machen ein Selfie“, ruft ein SPD-Abgeordneter. „Oh nein, ich war nicht beim Friseur“, klagt die Angesprochene gespielt theatralisch. Sie lächelt ins Mobiltelefon, als hinter ihr die Schnellboote „Hermelin“ und „Frettchen“ durch die Ostsee ziehen. Manche Szenen erinnerten an einen Betriebsausflug, als gestern der Bundestags-Verteidigungsausschuss die Marine in Rostock besuchte. Aber es gab auch andere.

OZ-Bild

Die Verteidigungsexperten des Bundestags informierten sich in Rostock über die Einsatzbereitschaft der Marine

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In Sichtweite des Strands von Warnemünde absolvierte die Marine eine knapp dreistündige Leistungsschau — für die Politiker, die von Bord der Korvette „Oldenburg“, aus zusahen. „Marine zum Anfassen in einem Parforceritt“, nennt es der Gastgeber, Marineinspekteur Andreas Krause.

Lehrfilmreife Bilder unter strahlend blauem Himmel: PS-strotzende Speedboote rasen in einem Scheinangriff auf die „Oldenburg“ zu. „Letzte Warnung, wir feuern in zehn Sekunden“, lautet der letzte Funkspruch an die Angreifer. Ein Maschinengewehr rattert. Angriff abgewehrt, zum Glück genügte einfache Übungsmunition. Die meisten Abgeordneten wirken beeindruckt und ziehen die Ohrstöpsel, die vorher verteilt wurden, wieder aus ihren Ohren.

Zwei Taucher springen von einem „Sea Lynx“-Hubschrauber ins Wasser. Der Rotor bläst Meereswasser als Nieselregen in die Gesichter der politischen Beobachter, ein Kreis unter dem Hubschrauber leuchtet in Regenbogenfarben. Alles so nah, als könne man es anfassen. Eine Sprecherin warnte vorher, man solle den Kopf einziehen. Der Heckrotor sei sehr gefährlich.

Es bleibt unblutig. Auch, als schwer bewaffnete Marineinfanteristen per Seil vom Hubschrauber aufs Korvetten-Deck rutschen. „Fast Roping“ nennt die Marine dieses Manöver. So können bei Fahrt auf hoher See Personen an Bord gebracht werden. Die Aktion gilt als recht anspruchsvoll. Geschwindigkeiten von Schiff und Hubschrauber, Wind und Strömung müssen dabei perfekt aufeinander abgestimmt sein.

Die an Personalnot leidende Marine, die zurzeit an so vielen Einsätzen beteiligt ist wie noch nie zuvor, bietet großes Aufgebot: Neben der Korvette und den Schnellbooten aus Rostock sind die Fregatten „Mecklenburg-Vorpommern“ und „Schleswig-Holstein“ aus Wilhelmshaven dabei.

Die Reaktion des Publikums, immerhin ist der Bundestag Befehlsherr der Bundeswehr, fallen unterschiedlich aus. „Klar, das ist kein hundertprozentiges Abbild der Marine“, meint CDU-Mann Michael Brand.

Aber das sei keine Kritik. Vorführungen und Alltag wären eben zwei paar Schuhe.

Im Alltag läuft es mit der Technik nicht immer um so rund. Die je 240 Millionen Euro teuren Korvetten waren erst mit langer Verspätung und nach vielen technischen Pannen einsatzreif. Ihre Hauptwaffe, Raketen vom Typ RBS 15, beschäftigte erst kürzlich noch den Bundesrechnungshof; die ursprüngliche vorgesehene Drohne für die Luftaufklärung gibt es noch immer nicht. Vizeadmiral Krause ist froh, dass seine Sea-Lynx-Hubschrauber nach technischen Problemen wieder fliegen. Der oberste Marine-Dienstherr meldet auch Positives: Der neue Marine-Hubschrauber „Sea Lion“, dem die anerkannte Flugsicherheit über See fehlte, soll von der Industrie bis Endes des Jahres in einer einsatzfähigen Version vorgestellt werden.

Mindestens so wichtig wie funktionierende Technik ist, dass es den Menschen bei der Marine gut geht, sagt Politiker Brand. Die neue Arbeitszeitverordnung sei daher mindestens ebenso wichtig, findet auch Agnieszka Brugger (Grüne). Den Männern und Frauen in Blau werde ja so einiges abverlangt, heißt es parteiübergreifend an Bord. Grundsatz-Kritik gibt es nur von den Linken: Der Abgeordnete Jan van Aken fühlte sich an eine Butterfahrt erinnert, „wie eine Verkaufsveranstaltung“. Zurück kamen alle — wie bei der Anreise — auf dem Luftweg: mit einer Transall-Maschine der Bundeswehr, von Rostock-Laage nach Berlin.

Ausschuss tagt normalerweise geheim

32 Mitglieder des Bundestags gehören dem Verteidigungsausschuss an. Normalerweise tagt dieses Gremium hinter verschlossenen Türen. Die Themen, die hier beraten werden, sind brisant — sie berühren nach eigener Darstellung Sicherheitsfragen „des Landes, der Verbündeten und nicht zuletzt der Bundeswehrsoldaten im Einsatz“.

Der Ausschuss dient auch zur Kontrolle des Verteidigungsministeriums durch das Parlament.

5 Einsätze und Missionen binden zurzeit Kräfte der Marine — von der Anti-IS-Operation „Counter Deash“ in der Ägäis bis zur Anti-Piraten-Aktion „Atlanta“ am Horn von Afrika. Hinzu kommen ständige Nato-Verpflichtungen.

Von Gerald Kleine Wördemann

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