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MV aktuell Sitzenbleiber in MV: Nur Bayern drehen mehr Ehrenrunden
Nachrichten MV aktuell Sitzenbleiber in MV: Nur Bayern drehen mehr Ehrenrunden
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06:45 05.09.2013
Misserfolg für den Schüler – Kosten für das Land: Um das Sitzenbleiben entbrennt eine Debatte. Quelle: Getty Images
Schwerin

Das Land der Sitzenbleiber: Bei „Ehrenrunden“ liegen die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit mit an der Spitze. Im Schuljahr 2011/2012 mussten insgesamt 3115 von 122 202 Schülern im Nordosten eine Klasse wiederholen — ein Anteil von mehr als 2,5 Prozent. Nur in Bayern lag die Quote mit 3 Prozent laut Statistischem Bundesamt noch höher. Am niedrigsten war sie in Brandenburg (1,1 Prozent). Dies geht aus einer Antwort von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) auf eine Kleine Anfrage (Drucksache 6/2040) der Linken-Landtagsabgeordneten Simone Oldenburg hervor.

An den Regionalen Schulen in MV blieb in der wichtigen 9. Klasse mit 10,7 Prozent sogar jeder Zehnte sitzen (Bund: 4,9 Prozent). Auch in der 8. Klasse der Regionalen Schulen (6,6 Prozent), der 9. Jahrgangsstufe der Gesamtschulen (7,8 Prozent) sowie der 11. Klasse von Gymnasien (6,8 Prozent) und Gesamtschulen (9,4 Prozent) lag der Anteil der Wiederholer jeweils mehr als doppelt so hoch wie im Bundesschnitt — deutscher Negativ-Rekord. Insgesamt blieben im Schuljahr 2011/2012 allein an den Regionalen Schulen des Landes laut Ministerium 1484 Schüler sitzen.

Bildungsexpertin Simone Oldenburg von der Linksfraktion rechnete vor, dass die Sitzenbleiber — bezogen auf Klassenstärken und zusätzlich benötigte Lehrer — das Land mehr als zehn Millionen Euro extra im Jahr kosten. Die Landesregierung wisse nicht, wie viele Schüler im Laufe ihrer Schullaufbahn mehrmals die Klasse wiederholen müssten. „Damit werden die Alarmsignale ignoriert. Denn wer nicht weiß, wo die Defizite im Bildungswesen liegen, der ist nicht ernsthaft daran interessiert, die Zahl der Schüler zu senken, die keinen Abschluss erreichen“, so die Kritik der Linkspolitikerin. Jährlich verließen 1300 Schüler in MV ohne Abschluss die Schule.

Bildungsminister Brodkorb verteidigte seine Politik. Er halte es in der Diskussion für falsch, den Eindruck zu erwecken, die Sitzenbleiber-Quote ließe sich beliebig reduzieren. „Wenn Schule auf tatsächlich erbrachte Leistung Wert legen soll, werden nicht alle Schüler stets das Klassenziel erreichen.“ Ansonsten müsse man Zeugnisse ganz abschaffen. Er könne sich nicht vorstellen, „dass dies ernsthaft jemand möchte“, erklärte Brodkorb.

Der Minister kündigte an, das Land werde in der nächsten EU-Förderperiode 18 Millionen Euro für zusätzliche Förderstunden bereitstellen. Außerdem würden 2000 Lehrer fortgebildet, um sich verstärkt um lernschwache Schüler kümmern zu können. Kosten: 15 Millionen Euro. Brodkorb forderte, Schule müsse sich künftig mehr als bisher auf Kernfächer wie Mathematik konzentrieren.

Jörg Köpke

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