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MV aktuell Sex als Lockmittel: Hamburger ausgeraubt
Nachrichten MV aktuell Sex als Lockmittel: Hamburger ausgeraubt
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14:00 12.07.2018
Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz (Symbolbild). Quelle: dpa
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Lübeck

Mit regungsloser Miene sitzt Hamil K. (24, Name geändert) im Saal, während sein Verteidiger gleich zu Beginn erklärt, dass K. die Tat vom 12. Oktober 2017 gestehe. Hamil K. sei „in höchstem Maße kokainabhängig“, habe die Tat geplant, das Opfer verletzt und sei auch für die nachfolgende Tat am 17. Oktober verantwortlich. Für Fragen stehe K. nicht zur Verfügung, sagt sein Verteidiger beim Prozessauftakt unter Vorsitz von Richterin Helga von Lukowicz.

„Ich war in Party-Stimmung. Ich dachte, das geht zackzack.“ Yasin K., Angeklagter

Doch K. hat die Tat vom 12. Oktober nicht allein begangen. Neben ihm sitzt sein eineiiger Zwillingsbruder, Yasin K. (Name geändert), beide mit schwarzem Vollbart und millimeterkurzen Haaren. Beide sind in Lübeck geboren, ihre Eltern stammen aus dem Libanon und lebten zeitweise in der Türkei.

Die „Identitätsführung“ der Familie ist nicht klar, es gibt Namensänderungen, und die Staatsangehörigkeit der Männer ist ungeklärt.

Gemeinsam mit Hamil K.s Freundin Aleyna F. (19) und Neal B. (20, beide Namen geändert) sollen sie einen 34 Jahre alten Hamburger in eine Wohnung in der Clemensstraße gelockt haben. Aleyna F. soll im Internet vorgegeben haben, an dieser Adresse Sexdienstleistungen anzubieten. „Hamil hat gesagt, dass er eine Seite aufmacht. Ich wollte das nicht“, sagt die zierliche, schwarz gekleidete Frau mit langen dunklen Haaren leise. Zuvor hatte sie zu Protokoll gegeben, dass die Idee von ihr stamme. Doch das stimme nicht. „Ich habe nur versucht, dass er weniger Strafe bekommt“, erklärt die Kielerin und fügt hinzu, das alles sei „eine Dummheit“ gewesen.

Hamburger mit Kopfnuss verletzt

Im Verlauf der Nacht wurde der Hamburger mit einer Kopfnuss verletzt, und die drei Angeklagten sollen ihn nach Wertgegenständen durchsucht haben. Er wurde mit einem Messer und vermeintlichen „Heroin-Spritzen“ bedroht, um die Pin-Nummern für seine Mobiltelefone und Bankkarten zu erpressen. Neal B. und Yasin K. fuhren mit dem Opfer zu Geldinstituten in der Innenstadt, um Geld vom Konto des Hamburgers abzuheben. Dies soll nicht gelungen sein. Der 34-Jährige wurde später freigelassen. Den Angeklagten wird nun unter anderem gemeinschaftlich begangener erpresserischer Menschraub mit schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zur Last gelegt.

„Ich wusste von dem Plan fast nichts.“

Über den Tathergang gibt es im Laufe der gut fünfstündigen Verhandlung widersprüchliche Angaben. „Ich war in Partystimmung. Mein Bruder hat gesagt, er wollte ihm die Sachen wegnehmen. Ich dachte, das geht zackzack“, sagt Yasin K. und beteuert, er habe das Opfer vor Gewalt beschützen wollen. Neal B. sagt: „Ich wusste von dem Plan fast nichts.“ Und: „Mir ist es so vorgekommen, dass Yasin auch mitgemacht hat. Ich stand einfach nur da.“ Über die Kopfnuss sei er schockiert gewesen. Auch die Kreditkarte des Opfers habe er nur genommen, „um sie in Sicherheit zu bringen“. Alle Beteiligten betonen, in der Nacht Kokain und Ecstasy konsumiert zu haben. Die Beute, Bargeld und Kokain, sollen sie untereinander aufgeteilt haben.

Ein Nachspiel gab es am 17. Oktober. Hamil K. ging inzwischen davon aus, dass Neal B. doch 2000 Euro vom Konto des Opfers abgehoben hatte. Er soll B.s Bruder in seine Gewalt gebracht, ihn mit einem Messer bedroht und B. gedroht haben, den Bruder zu töten, wenn B. die Summe nicht zahle. Der Bruder konnte fliehen. Hamil K. wird nun zudem erpresserischer Menschenraub mit versuchter schwerer räuberischer Erpressung und versuchter schwerer Raub vorgeworfen. Fortsetzung: 16. Juli.

OZ

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