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MV aktuell Sexpuppen in der Peene: Ärger um Aktion gegen Nazis
Nachrichten MV aktuell Sexpuppen in der Peene: Ärger um Aktion gegen Nazis
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00:00 14.05.2016

Eine Protestaktion von Linksautonomen gegen den NPD-Marsch am 8. Mai in Demmin (Mecklenburgische Seenplatte) sorgt für Diskussionen: Demonstranten aus den Reihen der Antifa hatten beschmierte Sexpuppen in die Peene geworfen. Mit den wie Leichen im Strom treibenden Gummikörpern sei das Andenken an Hunderte Menschen verhöhnt worden, die 1945 den Freitod wählten, monieren Kritiker wie Demmins Bürgermeister Dr. Michael Koch (CDU). Antifa-Anhänger sprechen hingegen von einer „unkonventionellen“ Reaktion auf den Nazi-Aufmarsch.

Der Massensuizid von Demmin ist eine beispiellose Tragödie der deutschen Geschichte: Als im April 1945 kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges die Rote Armee Demmin erreicht, begehen dort fast 1000

Einwohner und Flüchtlinge Selbstmord. Nach Vergewaltigungen stürzen sich Hunderte Frauen mit ihren Kindern in die Peene. Ganze Familien werden ausgelöscht.

Am vergangenen Sonntag haben in Demmin knapp 500 Menschen an die Kriegsopfer erinnert, nach Angaben des Aktionsbündnisses „Demmin bleibt bunt“ so viele wie noch nie. Sie protestierten zugleich gegen den alljährlichen Aufmarsch der NPD.

Mit den Sexpuppen habe die Antifa dem Kampf gegen Rechtsextremisten allerdings einen Bärendienst erwiesen, kritisiert Peter Ritter von der Linksfraktion im Schweriner Landtag. „Das war eine dumme und vollkommen überflüssige Aktion und mitnichten ein Beitrag zur Bewertung von Ursachen, Wirkungen und Folgen nationalsozialistischer Hetze und Kriegspolitik.“

Bürgermeister Koch betont: „Gegen-Demonstrationen sind ein rechtlich zulässiges Mittel, aber für Krawall-Tourismus, wie er von einigen Gruppen organisiert wird, habe ich wie viele unserer Einwohner kein Verständnis.“ Die Sexpuppen-Aktion habe ihn sehr schockiert. Mit Friedensfest, ökumenischer Andacht und Protestmarsch habe es für jeden genügend gute Angebote gegeben, Zeichen gegen die NPD-Kundgebung zu setzen.

Das sehen viele Linksautonome offenbar anders und werfen ihren Kritikern im sozialen Netzwerk Facebook Heuchelei vor. Seit Jahren würden viele Demminer dabei zusehen, wie Rechtsextreme am 8. Mai Trauerkränze in die Peene werfen und damit den Tag der Befreiung „dämonisieren“. Doch wenn die Antifa darauf „auf unkonventionelle Weise reagiert, sind die besorgten Demminer völlig aus dem Häuschen“, heißt es in einem Beitrag. Auf Facebook zu Wort meldet sich auch Dominic Hoffmann. Die Aufregung um Sexpuppen kann er nicht nachvollziehen. „An solch einem Tag und aus dem Anlass Nazi-Aufmärsche zuzulassen, ist das einzig Ekelhafte und Abstoßende in diesem Zusammenhang.“ Und Maik Seidel stellt klar, dass es niemandem darum gegangen sei, Kriegsopfer zu verunglimpfen, sondern darum, das „Geheuchel der Nazis“ bloßzustellen.

Kerstin Lenz von „Demmin bleibt bunt“ zeigt Verständnis für die Sexpuppen-Werfer. „Dahinter steckte sicher keine böse Absicht. Es war einfach unüberlegt.“ Sie bedaure aber, dass dadurch der friedliche Anti-Nazi-Protest überschattet wurde. „Dabei verfolgen wir doch alle das selbe Ziel: Wir wollen uns stark machen, damit Rechtsextremisten keine Chance haben.“

Antje Bernstein

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