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Skandal um Haltung von Bio-Puten in MV

Rostock Skandal um Haltung von Bio-Puten in MV

Tierschützer fordern Strafen für „schwarze Schafe“, die zu viel Geflügel in zu kleinen Ställen halten und es übermäßig mästen.

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Tierquälerei in der Bio-Branche? In zwei Mecklenburger Betrieben sollen Puten nicht artgerecht gehalten werden.

Quelle: Animal Rights Watch

Rostock. Blutige Wunden klaffen unter lichtem Gefieder. Apathisch kriechen sterbende Vögel über den Stallboden. Übermästete Puten drängen sich zwischen Kot und den Kadavern ihrer Artgenossen. Es sind schockierende Einblicke in die Bio-Haltung. Laut Tierrechtsorganisation Animal Rights Watch (Ariwa) sind die Aufnahmen Ende Juni entstanden — unter anderem auf zwei Geflügelhöfen in Mecklenburg-Vorpommern. Artgerechte Haltung, wie sie sich Verbraucher vom Bio-Siegel versprechen: Fehlanzeige. Bislang waren solche Zustände nur aus der konventionellen Mast bekannt.

Im Zentrum der Kritik stehen zwei Betriebe aus dem Kreis Ludwigslust-Parchim. Die Anlagen sollen zum bundesweiten Firmennetzwerk des Geflügelproduzenten Heinrich Tiemann gehören und unter dem Namen seiner Söhne Andreas und Markus laufen. Die Betriebe waren gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Tierschützer sind angesichts der Ariwa-Bilder alarmiert. Die Zustände seien ein Skandal, so Kerstin Lenz, Landesvorsitzende des Deutschen Tierschutzbundes. „Obwohl die Tiere nicht ausgemästet sind, können sie schon nicht mehr laufen und haben arge Verletzungen. Das darf nicht sein.“ Wo Bio draufstehe, müsse auch Bio drin sein. Sie fordert harte Strafen für die Geflügelhof-Betreiber. „Jetzt sind auch die Veterinärämter gefragt. Sie müssen die Tiere da rausholen.“

Bei den beschuldigten Betrieben handle es sich um Einzelfälle, vermutet Lenz. Diese „schwarzen Schafe“ brächten die Branche in Verruf. Zu Unrecht, so die Tierschützerin. „Bio-Haltung ist wichtig, weil es den Tieren da besser geht.“ Dennoch fordert sie mehr Kontrollen, um eine artgerechte Haltung zu sichern. Zudem müsse es neue Bestandsobergrenzen für Bio-Mastgeflügel geben, sagt Burkhard Roloff von der Umweltorganisation BUND. „Noch sind zu viele Tiere pro Betrieb zugelassen.“ Pro Stall dürften höchstens 6000 Tiere gehalten werden.

Ariwa wirft Bio-Betrieben nicht nur Tierquälerei bei der Haltung vor, sondern auch die Zucht auf unnatürlich hohe Gewichtszunahme. In der Regel würden in der Bio-Branche die gleichen überzüchteten Rassen verwendet wie in der konventionellen Mast. Das Tierleid sei gesetzlich legitimiert, Kontrollen daher wirkungslos.

Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) will das Bildmaterial von Ariwa auswerten. Er kritisiert die Tierschützer: Sie hätten die Aufnahmen — egal wo sie entstanden sein mögen — zu spät veröffentlicht und ein Eingreifen verzögert. So müsse davon ausgegangen werden, dass den Tieren weiter Leid zugefügt wurde.

Laut Ministerium hat das Landesamt für Landwirtschaft Ende August mehrere Betriebe mit Bio-Putenhaltung kontrolliert — ohne Beanstandung. Einige Geflügelhöfe hätten jedoch Probleme in der Aufzucht gehabt.

Zum Unternehmen Tiemann gehört neben den Betrieben aus MV auch Deutschlands größter Bio-Geflügelverarbeiter Biofino. Der verspricht auf seiner Homepage „Bio-Geflügel aus artgerechter Haltung“. Die Puten würden in großen Ställen mit Grünausläufen gehalten, hätten frische Luft und genug Platz. Die Bilder von Animal Rights Watch sprechen jedoch eine andere Sprache.

 

Animal Rights Watch

Antje Bernstein

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