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Slawen-Schiff „Perun“ auf historischer Handelsfahrt

Rostock/Groß Strömkendorf Slawen-Schiff „Perun“ auf historischer Handelsfahrt

Bootsbauer und Mittelalterfreunde erkunden alte Handelsstätten entlang der Ostseeküste — von Groß Strömkendorf bis Wolin.

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Abenteuer Mittelalter: Mit dem Rahsegler „Perun“ wandeln die Seeleute auf historischen Routen.

Quelle: Bernd Jakobsen

Rostock. Sie wandeln auf den Spuren der Vergangenheit: Eine Gruppe von Bootsbauern und Mittelalter- Freunden macht sich auf, um alte Handelswege entlang der Ostseeküste zu erkunden. Am Samstag starten sieben Leute um den Bootsbau-Experten Kai Zausch in Groß Strömkendorf bei Wismar. Ihr Ziel ist das mehr als 300 Kilometer entfernte polnische Wolin.

Großen Wert legen die Seefahrer dabei auf Originaltreue: Vom Nachbau eines alten Slawen-Bootes bis zur Slawen- und Wikingerkleidung und zum Leben an Bord und Strand soll alles so weit wie möglich den Zeiten vor mehr als tausend Jahren entsprechen. „Das bringt natürlich einige Entbehrungen mit sich“, sagt Zausch. Abends fein essen gehen etwa fällt aus. Stattdessen wird im Specksteintopf auf dem offenen Feuer gekocht; es gibt Fisch, Eier, Trockenobst, und der Brotteig besteht nur aus Mehl und Wasser.

Das Boot, die nach einem Slawen-Gott benannte „Perun“, hat Zausch mit Jugendlichen 2009 auf der Bundesgartenschau in Schwerin gebaut — originalgetreu nach archäologischen Schiffsfunden. Und in der alten Bauweise: Das Holz wird nicht gesägt, sondern gespalten, und für die Verbindung werden Holznägel hergenommen. „Die Wikinger haben Eisennieten verwendet, aber auf dem Gebiet des heutigen Mecklenburg-Vorpommern herrschte wohl damals ein Mangel an Eisen“, erklärt der Bootsbauer.

Auf der Fahrt wollen sie auch andere Orte aufsuchen: Neben dem historischen „emporium reric“ beim heutigen Groß Strömkendorf sind dies Dierkow (heute Stadtteil von Rostock) und der polnische Ort Wolin. „Das waren früher neben Ralswiek auf Rügen und Menzlin bei Anklam bedeutende Handelsstätten an der Ostseeküste“, erklärt die geschäftsführende Direktorin des Deutschen Schifffahrtsmuseums in Bremerhaven, Prof. Sunhild Kleingärtner. Seefahrten unter authentischen Bedingungen, wie jene mit der „Perun“, würden eine gute Gelegenheit bieten, sowohl das Material zu testen als auch wertvolle Erfahrungen über das damalige Leben zu sammeln.

Bei der Navigation orientieren sich die Historienfreunde aus MV weitgehend an Landmarken, wie Buchten, Mündungen oder Inseln. Dennoch wird Steuermann Zausch kein Risiko eingehen und ein kleines modernes Navigationsgerät mitnehmen. „Aber das nutze ich nur, wenn es riskant werden sollte“, erklärt der 44-Jährige aus Zickhusen bei Schwerin.

An zwei Stellen wird die „Perun“ an Land gehen: Bei Rerik am Salzhaff und bei Wustrow auf dem Fischland werden die Seefahrer das sieben Meter lange und 1,60 Meter breite Boot über Dünen und Strand tragen — und dabei auf tatkräftige Unterstützung von Urlaubern und Einheimischen hoffen. Spätestens am 10. August wollen sie Wolin erreichen und die Rückreise dann — ganz modern — mit Auto und Trailer antreten.

 

Axel Meyer

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