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MV aktuell Sellerings Comeback nach Krebs: Ex-Regierungschef wieder fit
Nachrichten MV aktuell Sellerings Comeback nach Krebs: Ex-Regierungschef wieder fit
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00:01 12.12.2017
Gut gelaunt meldete sich Ex-Regierungschef Erwin Sellering (68) gestern in der SPD-Fraktion des Schweriner Landtags zurück. Über ein halbes Jahr war er wegen Lymphdrüsen-Krebs in Behandlung. Er wolle weiter als einfacher Abgeordneter mitarbeiten, so Sellering. Quelle: Fotos: Jens Büttner/frank Pubantz

Erwin Sellering (68, SPD) ist zurück auf der politischen Bühne. Der frühere Ministerpräsident des Landes hat gestern seine Arbeit in der Landtagsfraktion wieder aufgenommen. Mehr als ein halbes Jahr war er wegen Lymphdrüsen-Krebs ausgefallen. Als einfaches Mitglied der Fraktion will er weitermachen. Dass das so einfach nicht wird, zeigte schon sein erster Tag.

In der SPD-Landtagsfraktion will er sich einordnen – Suche nach einer Aufgabe

Hager, blass und ohne Haare, doch mit blitzenden Augen betritt Sellering den Beratungsraum der SPD-Fraktion im Schweriner Schloss. Dort warten Journalisten mit Fragen zur kommenden Landtagssitzung.

Fraktionschef Thomas Krüger hat eine Überraschung angekündigt. Als Sellering in der Tür steht, gehört ihm die Bühne. Die Schlagzeile des Tages möchte er gleich selbst diktieren: „Ministerpräsident a. D. ist wieder fit“. Anfang Juli verabschiedete er sich auf einem tränenreichen Parteitag von der SPD, Manuela Schwesig wurde Nachfolgerin in Partei- und Regierungsspitze. Jetzt ist Sellering wieder da – und mit ihm die Frage: Kann das gut gehen, wenn der einst unumstrittene Boss der Partei zum Hinterbänkler wird?

Sellering lächelt die Frage weg. Er wolle zunächst mit Krüger sprechen, welches Themengebiet er in der Fraktion übernimmt. Fest stehe das noch nicht. Als Regierungschef musste Sellering Generalist sein, war zuvor Justiz- und Sozialminister. „Wir freuen uns, dass der Ministerpräsident a. D. all seine Erfahrung zur Verfügung stellt“, spricht Krüger in Mikrofone.

Harte Monate habe er hinter sich, sagt Sellering. Sechs Therapie-Zyklen, dann eine Stammzellen-Gabe. „Ich habe erwartet, dass es nicht so einfach sein wird“, sagt er. „Das war keine leichte Zeit“

Seit vier Wochen sei er wieder zu Hause bei Frau und Sohn. Stück für Stück habe er sich aufgerappelt. Aufbautraining, Physiotherapie. Nun habe er entschieden: „Ich erkläre mich für gesund und arbeitsfähig.“

Dass die Krankheit komplett besiegt sei, würde er nicht sagen. Aber es gehe weiter. Sehr geholfen habe ihm der starke Zuspruch aus der Bevölkerung. „Ich werde auf der Straße, beim Einkaufen oft angesprochen“, sagt Sellering. Dafür sei er sehr dankbar. „Das hat mir geholfen.“ Lob verteilt er an die Universitätsmedizin in Rostock, die ihn über Monate begleitete. „Ich habe mich dort gut aufgehoben gefühlt.“

Vor gut einem Jahr zog Sellering die SPD zur Landtagswahl wieder an die Spitze auf über 30 Prozent der Stimmen – ein Personenwahlkampf, sein Sieg als „Mister SPD“. Jetzt muss er kürzer treten. „Ich habe ein tolles Vorbild in Harald Ringstorff“, sagt Sellering. Sein Vorgänger als Regierungschef habe sich später auch „total zurückgehalten“. Aber gelingt ihm das? „Das will ich gern auch versuchen.“ Ein Versprechen ist das nicht. Auf die Frage, ob er für eine erneute Große Koalition mit der CDU sei, holt Sellering erst staatsmännisch aus: „Ich finde das sehr problematisch“, sagt er.

Dann bricht er ab. Dazu wolle er sich nicht äußern. Die neue Rolle mahnt ihn.

Ein ganz normaler Abgeordneter dürfte der SPD-Ehrenvorsitzende in der Landtagsfraktion wohl doch nicht sein, wie sein neues Büro zeigt. Ein Türmchen-Zimmer mit herrlichem Blick auf den Burgsee. Das haben andere Abgeordnete nicht. Dass der Schritt zurück nicht leicht wird, mag Sellering erahnen.

Richter, Minister, Ministerpräsident

10 Jahre lang war Erwin Sellering (68) Landesvorsitzender der SPD, achteinhalb Jahre Ministerpräsident (beides bis Frühjahr 2017). In beiden Ämtern folgte ihm Manuela Schwesig (43) nach. Sellering wurde in Sprockhövel (Münsterland) geboren. Er entstammt einem protestantisch-konservativen Elternhaus. Mitte der 1990er kam er als Richter in die Hansestadt Greifswald.

Weitere Stationen: Justizminister MV (2000 bis 2006) Sozialminister (2006 bis 2008), Ministerpräsident (2008 bis 2017). Im Schweriner Landtag sitzt er seit 2002, gewann im Vorjahr ein Direktmandat in Schwerin.

Sellering ist zum zweiten Mal verheiratet. Er hat drei Kinder.

Frank Pubantz

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