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„Skelettpuzzle“ in Fürstengruft

Mirow „Skelettpuzzle“ in Fürstengruft

Die Sanierung der Särge der Großherzöge erweist sich als schwierig

Mirow. Als Zahnmediziner ist Rajko Lippert einiges gewohnt. „Aber als wir die Toten aus den Särgen in der verfallenen Fürstengruft geborgen haben, haben mir die Arme gezittert“, sagte der Vorsitzende des Vereins Kulturgut Mecklenburg-Strelitz gestern in Mirow. Lippert traf sich an der Mecklenburgischen Seenplatte mit Politikern und Experten, um die Sanierung der herzoglichen Fürstengruft abzusprechen. Diese erweist sich als schwieriges Identitätspuzzle.

„Wir haben durch Untersuchungen jetzt weitere Skelette genauer zuordnen können, darunter ist der Begründer der Stadt Neustrelitz, Adolf Friedrich III.“, sagte Lippert. Adolf Friedrich III.

(1685-1752) hatte nach dem Brand des Schlosses in Alt-Strelitz ab 1733 Neustrelitz nach dem Vorbild einer italienischen Stadt aufbauen lassen.

„Wir versuchen, den Bestatteten ihre Würde zurückzugeben“, erläuterte Kunsthistoriker Andreas Ströbl. Der Lübecker betreibt mit seiner Frau Regina die „Forschungsstelle Gruft“, die für die Restaurierung der Särge zuständig ist. Mehrere Särge haben sie bereits nach Schwerin zur Restaurierung bringen lassen.

Die Gruft in Mirow gehörte einst zum Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz, das von 1701 bis 1918 neben Mecklenburg-Schwerin existierte. Die Gruft zählt zu den bedeutendsten adligen Grabgelegen im Nordosten. Allerdings verfiel die Gruft im Zweiten Weltkrieg, als auch die Kirche zerstört wurde. Bis zum Wiederaufbau 1953 wurden in den Nachkriegswirren Särge geplündert und zerstört oder andere Tote einfach hinzugelegt. Laut Archiv gab es 44 Beisetzungen mit 45 Toten – ein Kind wurde mit der Mutter zusammen beigesetzt. 30 Särge wurden in drei Räumen gefunden, von einigen nur Teile. Darin die Skelette und Knochen von etwa 40 Menschen. „Wir konnten bisher 34 Tote identifizieren“, sagte Lippert. So lagen die Eltern von Preußenkönigin Luise (1776-1810) noch in ihrem Sarg, aber vom Vater fehlte zunächst der Schädel. Dieser wurde in einem anderen Sarg entdeckt.

Die Kosten für die Sanierung von Gruft, Kirchenmauer und Außenanlagen werden auf 900 000 Euro geschätzt. Davon tragen die Hälfte das Land und die Stadt, zudem hat der Bund 350 000 Euro zugesagt. Das Gros der Arbeiten soll bis Ende 2017 fertig sein. Winfried Wagner

OZ

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